Unleashing God's Truth, One Verse at a Time

Die Zeichen für Christi Kommen, Teil 1 (German)

Matthäus 24:1-3

Code: de2366

Heute früh haben wir das Privileg, mit einer Serie zu beginnen, auf die ich bereits seit sehr vielen Jahren gewartet habe. Damit meine ich die Betrachtung von Matthäus 24 und 25, die allgemein als "Die Endzeitrede auf dem Ölberg" bekannt ist, weil es sich hierbei um eine Predigt handelt, die unser Herr vor seinen Jüngern auf dem Ölberg hielt. Das Thema dieser großartigen Predigt ist die Wiederkehr Jesu Christi. Es ist eine Predigt unseres Herrn über seine Wiederkehr und das Ende der jetzigen Weltzeit und die Errichtung seines Reiches.

Jeder auslegende Bibellehrer würde sich liebend gerne mit diesem Textabschnitt befassen und ich bin auf jeden Fall begeistert, dass wir jetzt an dieser Stelle sind. Ich habe das Gefühl, wir werden eine Weile hier verweilen, denn Matthäus 24 und 25 enthalten viel, mit dem wir uns auseinandersetzen sollten. Die ganze Predigt wird von einer Frage der Jünger ausgelöst. Die Antwort unseres Herrn ist die längste Antwort auf irgendeine Frage, die im Neuen Testament aufgezeichnet wurde. Die Einsichten aus dieser Rede sind von grundlegender Bedeutung für unser Verständnis der Zukunft. Und ich bin mir sicher, während wir uns durcharbeiten, werdet ihr ebenso begeistert und fasziniert sein wie ich, wenn wir diese überwältigenden Wahrheiten über die Wiederkehr unseres Herrn Jesus Christus studieren.

Die Bibel sagt viel darüber. Die Propheten des Alten Testaments, insbesondere Jesaja, Hesekiel, Sacharja, das Neue Testament, das Buch der Offenbarung - wir sind mehr oder weniger vertraut damit, was die Bibel über die Zukunft zu sagen hat. Der größte Teil davon findet sich überwiegend in den Prophezeiungen von Daniel, besonders im Vergleich zum Buch der Offenbarung. Und manchmal denke ich, dass Matthäus 24 und 25 bei all diesen Betrachtungen ausgelassen wird. Und dennoch, als es darum ging, was unser Herr zu diesem Thema zu sagen hatte, sagte er dies, und deshalb muss es nach meiner Auffassung mit besonderem Nachdruck behandelt werden. Es ist die Lehre unseres Herrn selbst über seine Wiederkehr in Herrlichkeit, um sein Reich zu errichten. Und das werden wir sehen, wenn wir uns mit den Kapiteln 24 und 25 befassen.

Ich möchte auch sagen, dass diese Kapitel viel diskutiert werden. Und ich denke, sie werden oft missverstanden. Es gibt sehr viel verschiedene Ansichten und Interpretationen verschiedener Aspekte, während wir uns durch die Kapitel arbeiten. Und auch hier scheint es mir, wie bei so vielen Dingen in der Schrift, dass die Angelegenheit nicht ganz so komplex ist, wie die Leute sie gerne ausmachen. Für mich stellt sich die Sache recht einfach dar und ich bekenne, dass das vielleicht mein Problem ist, weil es mir recht häufig geschieht, dass Dinge in meinen Augen recht einfach erscheinen. Aber ich versuche, mich in die Lage der Jünger zu versetzen, die nicht die tiefgründigsten Männer waren, wie jeder Student der Bibel wissen müsste, denen Jesus jedoch zumindest zugetraut haben musste, diese Dinge zu verstehen.

Deshalb glaube ich, dass wir Matthäus 24 und 25 verstehen können. Ich glaube, wir können das sehr deutlich, sehr einfach und sehr direkt verstehen und ich glaube, es kann fundierte und weitreichende Auswirkungen auf unser Leben haben. Ich glaube auch, dass wir dies als einige der aufregendsten und faszinierendsten Lehren empfinden werden, die wir je gelehrt oder gelernt haben. Und das werden wir sehen, während wir uns durcharbeiten.

Aber eine Sache, die jeder weiß, der die Schrift auslegt, ist, dass man sich manchmal einfach mit den praktischen Grundlagen und dem Kleinkram beschäftigen muss. Manchmal muss man einfach das Grundgerüst schaffen. Und an diesem Punkt befinden wir uns heute früh. Ich muss euch wirklich einige Grundlagen geben, damit wir verstehen können, in welche Richtung diese spezifische Botschaft unsers Herrn abzielt, dieser großartige Diskurs, diese großartige Predigt über seine Wiederkehr. Deshalb möchte ich heute früh sehen, ob ich nicht in euren Gedanken das grundlegende Verständnis verankern kann, damit diese Angelegenheit wirklich einleuchtend ist, bevor wir damit beginnen.

Jeder ist neugierig, was die Zukunft bringen wird. Ich meine, das ist offensichtlich, wir alle sind es. Aus dem einen oder anderen Grund würden wir gerne in die Zukunft sehen. Wir würden gerne wissen, was wir nicht wissen. Fast jeder würde gerne wissen, wie sein Leben in der Zukunft aussehen wird. Und es gibt Menschen, die gerne wissen würden, was in der Wirtschaft geschehen wird, damit sie die richtigen Investitionen tätigen können. Es gibt viele Gründe, aus denen wir die Zukunft verstehen möchten, und deshalb hat der Mensch immer versucht, das zu verstehen, was über die Zukunft unbekannt ist. Er fühlt sich dazu hingezogen.

Diese intensive Beschäftigung mit Angelegenheiten der Zukunft beschränkt sich keineswegs nur auf diejenigen, die die Bibel studieren. Im Verlauf der gesamten Menschheitsgeschichte, in jeder Religion, hat es Seher und Propheten und Wahrsager und Medizinmänner und Medien und Futuristen und Kartenleger und religiöse Führer und alle möglichen Leute gegeben, die schon immer versucht haben, quasi einen Schritt in die Zukunft zu tun und sich ein Bild davon zu verschaffen, was dort geschieht, und dann Bericht zu erstatten, damit die Menschen besser mit der Gegenwart klarkommen, indem sie etwas von der Zukunft verstehen.

Die Juden zu Zeiten Jesu waren nicht anders. Sie wollten ebenfalls etwas über die Zukunft wissen. Und sie hatten ihre Gründe dafür. Ich meine, sie waren es leid, unterdrückt zu sein. Sie waren es leid, irgendeiner sie beherrschenden Nation zu unterstehen. Sie waren, in jedem Sinne, ein ehrbares Volk und sind es noch immer. Die jüdische Linie der Menschheit ist wirklich eine ehrbare Linie von Menschen. Sie sind kein Volk, denen es an dem mangelt, was zur Autonomie erforderlich ist. Sie sind kein Volk, das sich nicht selbst regieren und seine eigene sinnstiftende Gesellschaft schaffen und Beiträge leisten kann. Sie haben es wirklich nicht nötig, Untertanen von jemand Anders zu sein, aber genau diesen Platz hat die Geschichte ihnen für den Großteil ihres Lebens zugewiesen. Zur Zeit Jesu sind sie also inzwischen erpicht darauf, das Ende ihrer Unterdrückung zu erleben, die sie in der ganzen Phase geplagt hat, welche die Bibel die „Zeit der Heiden“ nennt, bis zu diesem Zeitpunkt.

Sie sehnen sich also danach, die Ankunft ihres Messias zu erleben, weil sie wissen, dass der Messias alles ins rechte Lot bringen wird, wenn er kommt. Er wird die Unterdrücker stürzen. Er wird die Probleme lösen, die es zu lösen gilt, und er wird in Israel wieder das Reich errichten und die Dinge werden so sein, wie sie laut Gottes Verheißung sein sollten und sein werden. Und deshalb sind sie erfüllt von eschatologischer Hoffnung. „Eschatologisch“ stammt von dem griechischen Wort eschatos ab und bedeutet „die letzte Sache“; der Begriff bezieht sich also auf das Studium der Letzten Dinge.

Den Juden lagen die Letzten Dinge wirklich am Herzen. Sie hatten genug von all den Schwierigkeiten. Sie hatten Unterdrückung durch die Assyrer erlebt, als die zehn Stämme aus dem Norden weggeführt worden waren. Sie hatten die Gefangenschaft in Babylon erlebt, als das südliche Königreich, Juda, weggeführt worden war. Sie hatten die persische Herrschaft und die griechische Herrschaft und jetzt die römische Unterdrückung erlebt, und sie hatten genug von all dem. Und in ihren Köpfen waren sie, wie sie es in Johannes 8 gegenüber Jesus ausdrückten, niemals jemandes Knecht. Sie warteten auf den Tag, an dem sie wieder frei sein und von einem gerechten König regiert werden würden, wenn sie das Königreich kennen würden, dass Gott ihnen verheißen hatte, in dem alle Segnungen und Seligpreisungen, die im Alten Testament verheißen worden waren, blühen und gedeihen würden.

Und sie lasen das Alte Testament. Und sie wussten, dass das Alte Testament von einer frohen und hoffnungsvollen Zukunft sprach. Sie wussten, dass das Alte Testament davon sprach, dass Gott ein Reich errichten würde. Sie wussten, dass sie auf einen Gesalbten warten sollten, einen König, einen Messias, oder, im Griechischen, einen Christus, der kommen und wieder die Herrschaft Davids auf Erden errichten würde. Und sie sehnten sich danach, dass das geschehen würde … eine Zeit, in der Gerechtigkeit und Frieden vorherrschten, eine Zeit, in der Jerusalem im Wohlstand und in Sicherheit lebte, nicht nur für kurze Zeit, sondern für immer und ewig, wie der Prophet Jesaja ihnen gesagt hatte. Sie sehnten sich danach, den Tag zu erleben, wenn das Reich wieder so hergestellt würde, wie Gott es verheißen hatte.

Und deshalb warteten sie hoffnungsvoll auf die Zukunft. Und sie lasen die Propheten des Alten Testaments zweifelsohne voller Genuss. Gewiss lobpreisten sie, als sie auf das warteten, was Jesaja in Kapitel 9 gesagt hatte, dass nämlich einer kommen würde, auf dessen Schultern die Herrschaft der Welt ruhen würde und er würde herrschen. „Und man nennt seinen Namen: Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, Ewig-Vater, Friedefürst. Die Mehrung der Herrschaft und der Friede werden kein Ende haben auf dem Thron Davids und über seinem Königreich, daß er es gründe und festige mit Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in die Ewigkeit …“ usw. Sie verstanden das wirklich. Sie waren begeistert darüber. Sie müssen in Jesaja 11,1 gelesen haben, dass ein Zweig hervorgehen wird aus dem Stumpf Isais, dem Vater Davids. Noch ein „wie David“, nicht David selbst, aber einer wie David, ein König wie David, der in einer wohlhabenden Zeit regieren würde. Und dieser spezifische „wie David“, so heißt es in Jesaja 11,2 wird mit der siebenfachen Kraft des Heiligen Geistes gesalbt sein. Sie müssen dieses elfte Kapitel, durch das sich all das zieht, viele Male gelesen und all die Dinge gesehen haben, die noch kommen sollten.

Und sie müssen auch Jeremia Kapitel 23 und Kapitel 30 gelesen haben, in denen es darum geht, dass einer kommen würde, der auf dem Thron seines Vaters David sitzen und regieren würde und dass Israel wieder die Blume sein würde, die sie hätte sein sollen, in voller Pracht und Herrlichkeit unter dem Segen Gottes.

Und sie müssen Sacharja gelesen haben, weil Sacharja darüber redet, besonders in Kapitel 14. Und sie kannten ganz gewiss Daniel. Und sie müssen gewusst haben, dass es in Daniel eine Verheißung einer großen Vernichtung am Ende gab, aber dass diese Vernichtung nicht das Ende sein würde, weil ein Stein kommen würde, der sich ohne Zutun von Menschenhänden losriss und das ewige Reich auf Erden errichten würde. Sie waren sich sehr wohl bewusst darüber, was die Propheten zu sagen hatten.

Zu dem Zeitpunkt also, als Jesus lebte, existiert in den Köpfen der Juden ein überaus deutliches Bild eschatologischer Ereignisse. Und sie hatten im Prinzip die Lehren des Alten Testaments aus Daniel und Sacharja und Jesaja und Jeremia genommen und sie mit der Lehre Hesekiels zusammengefügt, um ein Gesamtbild zu malen, wie die Dinge am Ende sein würden. Und wir sehen, wie diese Eschatologie in den Schriften jener Zeit zum Ausdruck kommt.

Wenn ihr die nichtbiblischen Texte aus der Zeit Christi lest, vermitteln sie uns Erkenntnisse über die Gedanken der Juden zu jener Zeit. Das ist sehr wichtig als Hintergrund für unseren Text. Was war nach der Vorstellung der Juden das Ende dieser Weltzeit? Wie würde nach ihrer Vorstellung die Ankunft des Menschensohnes, oder des Christus, aussehen? Wie stellten sie sich das Gericht vor? Welche Ereignisse erwarteten sie?

Nun, lasst uns das Material nehmen, das sie in jener Zeit schrieben, nicht-biblische Bücher, sie schrieben religiöse Bücher, die nicht biblisch waren. Es gab zum Beispiel das Buch Henoch und die Psalmen Salomos. Es gibt die Himmelfahrt des Mose, das Buch der Jubiläen, die Himmelfahrt des Jesaja, das vierte Buch Esra, die Apokalypse des Baruch und das Buch der Geheimnisse des Henoch. Und diese Art von Büchern, die sibyllinischen Orakel, verschiedene religiöse Bücher … sie sind nicht von Gott geschrieben, nicht von Gott verfasst, sie stammen von Männern, die ihre religiösen Einstellungen zum Ausdruck bringen, aber sie offenbaren die Gedanken der Juden. Sie sagen uns, was die Juden zu jener Zeit dachten. Und wir sehen, dass viele dieser Bücher von eschatologischen Dingen beherrscht werden, von Dingen der Zukunft.

Und wenn wir diese Bücher betrachten würden, würden wir darin einige sehr faszinierende Auffassungen finden. Lasst mich einmal versuchen, euch zu einer Quelle zu führen, die das für euch umreißt. Das ist für mich ein sehr faszinierender Punkt. Ein Mann namens Schürer schrieb ein Buch mit dem Titel „Geschichte des jüdischen Volkes im Zeitalter Christi“. Dieser Mann, der keine besondere Ansicht über die Endzeit vertritt, und ganz gewiss nicht unsere Ansicht, berichtet uns, woran die Juden zu jener Zeit glaubten. Und das ist überaus faszinierend. Und er extrahiert das aus ihrer zeitgenössischen Literatur, aus dem, was sie schreiben.

Ich möchte euch die Geheimnisse verraten. Erstens, sagt Schürer, glaubten die Juden, dass es vor der Ankunft des Messias eine Zeit großer Bedrängnis geben würde. Bevor der Messias also kommt, würde es eine Zeit der Wehen geben. Eine Frau bekommt Wehen, unmittelbar bevor ein neues Leben aus ihrer Gebärmutter hervorkommt; bevor das Reich des Messias also errichtet wird, wird die Nation Bedrängnis und Schmerzen leiden.

Sie hätten diese Einsicht einfach aus dem vierzehnten Kapitel von Sacharja ableiten können, denn im Prinzip steht genau das dort. Und wir sehen, dass sie so dachten, wenn wir zum Beispiel das zweite Buch des Baruch lesen, worin es [übersetzt] heißt: „Und Ehre wird in Schmach verwandelt und Stärke erniedrigt zur Verachtung […] und Schönheit wird zu Schande […] Der Eifer erwacht in solchen, bei denen man es nicht hätte vermuten sollen, und Leidenschaft ergreift den der ruhig war. Und viele werden in zornige Erregung kommen, und sie bringen Unheil über Viele. Und sie werden Heere aufbringen, die Blut vergiessen, und mit ihnen zusammen werden sie zuletzt zu Grunde gehn.“[1]

Sie erwarteten also eine Zeit, in der die Moral auf das Schrecklichste verfallen würde, wenn Ehre und Anstand zerstört würden, eine Zeit, wenn die Welt kriegsähnlich sein würde und es physisches und moralisches Chaos auf der Welt geben würde. Und das wären die Wehen, die den Messias bringen würden.

Im vierten Buch Esra, einem weiteren ihrer Bücher, aus dem wir erfahren, was sie denken, heißt es, es würde Erdbeben geben, Empörung in den Ländern, Anschläge unter den Nationen und Unruhen unter den Fürsten.

Darüber hinaus heißt es in den sibyllinischen Orakeln: „Vom Himmel werden feurige Schwerter auf die Erde fallen; wiederum große Fackeln werden kommen, mitten unter die Menschen hineinleuchtend. Die allesgebärende Erde wird in jenen Tagen bewegt werden durch die unsterbliche Hand, und die Fische im Meer und alle Tiere der Erde und die unzähligen Arten der Vögel und alle Seelen der Menschen und das ganze Meer wird schaudern vor dem unsterblichen Antlitz und es wird Schrecken sein. Die jähen Gipfel der Berge und die ungeheuren Hügel wird er zerreißen, und das schwarze Dunkel wird allen sichtbar sein. Neblige Schluchten in den hohen Bergen werden voll von Leichen sein; es werden strömen die Felsen von Blut und jeder Gießbach wird die Ebene füllen [...] Und Gott wird Alle richten mit Krieg und Schwert und Feuer und [alles] überschwemmendem Regen, und es wird Schwefel vom Himmel kommen, dazu Sturm und Hagel, viel und hart; Tod wird über das Vieh kommen. […] Auch die Erde selbst wird trinken von dem Blute der Umkommenden; die wilden Tiere werden sich sättigen am Fleische.“[2]

Wenn ihr es nicht besser wüsstet, könntet ihr denken, dieser Mann hätte das Buch der Offenbarung gelesen. Aber das war noch nicht geschrieben worden. Sie sahen eine Zukunft voller gewaltigem Aufruhr, Bedrängnis auf der ganzen Welt. In der Mischna erwarten sie [übersetzt], dass: „Hochmut zunimmt, Ehrgeiz emporschießt und der Weinstock Früchte trägt, doch Wein selten ist. Die Regierung wendet sich Irrlehren zu. Es gibt keine Unterweisung. Die Synagoge ist der Lüsternheit ergeben. Galiläa ist zerstört. Gablan ist verwüstet. Die Einwohner eines Bezirks gehen von Stadt zu Stadt, ohne Mitgefühl zu finden. Die Weisheit der Gelehrten wird gehasst. Der Gottesfürchtige wird verachtet. Die Wahrheit ist abwesend. Jungen beleidigen alte Männer. Alte Männer stehen in der Gegenwart von Kindern. Der Sohn wertet den Vater ab. Die Tochter rebelliert gegen die Mutter. Die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter und die Feinde eines Mannes sind seine Mitbewohner.“ Das stammt aus der Mischna. Sie wussten es zwar nicht, aber sie waren Prämillennialisten. Sie erwarteten die große Bedrängnis. Die Zeit, die der Ankunft des Messias vorausging, würde also eine Zeit des Aufruhrs auf der ganzen Welt sein.

Die zweite Sache, die Bestandteil ihrer Eschatologie war, war, dass in dieser Zeit der Aufruhr ein Vorläufer und Bote kommen würde, der die unmittelbar bevorstehende Ankunft des Messias ankündigen würde, und dass er wie Elia sein würde. Ebenso wie der Messias nicht David ist, sondern wie David, ist der Vorläufer nicht Elia, sondern wie Elia. So wie der König selbst quasi im Geist und noch mehr in der Macht Davids kommt, so kommt der Vorläufer im Geist und noch mehr in der Macht von Elia. Deshalb erwarteten sie, dass einer wie Elia kommen würde. Deshalb fühlten sie sich anfangs so zu Johannes dem Täufer hingezogen, weil er Elia so ähnlich war. Und Johannes der Täufer wäre jener Elia gewesen und hätte jene Prophezeiung erfüllt, wenn sie Jesus Christus und sein Reich angenommen hätten. Aber weil sie ihn ablehnten und das Reich aufgeschoben wurde, muss es einen anderen geben, der wie Elia ist und vor der Wiederkehr des Königs kommt.

Und deshalb sahen die Juden -- die nicht unbedingt all das begriffen, was ich euch gerade gesagt habe --, dass einer wie Elia kommen würde, der die Ankunft des Messias ankündigen würde. Das mündlich überlieferte Gesetz der Juden legte sogar fest, dass Geld und Eigentum, dessen Besitz umstritten war, oder irgendeine Fundsache, deren Eigentümer unbekannt war, warten mussten, „bis Elia kommt“. Denn er würde alles richtigstellen, damit jeder für den Messias bereit wäre.

Die nächste Sache, die sie sahen, war die Ankunft des Messias. Erst eine Zeit der Bedrängnis, dann ein Bote und dann die Ankunft des Messias selbst … derjenige, der der König war, die große göttliche Figur, die kommen und dieser Weltzeit ein Ende setzen und das Zeitalter der Herrlichkeit, das Reich Gottes errichten und Gottes Volk rechtfertigen würde.

Die nächste Sache, die sie, laut Schürer, in ihrer Eschatologie sahen, war, dass die Nationen sich verbünden und versammeln würden, um den Messias zu bekämpfen. Erstaunlich. Zweifelsfrei hatten sie auch hier wieder das Buch Daniel gelesen, denn genau das sagt Daniel im Wesentlichen und es wird im Buch der Offenbarung weiter umrissen, was natürlich sehr viel später geschrieben wurde. Aber in den sibyllinischen Orakeln lesen wir zum Beispiel wieder die folgende jüdische Lehre: „Aber wiederum werden die Könige der Völker gegen dieses Land insgesamt einen Ansturm machen, sich selbst den Tod bringend. Denn den Tempel des großen Gottes und die trefflichsten Männer werden sie verderben wollen. Wenn sie in das Land gekommen sind, werden die schändlichen Könige rings um die Stadt jeder seinen Thron ‚aufstellen’, bei sich habend sein ungehorsames Volk. Und Gott wird mit lauter Stimme reden zu dem ganzen unerzogenen, eitel denkenden Volk, und das Gericht wird ihnen kommen vom großen Gott, und sie werden alle umkommen durch die unsterbliche Hand.“[3]

Er sieht alle Nationen in Jerusalem versammelt, oder drum herum, alle Nationen sind in Israel versammelt, um gegen Gott zu kämpfen. Sie halten ihre eigenen Götter hoch, mit all ihren Völkern um sie herum, und inmitten von diesen ganzen Bemühungen, Gott zu bekämpfen, zerstört Gott sie alle. Und im vierten Buch Esra heißt es: „Dann, wann alle Völker seine Stimme vernehmen, werden sie alle ihre Länder und wechselseitigen Kriege lassen; so wird sich ein unzählbares Heer an einem Punkte sammeln, wie du gesehen hast, daß sie von sich aus herankamen und ihn angriffen.“[4] Alle anderen Kriege werden aufhören und jeder wird ausziehen, um gegen den Messias zu kämpfen.

Auch hier war das, laut Schürer, wieder der jüdische Glaube zurzeit Christi. Und das ist genau das, was die Bibel lehrt … genau das, was wir von den Propheten des Alten Testaments und auch vom Buch der Offenbarung verstehen.

Das führt uns zu der nächsten Sache, die sie in ihrer Eschatologie lehrten, dass nämlich das Ergebnis der Schlacht gegen den Messias die vollkommene Zerstörung all dieser Nationen sein würde. Es würde eine vollkommene Verheerung der Nationen geben, die sich dem Messias widersetzten. Philo sagte sogar, der Messias würde „die Führung übernehmen und Krieg führen und große und bevölkerungsreiche Nationen zerstören.“

Und im vierten Buch Esra heißt es wieder: „Er wird ihnen die Gottlosigkeit vorhalten, die Ungerechtigkeiten 'strafen', die Frevel vor Augen führen [...], dann aber, nachdem er sie überwiesen, wird er sie vernichten.“[5] Und bei Henoch heißt es: „An jenen Tagen werden sie nicht errettet werden durch Gold und durch Silber. Und nicht werden sie es in ihrer Gewalt haben, sich zu schützen und zu fliehen. Da wird es weder Eisen geben zu Waffen, noch einen Panzer für die Brust. Erz wird nutzlos sein, nutzlos auch, was weder rostet, noch sich abzehrt, und Blei wird nicht begehrt werden. All diese Dinge werden verworfen werden und untergehen von der Erde.“[6]

Mit anderen Worten, er wird kommen und alle feindlichen Nationen zerstören, sodass ihre Rüstung und all die Dinge, die sie zu ihrem Schutz verwenden, vollkommen nutzlos sind.

Vergesst nicht, dass ich euch hier nicht zeitgenössische dispensationale Ansichten von Prämillennialisten vorstelle, sondern eine Betrachtung Israels zurzeit Christi. Sie sahen die Bedrängnis kommen. Und dann kommt der Messias, nachdem er von seinem Vorläufer angekündigt worden war. Wenn er kommt, wird er von den Nationen bekämpft werden, die er auf verheerende Weise besiegen wird.

Dann glaubten sie, das nächste Ereignis wäre die Wiedererrichtung von Jerusalem. Das wäre eine Rundumerneuerung von Jerusalem. Das wäre die Läuterung jener Stadt, damit sie das Jerusalem des großartigen Jahrtausends wäre, das Jerusalem des großartigen Reiches, das Jerusalem der großartigen, ewigen Herrlichkeit des Königs. Henoch drückt das im Buch Henoch folgendermaßen aus: „Alle seine Säulen waren neu und sein Elfenbein neu und stärker als das erste alte, welches er herausgebracht hatte.“[7] So steht es da, und so sahen sie diese Erneuerung des gesamten Jerusalems.

Das nächste Ereignis, das sie sahen, war, dass die Juden in der Zerstreuung, die überall auf der Welt verteilt waren, wieder zusammenkommen würden. Sie würden wieder in die Stadt Jerusalem zusammenkommen. Bis heute sagt das tägliche Gebet der Juden das sogar zum Teil: „Erhebe das Panier, unsere Verbannten zu sammeln, und sammle uns insgesamt von den vier Enden der Erde.“[8] Das ist ein Teil des täglichen jüdischen Gebets. Sie suchen nach dem Tag, wenn der Messias kommt, all diese Nationen besiegt, Jerusalem wiedererrichtet und dann all die Juden aus der ganzen Welt wieder versammelt.

In den Psalmen Salomos steht sogar geschrieben: „Posaunet in Zion mit der Lärmposaune für die Heiligen, laßt in Jerusalem des Siegesboten Stimme hören, denn Gott hat sich Israels erbarmt, es heimgesucht! Tritt hin, Jerusalem, auf eine Warte und sieh deine Kinder, vom Aufgang und Niedergang zusammengebracht vom Herrn! Vom Norden kommen sie, frohlockend über ihren Gott; von den Gestaden fernher hat Gott sie vereint. Hohe Berge hat er ihnen zuliebe zur Ebene erniedrigt; die Hügel flohen vor den Heimziehenden weg. Die Wälder liehen ihnen Schatten auf ihrem Zug; allerlei wohlduftende Hölzer ließ Gott ihnen aufsprießen, daß Israel dahinziehe unter dem Schirm der Herrlichkeit ihres Gottes. Thue an, Israel, deine Ehrenkleider, lege zurecht dein heiliges Gewand; denn Gott hat das Heil Israels beschlossen für immer und ewig!' Es thue der Herr, was er verheißen über Israel und Jerusalem; es richte der Herr Israel auf durch seinen herrlichen Namen! Des Herrn [Werk] ist das Erbarmen über Israel immer und ewig.“[9]

Sie sehen Gott also kommen, jeden versammeln und sie zu einem verherrlichten Jerusalem zurückbringen. Das war ihr Traum. Das war es, was sie auf der Grundlage der Propheten des Alten Testaments erwarteten. Es geht darum, dass sie die Propheten des Alten Testaments auf dieselbe Weise verstanden wie wir. Nach unserem Verständnis laufen die Dinge in derselben Reihenfolge ab. Die Leute sagen: „Nun, wenn du prämillennial bist, wenn du an den Standpunkt des Prämillennialismus glaubst, dann glaubst du, dass Christus nach einer Zeit der Bedrängnis zurückkehren wird, um sein Reich auf der Erde zu errichten, das ist etwas Neues.“ Das ist nichts Neues. Dieses Verständnis der Propheten des Alten Testaments entspricht genau dem Verständnis der Juden zu Jesu Zeit.

Und dann glaubten sie, dass Palästina zum Mittelpunkt der Welt werden wird. Das war der jüdische Glaube. Palästina wird zum Zentrum von allem werden. Die ganze Welt würde Palästina unterstehen. Alle Nationen würden unterworfen werden. Und die Nationen würden nach Jerusalem kommen, um den König anzubeten. In den sibyllinischen Orakeln heißt es wieder: „Und dann werden alle Inseln und Städte sagen, wie sehr der unsterbliche Gott jene Männer liebt“, es geht hier um die Juden, „denn Alles wirkt für sie mit und steht ihnen bei […] Kommt, niederfallend zur Erde laßt uns alle anflehen den unsterblichen König, den großen und ewigen Gott. Lasst uns zum Tempel schicken, denn er allein ist der Herrscher.“[10]

Sie glaubten also, dass die ganze Welt dem Messias untertan werden und nach Jerusalem kommen würde, um diesen … diesen Gott anzubeten.

Und schließlich, der letzte Punkt in diesem kurzen eschatologischen Ausflug, war der, dass ein Zeitalter des Friedens und der Barmherzigkeit und der Herrlichkeit kommen würde, das für immer andauern würde.

Darin sehen wir jetzt die eschatologischen Standpunkte der Juden zurzeit von Jesus. Sie glaubten, es würde eine Zeit der Bedrängnis kommen, eine Zeit der Schwierigkeiten, eine Zeit der Unruhe. Und dann würde ein Bote kommen, um die Ankunft des Messias zu verkünden. Und dann würde der Messias kommen. Und wenn der Messias käme, würden die Nationen der Erde gegen ihn kämpfen und er würde sie verheeren und zerstören. Und dann würde er die Stadt Jerusalem läutern … verfolgt das sehr aufmerksam … er würde die Stadt Jerusalem läutern, die Juden aus allen Ecken der Welt versammeln und sein ewiges Reich errichten. Das war die jüdische Eschatologie.

Versucht einmal, ihre Gedanken nachzuvollziehen. Sie waren aus ihrer Sicht seit langer Zeit unter Bedrängnis gewesen, nicht wahr? Ich meine, sie waren unter Bedrängnis gewesen -- durch die Perser, Griechen und jetzt die Römer. Und sie betrachteten die römische Unterdrückung als eine Zeit der Bedrängnis, eine Zeit der Schwierigkeiten. Und sie konnten sich problemlos an eine Zeit nicht lange vorher erinnern, als ihr Volk unter den Makkabäern gelitten hatte, die schrecklichen Schändungen von Antiochus Epiphanes und den Griechen. Und deshalb dachten sie vielleicht durchaus, dass die Bedrängnis bereits stattfände, dass die römische Unterdrückung, unter der sie lebten, genau das war.

Und dann erscheint Johannes der Täufer … was glauben sie eurer Meinung nach wohl jetzt? Er ist einer wie … Elia. Und ganz plötzlich kommt Jesus Christus. Und er heilt Leute. Er erweckt die Toten zum Leben. Und er hat diese erstaunliche Macht, Massen zu speisen. Und er ist ein Wundertäter, er vollbringt Wunder, er verbannt während seines Dienstes Krankheiten aus Palästina. Und am Passahfest reitet er in Jerusalem ein. Und sie werfen Palmzweige und Kleider vor ihm nieder und sagen zu sich: „Das ist er … das ist der Messias.“ Und sie erinnern sich an die erste Sache, die geschehen soll, wenn der Messias kommt. Das erste, was geschehen soll, ist, dass die Nationen der Erde sich gegen ihn versammeln werden und er sie zerstören wird. Und deshalb denken sie sofort, dass er einen Krieg beginnen wird und die Römer die ersten sein werden, die er niedermachen wird. Und die Massenvernichtung sollte wirklich schnell beginnen. Und wenn er das getan hat, wird er Jerusalem läutern. Er wird alle Heuchler hinauswerfen und alle falschen Religionen und alle falsche Anbetung. Und dann werden wir diesen herrlichen … vielleicht dachten sie an den Tempel in Hesekiel 40 bis 48, diesen großartigen, endgültigen Tempel sehen, in dem wahre Anbetung praktiziert wird. Und dann wird er alle Juden von der ganzen Welt versammeln und das ewige Reich errichten.

Wenn wir uns jetzt Kapitel 24 zuwenden, wisst ihr also, was im Kopf der Jünger vor sich ging … okay? Es sind derartige Gedanken, die sie im Kopf hatten. Und wie es scheint, stellt die Sache sich für sie sehr deutlich dar. Ihr sagt jetzt: „Nun, wie steht es mit dem Zeitpunkt, als Jesus ihnen sagte, er würde sterben? Als er sogar am Tag seines triumphalen Einzugs zu ihnen sagte: ‚Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, so bleibt es allein.’ Wie steht es damit?“

Das passt nicht zusammen. Es ist nicht Bestandteil ihrer Eschatologie. Sie können damit nicht umgehen und lehnen es deshalb ab. Und sie sagen immer: „Nein, nein, nein, das kann nicht geschehen.“ Sie begreifen den Tod Christi also nicht. Sie begreifen die Auferstehung Christi nicht. Sie sehen nur die künftige Herrlichkeit, versteht ihr das? Und sie haben eine sehr komprimierte Ansicht über Christus. Nach ihrer Auffassung geschieht alles, wenn er das erste Mal kommt. Sie begreifen nicht, was wir begreifen. Er kam einmal, und dann kommt ein langer Zeitraum, nicht wahr? Bis er wiederkommt. Die Propheten des Alten Testaments sahen das nicht. Sie sprachen darüber nicht. Sie sahen nur Christi Ankunft und dass all diese Dinge sich ereignen würden. Sie sahen das zeitliche Element darin nicht. Deshalb bezeichnen wir es als Geheimnis, weil es im Alten Testament nicht offenbart wurde. Paulus nennt das ganze Neue Testament sogar ein Geheimnis, das von ewigen Zeiten her verschwiegen war. Weil es einen Zeitraum offenbart, der vorher unsichtbar war … Geheimnis bedeutet das, was vorher verborgen war.

Die Propheten des Alten Testaments waren der Meinung, es würde alles gleichzeitig geschehen. Und so sahen die Jünger es. Sie erwarten also etwas wie: „Meine Güte, genau nach Plan. Unsere Eschatologie traf genau ins Schwarze. Wir haben die Propheten des Alten Testaments korrekt ausgelegt. Wir haben die Bedrängnis selbst erlebt. Wir haben erlebt, wie Elia in Johannes dem Täufer gekommen ist. Hier ist Christus der Messias. Er kommt in die Stadt. Er akzeptiert unsere Hallelujas und unseren triumphierenden Lobpreis und er wird - zuerst - die ganze Welt der Heiden im Zeitalter der Heiden in Angriff nehmen, den Tempel läutern, die Juden versammeln und sein Reich errichten. Es geschieht alles nach Plan und zur rechten Zeit.“

Ich glaube, das ist genau das, worin Judas sich verstrickte. Ich glaube nicht, dass Judas jemals wirklich an all das glaubte, was Christus war, aber er hielt sich in seiner Nähe auf, und als er die Predigt in Matthäus 24 und 25 hörte, muss ihn das einfach in fassungsloses Staunen versetzt haben; er sagte zu sich: „Das ist es, wir werden einziehen, das Reich Gottes ist hier und ich bin dabei, ich werde zu den Insidern gehören“, denn das war es im Prinzip, was ihn motivierte, Habgier und selbstsüchtige Begierden. Als Jesus dann diese Predigt über die Herrlichkeit und die Wiederkehr und das Ende dieser Weltzeit und all das beendet und zu Kapitel 26 kommt, sagt er sofort zu den Jüngern: „Ihr wißt, daß in zwei Tagen das Passah ist; dann wird der Sohn des Menschen ausgeliefert, damit er gekreuzigt werde.“

Hört mir gut zu: Als er das sagt, ist das für Judas der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, und er landet wieder unsanft auf dem Boden der Tatsachen. Er versteht das nicht … wie können all diese Herrlichkeit über die Wiederkehr Jesu und all diese Erwartung und all diese eschatologischen Ereignisse sich zusammenfügen und jetzt sagt Jesus, er würde sterben und das sei's dann? Seine Hoffnungen werden zum letzen Mal zerstört. Er hat eine Berg- und Talfahrt hinter sich und erträgt es nicht mehr. Er lässt all das im Stich und beginnt, Jesus Christus zu verraten, um sich das Geld zu verschaffen, das er dadurch bekommen kann, und auszusteigen. Aber bis dahin hält er sich irgendwie daran fest, seht ihr, weil er voller Erwartung ist. Und die Endzeitrede auf dem Ölberg muss jene Erwartung gesteigert und verstärkt haben.

Kapitel 23, Verse 38 und 39, rücken das hier ins Blickfeld. Ich möchte das nur eine Minute mit euch betrachten. Jesus hat einen ganzen Tag im Tempel hinter sich gebracht und die meiste Zeit mit den religiösen Führern argumentiert. Ich sollte eigentlich nicht „argumentieren“ sagen, es gab kein echtes Argument. Sie sagten etwas und er brachte sie zum Schweigen. Er beantwortete ihre Fragen mit verdammenden Antworten und gab ihnen verdammende Gleichnisse. Aber er hatte gerade eine Konfrontation mit diesen religiösen Führern hinter sich.

Sie ist vorbei. Sie endete, indem er über sie richtete. Vers 38: „Euer Haus wird euch verwüstet gelassen werden.“ Und dann sagt er in Vers 39: „Ihr werdet mich von jetzt an nicht mehr sehen, bis ihr sprechen werdet: ‚Gepriesen sei der, welcher kommt im Namen des Herrn.’“ Er sagt, das Gericht kommt über euch und dann werdet ihr mich wiedersehen, wenn ich im Namen des Herrn zurückkomme.

„Welcher kommt im Namen des Herrn“ ist ein messianischer Titel. Das ist genau das, womit sie Jesus freudig begrüßten, als er triumphierend in die Stadt einzog. Hört mir jetzt gut zu. Seine Jünger hören zu und er sagt zu den Juden, vor denen er seine letzte öffentliche Predigt hält: „Siehe, euer Haus wird euch verwüstet gelassen werden. Und das nächste Mal, wenn ihr mich sehen werdet, werde ich in meiner Herrlichkeit kommen“, das sagt er hier.

Was würden die Jünger hier hören? Oh, wir haben die Bedrängnis hinter uns, der Elia ist gekommen, der Messias ist hier, das nächste Ereignis ist die Zerstörung der feindlichen Nationen. Und dann die Erneuerung oder Läuterung Jerusalems und die Versammlung für das Reich Gottes. Wenn sie ihn also sagen hören: „Ich werde euer Haus erneuern und dann werde ich wiederkehren“, denken sie wirklich, alles verläuft nach Plan. Und was sie hierbei natürlich erwarten, ist die Zerstörung der Nationen, die sie bekämpfen.

Vergesst nicht, er hat sein letztes Gericht über die Nation Israel gesprochen, aber in den Gedanken der Jünger löst er lauter Fragen der folgenden Art aus: Ist es das, worauf wir gewartet haben? Ist es das? Und dann taucht in Vers 3 folgende Frage auf: „Sage uns, wann wird dies geschehen, und was wird das Zeichen deiner Wiederkunft und des Endes der Weltzeit sein?“ Seht ihr, sie verfallen sofort in dieses Schema. Und sie denken, der Zeitpunkt sei gekommen, Leute, wann diese Dinge geschehen werden. Wisst ihr, das Wort „wann“ impliziert heute oder morgen. Wird es vielleicht nächsten Dienstag sein? Und was ist der Auslöser? Was ist das Zeichen? Ich meine, was ist der erste Hinweis darauf, der uns zeigt, dass die Zeit gekommen ist? Dass wir das Ende dieser Weltzeit erreicht haben.

Wenn wir uns jetzt Kapitel 24 zuwenden, seht ihr also, was sie dachten. Lasst uns die ersten beiden Verse lesen. „Und Jesus trat hinaus und ging vom Tempel hinweg. Und seine Jünger kamen herzu, um ihm die Gebäude des Tempels zu zeigen. Jesus aber sprach zu ihnen: ‚Seht ihr nicht dies alles? Wahrlich, ich sage euch: Hier wird kein Stein auf dem anderen bleiben, der nicht abgebrochen wird!’“

Sie verlassen hier gerade den Tempel, nicht wahr? Er hat gerade gesagt, euer Haus ist verwüstet … nicht „mein Haus“, wie er es einst nannte, nicht „meines Vaters Haus“, wie er es einst ebenfalls nannte … jetzt ist es „euer Haus“, weil Gott es verlassen hat, Ikabod … ja, Ikabod. Lest einmal Hesekiel Kapitel 9, Vers 3, Kapitel 10, Vers 4 und Kapitel 11, Vers 23, und seht, wie Gottes Herrlichkeit vom Tempel wich und von Ikabod. Gott ist nicht dort, es ist nicht das Haus des Vaters, es ist nicht mein Haus, es ist euer Haus. Das Wort „verwüstet“, eremos, bedeutet „dem Verfall überlassen“ … dem Verfall überlassen. Dieser Ort wurde verlassen. Gott hat ihn verlassen. Er ist verflucht, dem Verfall hingegeben. Und ihr werdet mich nicht wiedersehen, bis ich in voller messianischer Herrlichkeit wiederkehre.

Meine Güte, sie sehen es. Aber als sie gehen, haben sie eine wirklich schwierige Frage, die ihnen zu schaffen macht. Seht ihr, sie sind einfache Leute vom Land und sie betrachten diesen gewaltigen Tempel, der aus mehr als einem Gebäude besteht und von einer Mauer umgeben ist ... er befindet sich auf dem Gipfel eines Berges. Ich weiß nicht, ob ihr schon einmal dort wart … wenn nicht, müsst ihr das verstehen. Der Tempel befand sich auf dem Gipfel eines Berges und direkt darauf befand sich eine große flache Ebene. Und auf diesem Berg gab es eine große Mauer, die ihn umgab. Und innerhalb dieser Mauer befanden sich diverse Gebäude, die Bestandteil der Tempelanlage waren. Und all das wurde irgendwie von einer Stützmauer abgestützt, insbesondere im Süden und Westen. Diese Stützmauer ging bis nach unten und hielt diesen Hügel quasi zusammen. Auf der westlichen Seite gab es ein natürliches Gefälle und auf der nördlichen Seite eine Ebene, sodass dieser Teil gestützt war. Sie bauten also diese gewaltigen Stützmauern auf der Süd- und Westseite und hielten den Tempelberg aufrecht, zu dem also von dort aus Mauern verliefen. Wenn ihr also ganz oben auf der Mauer wart, so war es bis ganz nach unten, wo der Tempelberg sich befand, und bis an das untere Ende der Stützmauer außen, eine gewaltige Entfernung auf der südlichen Seite. Vielleicht führte Satan Jesus aus diesem Grund dorthin und forderte ihn auf, sich von dort hinunterzuwerfen, weil das Gefälle so groß war.

Das war also eine riesige Anlage. Es war mehr eine Festung als alles andere. Als die Jünger also in der Dämmerung mit Jesus diesen Ort verlassen, sind sie zweifelsohne überwältigt davon. Ich meine, sie waren an Seen und kleine rollende Hügel und winzig kleine Häuser gewöhnt. Sie können sich vielleicht nicht einmal vorstellen, wie dieses Ding gebaut werden könnte. Obwohl sie es zahlreiche Male gesehen hatten. Es ist so gewaltig. Es ist so unvorstellbar. Seht ihr, es ... es ist unvorstellbar, dass das errichtet werden könnte, geschweige denn, dass es niedergerissen werden könnte. Euer Haus wird verwüstet gelassen werden, ruiniert. Und es bleibt quasi ihnen überlassen, herauszufinden, wie genau das geschehen wird, wisst ihr. Jesus begreift also, was in ihren Köpfen vor sich geht.

In Markus 13,2, einem vergleichbaren Text, heißt es, sie erwähnten große Gebäude. Lukas sagt in Kapitel 21, Vers 5, die Gebäude seien mit Weihegeschenken geschmückt, das bedeutet, Menschen hatten diese üppigen Schätze gebracht und sie waren rundum drapiert, sodass der Tempel mit Schätzen angefüllt war. Tacitus sagte, es sei ein Ort von gewaltigen Wohlstand gewesen, die gesammelten und akkumulierten Schätze aller Juden, die sie dorthin brachten, und es war, laut Tacitus, eine hervorragende Festung. Im babylonischen Talmud heißt es: „Wer den Bau des Herodes nicht gesehen hat, hat nie ein prachtvolles Gebäude gesehen.“[11] Und Lukas sagt, er war mit wunderbaren Steinen gebaut. Wenn ihr den Tempel ein wenig studiert, ist das wirklich unglaublich. Josephus berichtet uns, dass Herodes den Palast baute. Herodes war übrigens kein Jude und das hatten die Juden im Hinterkopf, dass ihr Tempel von einem Idumäer gebaut wurde, und sie würden gerne denken, dass der endgültige Tempel nicht von jemandem gebaut würde, der kein Jude ist.

Aber dennoch hatte Herodes ein ziemlich beeindruckendes Gebäude gebaut. Einige der Steine waren zum Beispiel 12m x 3,5m x 3,5m groß. Das ist ein Stein in einem Stück, der aus einem Stück gehauen und transportiert wurde. Und wie sie es je schafften, einen solchen Stein, der bis zu hundert Tonnen gewogen hätte, hochzuheben, vermag man sich nur schwer vorzustellen. Und sie beförderten diese Steine manchmal an Orte, die 60 bis 90 Meter entfernt waren, und stapelten sie einfach vom unteren Ende der Stützmauer bis zur Oberkante der Mauer rund um den Tempel. Das war ein enormes Unterfangen. Einige dieser Steine waren bis zu 25 Meter lang, wurden aus einem Stück gehauen und transportiert.

Und die Jünger gehen hinaus, sehen sich das an und sagen sich: „Wie soll dieser ganze Ort einstürzen? Wie soll so ein geschäftiger Ort, der Mittelpunkt des Lebens, verwüstet und dem Ruin überlassen werden? Wie kann das je geschehen? Wie kann das je geschehen?“

Sie verlassen also den Tempel, kratzen sich quasi am Kopf und wundern sich, wie das je verwüstet werden soll. Aber laut ihrer Eschatologie wird das so geschehen. Und es wird einen Tempel geben, der von Hesekiel in Kapitel 40 bis 48 beschrieben wird, und an den sie wahrscheinlich denken. Sie wissen einfach nur nicht, wie das geschehen kann.

Und so sagt Jesus in Vers 2: „Seht euch all diese Dinge an, seht euch all diese Gebäude an.“ Er liest ihre Gedanken. Er weiß genau, was sie denken. Sie kamen zu ihm und sagten: „Sieh dir all diese Dinge an, sieh dir all diese Gebäude an, all diese Steine.“ Und sie kommen nicht einmal zu der Frage. Er sagt: „Ja, seht sie euch an.“ Und dann hört auf Folgendes: „Wahrlich, ich sage euch: Hier wird kein Stein auf dem anderen bleiben, der nicht abgebrochen wird!“

Ihr könnt quasi sehen, wie ihre Kinnladen herunterklappen. Ich meine, sie verstehen nicht einmal, wie man die Steine dort hinaufgeschafft hatte, geschweige denn, wie man sie herunterbringen könnte. Der Bau ist gewaltig. Ich meine, ich habe dort am Fundament der westlichen Mauer gestanden, das sind die Steine des Herodischen Tempels. Ich habe an der südöstlichen Ecke gestanden, an der südwestlichen Ecke, wo sich diese großen Ecksteine des Herodischen Tempels finden. Und sie sind dort seit der Zeit Christi und sehen nicht aus, als ob irgendetwas sie bewegen könnte.

Ihr sagt jetzt: „Nun, widerspricht das dem nicht?“ Überhaupt nicht, denn das sind Steine, die die Stützmauer aufrechterhalten, nicht die Steine des Tempels oder der Mauer, die diesen umgeben. Das sind die Steine der Stützmauer, die den Berg dort befestigen. Wisst ihr, wenn man sie entfernen würde, würde der Berg zusammenfallen. Aber es reicht hier einfach, zu sagen, dass Jesus sagte, die Steine an diesem Ort würden einfallen, kein Stein würde auf dem anderen bleiben. Und genau das geschah. Wenn ihr Josephus wieder lest, sagt er dort, die Anlage wurde so dem Erdboden gleichgemacht, dass ein Besucher dort nie wissen würde, dass jemals jemand dort gelebt hätte. Die Römer haben die ganze Anlage niedergerissen. Weil sie wussten, wenn sie die Israeliten erfolgreich erobern wollten, mussten sie ihre gesamte religiöse Orientierung vollkommen zerstören. Und genau das taten sie. Und so sagt Jesus in einer sehr gewichtigen Aussage, sie würden niedergerissen werden: „Hier wird kein [Stein auf dem anderen] bleiben“ - „kein ... bleiben“ ist eine doppelte Verneinung, keiner auf dem anderen. Es wird so verlassen und zerstört und verwüstet sein. Und genau das geschah.

Und das … all das wird … „Oh“, sagen sie zu sich, „Puh … das wird langsam wirklich aufregend. Jerusalem wird erneuert werden. Hier ist es. Die Bedrängnis -- den Teil haben wir hinter uns. Der Vorläufer war bereits hier. Der Messias ist hier. Er hatte seinen triumphierenden Einzug gehalten, hat sich zu erkennen gegeben, und jetzt können wir die Läuterung sehen, die Erneuerung des Tempels, und damit natürlich auch der Stadt.“ All das geht in ihren Köpfen vor.

Und als sie jenen Ort verlassen, schwirren diese Gedanken in ihren Köpfen umher. Und deshalb sind sie so voller Hoffnung. Sie gehen an der Rückseite des Tempelbergs nach unten. Sie überqueren das kleine Tal Kidron, wo der Bach und die Quelle verlaufen, und gehen den Ölberg hinauf ... und das ist ein ziemlicher Aufstieg. Und nachdem ihr den Gipfel erklommen habt, würdet ihr euch ausruhen wollen. Sie steigen also bis ganz nach oben hinauf und formulieren ihre Frage, während sie laufen. In Markus erfahren wir, dass es Jakobus, Petrus, Johannes und Andreas waren, die engsten vier der Zwölf, die diese Frage für den Rest formulierten. Und als sie oben ankommen, setzen sie sich hin, und ihr könnt euch vorstellen, wie sie dort sitzen, während die Sonne im Westen untergeht; das ist ein atemberaubender Anblick. Einer der atemberaubendsten auf der ganzen Welt, auf dem Ölberg sitzend und den Sonnenuntergang über den weißen Häusern Jerusalems zu beobachten, die heute noch aus demselben Kalkstein gebaut werden wie damals. Und in vielen Fällen ist die Architektur noch fast dieselbe, nur zu jener Zeit glitzerten im letzten Abendrot nicht der Felsendom und die Moschee von Omar, sondern der Tempel mit Gold oben drauf, und sie hätten auf dem Berg gesessen und auf diese riesige Anlage geblickt. Und sie hätten gedacht, das ist es Leute, jetzt wird sich alles erfüllen, hier und jetzt. Es wird alles auf einen großartigen Höhepunkt zulaufen. Wir leben in diesem Moment der Herrlichkeit in der Geschichte Israels.

Und mit dieser Frage in ihren Herzen nähern sich Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas dem Herrn, wie wir in Markus lesen, und stellen ihm eine Frage. Vers 3: „Als er aber auf dem Ölberg saß, traten die Jünger“, ich habe euch gesagt, welche es waren, „allein zu ihm.“ Kein öffentlicher Dienst mehr, sie kommen alleine. „Und sie sprachen“, und das bedeutet wahrscheinlich, dass Petrus sprach, weil Petrus immer sprach, wann immer es etwas zu sagen gab, war er der Sprecher. Stellvertretend für sie alle und besonders für die vier, die dort waren: „Sage uns, wann wird dies geschehen?“, sagen sie.

Was meinten sie mit „dies“? Nun, die Dinge, von denen Jesus gerade gesprochen hatte. Nun, worüber hat er gerade gesprochen? Das Niederreißen des Tempels. Worüber noch? Die Verwüstung Jerusalems in Vers 38. Worüber noch? Die Wiederkehr im Namen des Herrn, Vers 39. Sie sahen all das als ein Ereignis. Der Tempel wird niedergerissen, die Stadt wird verwüstet, der Messias kommt in seiner Herrlichkeit. Wann werden all diese Dinge …? Und darin sehen sie das Gericht, das er über die Nationen fällen wird, welche ihn bekämpfen, sie sehen die erneute Versammlung des Volkes Israels aus der ganzen Welt, das Ende der jetzigen Weltzeit und die Errichtung von Gottes Reich.

Also sagen sie: „Wann werden all diese Dinge geschehen? Und was wird das Zeichen deiner Wiederkunft und des Endes der Weltzeit sein?“ Seht ihr, sie verbinden diese Dinge mit „deine Wiederkunft und das Ende der Weltzeit“. Sie sehen keine Zeit dazwischen. Die Zerstörung Jerusalems ist ein Teil der ganzen Sache. Sie sind einfach … sie waren noch nie so aufgeregt, glaube ich, während des ganzen Dienstes von Christus. Ich meine, wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr glaubtet, das Reich Jesu Christi würde in naher Zukunft, noch während eures Lebens, errichtet werden? Und er saß dort und sagt euch, er würde den Tempel zerstören, die Stadt verwüstet hinterlassen und das nächste Mal, wenn ihr ihn sehen würdet, würde er in Herrlichkeit im Namen des Herrn kommen.

Wie waren sie doch aufgeregt! Und deshalb stellen sie diese Frage, die lautet: „Wann und was? Was ist das Zeichen? Ich meine, wie wissen wir, dass es geschehen wird? Gib uns den Hinweis darauf. Etwas wird vorher geschehen, was ist das? Finsternis? Ein helles Licht? Was ist es? Ein Engel? Eine Trompete? Was ist es? Und wann geschieht das?“ Sie waren wirklich aufregt und gespannt.

Und wisst ihr, das ging sogar noch nach der Auferstehung weiter, ob ihr es glaubt oder nicht. Habt ihr in letzter Zeit einmal die Apostelgeschichte gelesen? Nach der Auferstehung sagten sie, als sie sich mit Jesus versammelten: „Herr, stellst du in dieser Zeit für Israel die Königsherrschaft wieder her?“ Jetzt ist der Zeitpunkt, nicht wahr? Ich meine, sie fragen das noch immer. Und die Auferstehung beendete das nicht, sie verschärfte es nur noch. Ich meine, als er starb, verzagten sie. Waren sie verzweifelt, als er starb? Oh.... Warum? Wegen ihrer Hoffnung, wisst ihr. Und als er an das Kreuz genagelt wurde, machte das einfach alles zunichte. Und sie verfielen sofort in Verzweiflung. Und als er aus dem Grab auferstand, ging das Licht wieder an und sie sagten: „Ist das jetzt der Zeitpunkt? Ist das jetzt der Zeitpunkt? Jetzt? Jetzt?“ Denn sie lebten unaufhörlich in der Erwartung, dass der Zeitpunkt gekommen sei und das Reich Gottes käme.

In Lukas 19 heißt es noch vor diesem Ereignis, in Vers 11: „Als sie aber dies hörten, fuhr er fort und sagte ein Gleichnis, weil er nahe bei Jerusalem war und sie meinten, das Reich Gottes würde unverzüglich erscheinen.“ Seht ihr, das steht in Lukas 19,11. Sie dachten, das Reich Gottes würde unverzüglich erscheinen. Das war einfach, als er auf seinem Weg nach Jerusalem aus Jericho kam. Sie lebten ständig in dieser Erwartung. Und derartige Worte unseres Herrn verstärkten das nur noch.

Jetzt versteht ihr das also. Was denken sie also, wenn wir uns jetzt Kapitel 24 zuwenden? Das Reich Gottes kommt jetzt … die Wiederkehr geschieht jetzt … das Gericht kommt jetzt … das ewige Reich der Herrlichkeit des Messias wird jetzt errichtet … es wird genau jetzt geschehen. Bei dieser ganzen Predigt ging es darum, ihnen Folgendes zu vermitteln: Leute, es geschieht nicht hier und jetzt. Darum ging es. Jetzt versteht ihr Matthäus 24 und 25. Es geschieht nicht hier und jetzt. Ihr habt Unrecht. Das ist der Zweck. Hm.

Lasst uns jetzt wieder Vers 3 betrachten, nur ein paar Dinge, um die Fäden zusammenzuführen. Ich möchte eure Aufmerksamkeit auf das Wort „Wiederkunft“ lenken. Was fragen sie, wenn sie sagen: „Was wird das Zeichen deiner Wiederkunft […] sein?“ Ihr sagt jetzt, nun, sie reden über die Wiederkehr Christi. Nein, davon reden sie nicht. Seht ihr, sie glaubten nicht einmal an eine Wiederkehr Christi als solche. Sie sahen keine Unterscheidung. Sie sahen keine erste Ankunft, dann einen langen Zeitraum und dann die Wiederkehr. In ihren Augen würde alles gleichzeitig geschehen. Warum? Weil es so im Alten Testament beschrieben worden war. Ich meine, so geschah es nach Auffassung der Propheten des Alten Testaments. Die Propheten des Alten Testaments sahen in die Zukunft und komprimierten alle Zeitfaktoren und sahen einfach die Ankunft des Messias, die Errichtung seines Reiches und all das. Sie sahen die große Lücke nicht. Wie ich schon sagte, deshalb wird es ein „Geheimnis“ genannt.

Sie sehen es also alles auf einmal geschehen. Sie reden hier also nicht über die Wiederkehr Christi; wovon reden sie dann? Betrachtet bitte einmal das Wort „Wiederkunft“. Es ist das griechische Wort parousia. Es stammt von zwei griechischen Wörtern ab, para und das Verb „sein“. Es bedeutet „in der Nähe sein“ oder „anwesend sein“. Die beste Übersetzung dafür wäre vielleicht: „Und was wird das Zeichen deiner vollen Anwesenheit, deines Hierseins sein?“ Es beinhaltet nicht so sehr die Vorstellung einer Ankunft als einer permanenten Anwesenheit. Und das Wort parousia wird in diesem Kapitel viermal verwendet, in Versen 3, 27, 37 und 39. Und nachdem es von Jesus benutzt wurde, wird es zu einem Schlüsselwort, der von den Autoren des Neuen Testaments verwendet wird. Es wird von Jakobus verwendet. Es wird von Petrus verwendet. Es wird von Johannes verwendet. Es wird zu einem Fachbegriff für die Ankunft Jesu Christi zur Errichtung seines Reiches, seine Wiederkunft, seine Ankunft in Herrlichkeit.

Aber hier sagen sie einfach: „Wann wirst du in deiner vollen Gegenwart kommen? Wann wirst du in deiner vollen messianischen Offenbarung hier sein? Wann wirst du hier sein, um all das zu sein, was wir von dir erhoffen? Dein Kommen?“

Mit anderen Worten geht es hier nicht darum, dass er gehen und zurückkehren muss, denn bei diesem Wort geht es nicht um die eigentliche Ankunft, sondern um die Gegenwart. Sie sagen also, wann wirst du die Fülle deiner messianischen Gegenwart erreichen? Das ist der Gedanke dahinter.

Und sie sagen: „Was wird das Zeichen dafür und des Endes der Weltzeit sein?“ Ich möchte mit einer Betrachtung dieses Ausdrucks abschließen. Was für ein Ausdruck, „das Ende der Weltzeit“. Das ist ein sehr eindeutiger Ausdruck, sunteleias tou aionos, der im Matthäusevangelium fünfmal verwendet wird, derselbe Ausdruck … das Ende der Weltzeit … das Ende der Weltzeit … das Ende der Weltzeit. Einmal hier in diesem Vers, das Ende der Weltzeit. Und das griechische Wort sunteleia bedeutet „das völlige Ende/das komplette Ende/das endgültige Ende“. Teleo bedeutet „Ende“, sunteleia, das Kompositum teleia bedeutet „das vollständige, endgültige Ende“. Wann ist also das vollständige und endgültige Ende des menschlichen Zeitalters, der Tage des Menschen?

Es wird nicht nur in diesem Vers verwendet, sondern auch in Matthäus 28,20, wo Jesus verheißt, dass wir Autorität haben und wir ausziehen, um Jünger zu machen. Und dann sagt er: „Und siehe, ich bin bei euch“, … was? …, „bis an das Ende der Weltzeit ... bis an das Ende der Weltzeit.“ Bis zum vollständigen und endgültigen Ende werde ich bei euch sein.

Es gibt noch drei weitere Male, und ich möchte, dass ihr diese beachtet. Matthäus 13 … betrachtet sie aufmerksam, sie sind sehr wichtig. Matthäus 13,39, das Gleichnis vom Weizen und Unkraut. Mitten in diesem Vers heißt es: „Die Ernte ist das Ende der Weltzeit.“ Das Ende der Weltzeit ist dann also die Zeit von Gottes Ernte, sagt Jesus, und die Schnitter sind die Engel, das Unkraut wird gesammelt und im Feuer verbrannt, so wird es sein am Ende der Weltzeit. In diesem Gleichnis wird es noch zweimal verwendet. Es ist die Zeit, wenn Gott auszieht und den Weizen und das Unkraut einsammelt, sie trennt und das Unkraut in die Hölle sendet, um im Feuer verbrannt zu werden. In Vers 42 heißt es: „Und [die Engel] werden sie in den Feuerofen werfen; dort wird das Heulen und das Zähneknirschen sein.“ Er nimmt den Weizen, die Gerechten, und sie werden „leuchten wie die Sonne im Reich ihres Vaters.“ Das Ende der Weltzeit ist für Matthäus also ein eschatologischer Begriff, der das absolute Ende von allem bedeutet, wenn Gott in seinem ultimativen, letzten, vollständigen Gericht kommt, die Ungläubigen nimmt und sie in die Hölle sendet, während der Gläubige in Gottes Gegenwart einzieht.

Im selben Kapitel, in Vers 49, wird derselbe Ausdruck wieder verwendet. Vers 49: „So wird es am Ende der Weltzeit sein: Die Engel werden ausgehen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern und sie in den Feuerofen werden. Dort wird das Heulen und Zähneknirschen sein.“ Auch hier wird es wieder für das Ende der Weltzeit verwendet, wenn der Herr Gut und Böse trennt. Dort wird ein großes Netz ausgeworfen, um Fische zu fangen, und so wie der Fischer ein Netz mit allen möglichen Fischen einzieht und aussortiert, welche er essen kann und welche er wegwirft, so fängt Gott jeden in seinem Netz, zieht ihn an Land, mustert die Gerechten für die Herrlichkeit und die Ungerechten für die Verdammnis aus. Das geschieht wieder am Ende der Weltzeit.

Die Frage der Jünger hat also mit dem Ende der Weltzeit zu tun. Es ist eine Art von ultimativer Frage. Jetzt könnt ihr für einen Moment zu Matthäus 24 zurückkehren. Sie stellen ihm also Fragen über endgültige Dinge, ultimative Dinge. Wann kommt der Messias in seiner vollen Gegenwart und Herrlichkeit? Wann wird das endgültige, vollständige, komplette und totale Gericht stattfinden, wenn die Gottlosen verdammt und in die Hölle gesandt werden und die Gerechten in die Herrlichkeit des Reiches Gottes einziehen? Wann wird das sein? Und nach welchem Zeichen sollen wir Ausschau halten, als Zeichen dafür, dass das geschehen wird? Das ist ihre Frage. Und alle Ereignisse bis zu diesem Zeitpunkt deuten auf ihre Gedanken hin, die zu dieser Frage geführt haben.

Die Antwort unseres Herrn beginnt in Vers 4, okay? Hört mir jetzt sehr aufmerksam zu. Die Antwort unseres Herrn beginnt in Vers 4 und ab Vers 4, hört mir gut zu, beantwortet er ihre Frage. Ihre Frage hat mit dem vollständigen Kommen Christi und dem Ende der Weltzeit zu tun, und das ist die Frage, die er beantwortet. Er sagt von jetzt an nichts über die Zerstörung von Jerusalem. Das war außerhalb der Endzeitrede auf dem Ölberg, in Vers 2, bevor die Frage überhaupt gestellt wurde. Das Gericht über Jerusalem war für jenen Zeitraum in der Geschichte, für jene Zeit und jenes ungläubige, gottlose, Christus ablehnende Volk. Und es ist nur ein kleines Beispiel der Art von Gericht, das Gott am Ende der Weltzeit bringen wird, wenn der Messias in voller Herrlichkeit und voller Gegenwart kommen wird.

Er sagt also Folgendes zu ihnen: „Was ihr gesehen habt, ist nicht das Ende der Weltzeit, was ihr gesehen habt, geht nicht dem vollständigen Kommen des Messias in Herrlichkeit voraus. Ich werde euch zeigen, worin die Zeichen seines vollständigen Kommens bestehen. Ich werde euch zeigen, worin die Zeichen seiner Wiederkunft bestehen. Ich werde euch zeigen, was ein echter Hinweis auf das Ende der Weltzeit ist.“ Und das ist das Thema der Predigt in der Endzeitrede auf dem Ölberg. Er führt sie von dem Punkt, an dem sie sich befinden, zu den Zeichen, die die künftige Zeit charakterisieren, wenn der Herr kommt. Und so versetzt er sie von ihrem historischen Moment in die ferne Zukunft, eine Zukunft, die noch nicht angebrochen ist. Und er beschreibt alle Ereignisse, die die Wiederkunft des Herrn Jesus Christus begleiten. Und das werden wir sehen, wenn wir uns nächstes Mal mit Vers 4 beschäftigen.

Wisst ihr, wo ihr seid? Nun, dann lasst uns beten.




[1] J. Wellhausen. Prolegomena zur ältesten Geschichte des Islams. Verschiedenes. Verlag De Gruyter, Berlin, Seite 248

[2] http://de.wikisource.org/Die_Sibyllinen/Drittes Buch; Verse 672-697, Übersetzer: Friedrich Blass

[3] http://de.wikisource.org/Die_ Sibyllinen/Drittes Buch; Verse 663-672, Übersetzer: Friedrich Blass

[4] http://de.wikisource.org/wiki/Das_vierte_Buch_Esra/Kapitel 13; Verse 33-35; Übersetzer: Hermann Gunkel

[5] http://de.wikisource.org/wiki/Das_vierte_Buch_Esra/Kapitel 12; Verse 32-33, Übersetzer: Hermann Gunkel

[6] www.gutenberg.org/ebooks/4013 von Andreas Gottlieb Hoffmann

[7] Projekt Gutenberg, Übersetzung von A.G. Hoffmann

[8] http://buber.de/cj/judaica/18bitten; Übersetzer: Rabbiner Dr. Bamberger

[9] http://de.wikisource.org/wiki/Die_Psalmen_Salomos/Psalm11; übersetzt von Rudolf Kittel

[10] http://de.wirkisource.org/wiki/Seite:DieSibyllinenGermanBlassKautzsch2.djvu/22 ; Verse 710-718; Übersetzer: Friedrich Blass

[11] Quelle: Max Küchler, Peter Reinl (Hg.). Randfiguren in der Mitte, S. 206, babylonischer Talmud, Traktat Sukka 51a




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