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In Weisheit wandeln, Teil 2 (German)

Epheser 5:16-17 November 05, 1978 de1935

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Lasst uns bitte gemeinsam unsere Bibeln beim Epheserbrief Kapitel 5 aufschlagen. Falls ihr keine eigene Bibel mitgebracht habt, gibt es in eurer Nähe Bibeln in der Rückseite der Sitzbänke und ihr könnt gemeinsam mit uns lesen – Epheser 5. Mir wird immer mehr deutlich, dass viele Leute Dinge, die sie beginnen, nie zu Ende bringen. Es gibt unfertige Symphonien, unfertige Gemälde oder Skulpturen, die nie ganz fertiggestellt wurden, weil in jedem dieser Fälle der Meister vorher starb; es gibt Beziehungen, die sich nie ganz zu dem entwickeln, was sie sein könnten, es gibt Dienste, die nie wirklich Frucht getragen haben, es gibt Träume, die immer nur Träume bleiben, Hoffnungen, die immer nur Hoffnungen bleiben und sich nie erfüllen, und ich schätze, für viele Menschen kann das Leben eine unfertige Symphonie sein. Es kann ein Traum ohne Realität sein. Es kann ein Ideal ohne Wahrheit sein, aber ich denke nicht, dass das so sein muss. Ich denke, es gibt eine großartige Realität, auf die wir uns in dem Text, den wir heute früh betrachten wollen, konzentrieren müssen.

Schaut euch einmal Epheser 5,15 an. Ich werde bis Vers 17 lesen: „Seht nun darauf, wie ihr mit Sorgfalt wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise; und kauft die Zeit aus, denn die Tage sind böse. Darum seid nicht unverständig, sondern seid verständig, was der Wille des Herrn ist.“ Wir werden an dieser Stelle innehalten. Ihr habt sicherlich bemerkt, dass mitten in diesem Text eine wichtige Aussage in vier wichtigen Worten gemacht wird, nämlich „kauft die Zeit aus“.

Wenn wir unsere Träume jemals realisieren wollen, wenn wir unsere Hoffnungen umsetzen wollen, wenn wir je unsere Symphonien beenden, unsere Gemälde malen und unsere Skulpturen modellieren wollen, so wird es dann geschehen, wenn wir die Zeit ausgekauft haben. Ich glaube, dass Gott unser Leben durch die Ewigkeit beschränkt hat und ich glaube, dass Gott, noch bevor wir überhaupt geboren wurden, bestimmt hat, wie lange wir leben werden, und nur, wenn wir diese Zeit maximieren, können wir das volle Potenzial zur Umsetzung all dieser Dinge ausschöpfen.

Bitte achtet einmal auf Vers 16, wo es heißt „kauft die Zeit aus“. Ich finde es interessant, wie viele Male der Heilige Geist, wenn er über dieses Konzept der Zeit redet, den bestimmten Artikel verwendet. „Die Zeit“, als sei es nicht irgendeine unbestimmte Zeit, irgendwelche Zeit, beliebige Zeit oder Zeiten, sondern die Zeit. Gott hat beinahe fest vorgeschriebene Zeiten, in sehr genauen und souverän bestimmten Dosierungen. Gott hat uns also definitive Zeit gegeben. In 1. Petrus 1,17 gibt es eine sehr faszinierende Aussage. „Und wenn ihr den als Vater anruft, der ohne Ansehen der Person richtet nach dem Werk jedes einzelnen“, hört jetzt gut auf die nächste Zeile, „so wandelt die Zeit eurer Fremdlingschaft in Furcht!“ (Rev. ELB 1993) Anders ausgedrückt sagt Petrus also, ihr habt einen bestimmten, festgelegten Zeitrahmen, den Gott in seiner souveränen Entscheidung eingeschränkt hat. In Hiob 14,14 heißt es: „Die ganze Zeit meines Frondienstes würde ich harren, bis meine Ablösung käme.“ Hiob hatte ein Gespür für die Tage, die ihm für sein Leben bestimmt waren. In Apostelgeschichte 20,24 sagt Paulus: „Mein Leben ist mir auch selbst nicht teuer.“ Mit anderen Worten, Selbsterhalt ist mir nicht wichtig. Ich habe nur eine Sache im Sinn, nämlich, meinen Lauf zu beenden. Im Griechischen, der Originalsprache, ist das sehr interessant. Dort heißt es: „Ich soll beenden“, ton dromon mou, „den Lauf von mir“. Mit anderen Worten ist es der Lauf, den Gott vorgegeben hat, und so stellen wir fest, dass Gott uns eine zeitliche Grenze auferlegt hat und innerhalb dieser Zeit hat er einen Kurs vorgegeben. Und Paulus sagt: „Ich will den Lauf und den Dienst, der mir gegeben wurde, beenden“ – eine spezifische Zeit, ein spezifischer Lauf, mit einem spezifischen Dienst.

In Hebräer 12,1 heißt es: „Laßt uns jede Last ablegen [...] und laßt uns [...] laufen in dem Kampf, der vor uns liegt.“ Und die Griechen sagen „das vor uns liegende Rennen“ bzw. „der vor uns liegende Kampf.“ Mit anderen Worten ist es ein Lauf, der vor uns liegt. Er hat einen Anfang und ein Ende, die wir beide sehen können. Er hat Grenzen. Am Ende seines Lebens sagte der Apostel Paulus in 2. Timotheus 4,7, er habe danach gestrebt, Gottes Willen zu erfüllen, und er konnte sagen, dass er das erreicht hatte. Er sagte: „Ich haben den Glauben bewahrt, ich haben meinen Lauf vollendet.“ Aber auch hier findet sich das Wort DER Lauf, DER Lauf. Es ist ein genau abgesteckter Lauf. Es ist eine genau abgesteckte Zeit. Leute, ich glaube wirklich, dass Gott in seiner Souveränität die Zeitspanne unseres Lebens vorherbestimmt hat. Er kennt den Anfang und er kennt das Ende. Mehr noch, er hat beide vorherbestimmt.

David hatte dieses gewaltige Empfinden der Zeit und Dringlichkeit, die uns von der [eingeschränkten] Zeit auferlegt wird, als er Gott in Psalm 89,47 laut mit folgenden Worten anrief: „Wie lange, o Herr, willst du dich ständig verbergen? Willst du dich ständig verbergen?“ Dann sagte er: „Gedenke, wie kurz meine Lebenszeit ist.“ Mit anderen Worten, mitten in seinem Kummer, mitten in seiner Angst, mitten in seinen Schmerzen, fühlte er sich von dem abgelenkt, was er eigentlich hätte tun sollen. Er fühlte sich abgelenkt von dem, was er eigentlich tun sollte und sagte: „Gott, wie lange muss ich noch im Abseits sein? Ich habe nur eine eingeschränkte Zeitspanne zur Verfügung.“

Der Apostel Paulus machte in 1. Korinther 7,29 folgende kurze Aussage: „Die Zeit ist nur noch kurz bemessen.“ David sagte in Psalm 39,5: „Laß mich mein Ende wissen, o Herr, und was das Maß meiner Tage ist, damit ich erkenne, wie vergänglich ich bin.“ Herr, bitte sag mir, wie viel Zeit ich habe, damit ich weiß, wie schwach ich bin, und die Zeit, die ich habe, wirklich ausschöpfen kann. Und dann sagte er im nächsten Vers: „Siehe, nur Handbreiten lang hast du meine Tage gemacht, und die Dauer meines Lebens ist nichts vor dir.“ Jakobus drückt es in Kapitel 4 folgendermaßen aus: [Sagt nicht, morgen werden wir dieses oder jenes tun, denn ihr wisst nicht,] „was morgen sein wird. Denn was ist euer Leben? Es ist doch nur ein Dunst, der eine kleine Zeit sichtbar ist; danach aber verschwindet er.“

Ich habe die Geschichte von Kefa Sempangi gelesen. Seine Frau und er rannten um ihr Leben; es war Gottes Vorhersehung, dass sie nicht getötet wurden. Nachdem sie auf so wundersame Weise entkommen waren, machten sie sich auf den Weg nach Philadelphia, zu Leuten, die bereit waren, sich um sie zu kümmern. Seine Frau sagte zu ihm: „Morgen werde ich Kleider für die Kinder kaufen.“ Sofort brachen beide in Tränen aus und sagten, es war das erste Mal in vier Jahren, dass sie das Wort „morgen“ benutzt hatten. Morgen! Und Jakobus sagte: „Morgen – ihr wisst nicht, ob es für euch ein ‚morgen‘ gibt.“ Zeit! Seht ihr, das ganze Leben ist in der Denkweise von Paulus hier an die Zeit geknüpft. Weisheit in Vers 15 lässt euch in Vers 16 an die Zeit denken. Warum? Weil ich glaube, dass die größte Verschwendung von Weisheit in der Verwendung unserer Zeit oder dem Mangel daran geschieht.

Vergesst bitte nicht, worüber wir hier in Epheser 5 reden, okay? Wir reden über den würdigen Wandel, nicht wahr? Wir haben in den ersten drei Kapiteln gelernt, was es bedeutet, ein Christ zu sein. Und in den letzten drei Kapiteln des Epheserbriefs lernen wir jetzt, wie man als Christ lebt. Wie wandelt man? „Wandel“ bedeutet „Lebensweise“. Zuerst haben wir in Kapitel 4 gelernt, dass wir in Demut wandeln.

Zweitens haben wir gelernt, dass wir in Einmütigkeit wandeln. Drittens haben wir gelernt, dass wir auf einzigartige Weise wandeln, anders als der Rest der Welt. Viertens haben wir gelernt, dass wir in Liebe wandeln – Kapitel 5. Dann haben wir in Kapitel 5 gelernt, dass wir im Licht wandeln, und jetzt lernen wir, worin zu wandeln? In Weisheit. Und was es bedeutet, in Weisheit zu wandeln. Die Zeit aber nicht auszukaufen ist die größte Verschwendung von Potenzial. Er sagt, um Christi willen, um eurer eigenen Person willen, nutzt eure Zeit weise.

Lasst uns jetzt einen Schritt zurückmachen und sehen, wie wir diese drei Verse betrachten sollten. Ein weise wandelnder Christ kennt drei Realitäten, nicht wahr? Erstens hat er ein Gespür für die Grundsätze seines Lebens, zweitens hat er eingeschränkte Privilegien und drittens kennt er die Ziele seines Herrn. Sehr einfach, aber sehr tiefschürfend.

Erstens kennt ein weise wandelnder Mensch die Grundsätze seines Lebens. In Weisheit zu wandeln bedeutet, sich gewissen Maßstäben für das Leben anzupassen. Vergesst bitte nicht Folgendes: „Weisheit“ wird hier im Sinne des jüdischen Konzepts verwendet, nicht im Sinne des griechischen. Für die Griechen war Weisheit etwas, das einfach so aus dem Kopf kam. Weisheit war eine intellektuelle Übung. Weisheit war nichts weiter als unzusammenhängende Spitzfindigkeiten. Aber für einen Hebräer war Weisheit ein Grundsatz des Lebens. Darum geht es hier. Wir reden nicht vom Denken, wir reden vom Leben und vom Wandeln in Weisheit. Es bedeutet einfach, nach göttlichen Grundsätzen zu leben. Das steht in Vers 15 so. Seht ihn euch einmal an.

„Seht nun darauf“, mit anderen Worten, da ihr in Christus auferweckt worden seid, da ihr von eurem Schlaf auferwacht seid, da ihr von der Finsternis ins Licht gekommen seid, laut Vers 14, da diese erstaunliche Sache in eurem Leben geschehen ist, „seht nun darauf, wie ihr mit Sorgfalt wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise.“ Mit anderen Worten gibt es einen gewissen Lebensgrundsatz, der weisem Wandel entspricht. Seht darauf, dass ihr das tut. Ihr seid kein asofos, kein Narr; ihr seid sofos, weise, also lebt entsprechend. Also handelt entsprechend. Wandelt auf eine Weise, die eurer Weisheit entspricht.

Und, meine Lieben, ich möchte euch an Folgendes erinnern: Wie wir letztes Mal gesehen haben, werdet ihr sofort, wenn ihr Christ werdet, weise und werdet rechenschaftspflichtig für diese Weisheit. Wie ihr wisst, haben wir letzte Woche gesehen, dass Christus uns zur Weisheit gemacht wurde. Erinnert ihr euch daran, wie es in Kolosser 2,3 hieß: „In welchem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen sind“? Und in Vers 10 hieß es: „Und ihr seid zur Fülle gebracht in ihm.“ Hört mir gut zu. Wenn Christus die ganze Weisheit und die ganze Erkenntnis ist und ich in Christus bin, dann gehört diese ganze Weisheit und Erkenntnis in ihm mir, nicht wahr? Vom Moment meiner Errettung an ist Weisheit also ein Teil meines Lebens. Und Paulus sagt: „Da ihr weise geworden seid, wandelt in Weisheit.“ Darum geht es ihm.

Habt ihr das Wort „mit Sorgfalt“ in Vers 15 bemerkt? Wandelt mit Sorgfalt. Das bedeutet buchstäblich, wandelt genau, wandelt vorsichtig und wandelt mit Präzision. Mit anderen Worten sagt Paulus hier Folgendes: Wenn ihr Christ werdet, albert nicht einfach herum oder lauft rum und brütet während eueres ganzes Leben als Christ dumpf vor euch hin und tut, was auch immer ihr wollt. Wenn ihr gläubig werdet, sollt ihr mit einer gewissen Präzision wandeln. Es gibt Grundsätze, die für ein Leben auf diesem schmalen Pfad vorgegeben sind. Man betritt ihn durch ein schmales Tor; man wandelt auf einem schmalen Pfand und hier geht es um einen verengten Pfad. Und wenn ihr auf diesem Pfad wandeln wollt, müsst ihr das vorsichtig, mit Sorgfalt, tun.

John Bunyan hat die Realität dessen in seiner „Pilgerreise zur ewigen Seligkeit“ erfasst. Wenn ihr mit der „Pilgerreise zur ewigen Seligkeit“ fertig seid – ich lese sie meinen Kindern jetzt seit ungefähr sechs Monaten vor – dann werdet ihr, wenn ihr auch nur eine einzige Sache gelernt habt, wissen, dass es besser ist, auf dem Königsweg zu bleiben. Es ist besser, genau, präzise und mit Sorgfalt zu wandeln. Als Christ kann man nicht einfach herumscharwenzeln. Ein weiser Mensch achtet auf jeden einzelnen Schritt, den er tut.

Wisst ihr, wenn ihr das zweite Kapitel von Sprüche lest, ist das beinahe ein Kommentar zu diesem Vers. Wenn das Alte Testament nach dem Neuen Testament geschrieben worden wäre, würden wir sagen, dass Sprüche 2 ein Kommentar zu Epheser 5,15 ist. Im gesamten Kapitel 2 von Sprüche redet er davon, auf dem weisen Weg zu wandeln, nicht den Weg der Gottlosen zu gehen, nicht auf den Pfad der Gottlosen zu gelangen, sondern auf dem weisen Weg zu wandeln, gemäß der Erkenntnis und Einsicht und den Befehlen Gottes.

Wir sollen also in Weisheit wandeln. Das ist ganz einfach. Vergesst nicht, Weisheit ist ein Synonym für Leben nach göttlichen Grundsätzen. Weisheit ist ein Synonym für Leben nach göttlichen Grundsätzen. Und ihr wisst, dass wir auf unserer Welt in einem Paradies der Narren leben, deshalb ist es nicht leicht, in Weisheit zu wandeln. Die Welt sagt uns die ganze Zeit, wir sollen dieses oder jenes tun; sie versucht, uns vom Königsweg abzubringen, versucht, uns vom komprimierten und schmalen Pfad abzubringen.

Wisst ihr, das Erstaunliche an der Welt ist, dass sie sich selbst für weise hält. Die Welt denkt, sie habe die Weisheit gepachtet und schaut auf uns und sagt: „Ihr seid die Narren.“ Aber es ist genau umgekehrt. Aber glaubt mir, bevor wir Christus kannten, waren wir alle Narren. Als wir zu Christus kamen, wurden wir weise. Wir sind nicht die Klügsten auf der Welt und nicht die Edelsten und nicht die Mächtigsten auf der Welt, aber wir sind die Weisesten auf der Welt, weil Gott uns in Christus Weisheit gegeben hat. Die Welt, andererseits, ist töricht. Ihr wisst ja, dass die Welt in Römer 1 auf diese Weise beschrieben wird. „Das von Gott Erkennbare [ist] unter ihnen offenbar.“ Sie tragen die Erkenntnis Gottes in sich. „Denn obgleich sie Gott erkannten, haben sie ihn doch nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt, sondern sind in ihren Gedanken in nichtigen Wahn verfallen, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert. Da sie sich selbst für weise hielten, sind sie zu“, … was? …, „Narren geworden.“

Ihr wollt wissen, was ich damit meine? Das habe ich euch letzte Woche erzählt. Der größte Narr auf der Welt ist der Narr, der behauptet, es gäbe keinen Gott. Und damit meine ich nicht zwangsläufig einen Atheisten. Das bezieht sich einfach auf jemanden, der denkt, Gott habe kein Anspruch auf sein Leben. Es bezieht sich einfach auf jemanden, der glaubt, er müsse nicht nach Gottes Maßstäben leben. Das ist der größte Narr von allen. Und wenn wir weitergehen und in 1. Korinther Kapitel 1 Jesus Christus verkündigen, verkündigen wir Christus und was steht da? „Denn das Wort vom Kreuz ist eine“, … was? …, „Torheit denen, die verlorengehen.“ Sie denken, sie seien weise und wir seien Narren. Sie denken, sie hätten die Wahrheit gepachtet und unsere Wahrheit sei Torheit. Tatsache ist jedoch, dass wir die Weisen und sie die Toren sind. Und deshalb sagt Paulus hier: „Da ihr weise geworden seid, wandelt in Weisheit.“ Was für eine Realität wäre das, wenn wir Weisheit hätten, aber als Toren wandeln würden? Das ergibt keinen Sinn. Ihr kennt die Grundsätze, also wandelt entsprechend.

All das haben wir letzte Woche behandelt. Das hier war also nur ein Rückblick. Lasst uns jetzt den zweiten Punkt betrachten. Wir sollen uns nicht nur der Grundsätze für das Leben bewusst sein, sondern auch unserer eingeschränkten Privilegien. Ihr sagt jetzt: „Meinst du, dass meine Privilegien als Christ eingeschränkt sind?“ Ja. Eure Privilegien in dieser Weltzeit sind eingeschränkt. In Vers 16 heißt es: „Und kauft die Zeit aus, denn die Tage sind böse.“ Leute, unseren Privilegien sind Grenzen auferlegt. Wenn wir jetzt nicht weise wandeln, haben wir dazu keine andere Zeit. Wir haben nur das Hier und Jetzt dafür, Punkt. Wenn ich diesen Moment verliere, kommt er nie wieder.

„Die Zeit auskaufen“ - hier spricht er übrigens über Chancen, denn er verwendet hier nicht das Wort chronos. Chronos ist ein griechisches Wort, das „Zeit“ im Sinne einer Uhr, eines Kalenders, einer Abfolge von Minuten und Stunden bedeutet. Chronos ist das Wort, von dem wir „Chronologie“ ableiten, die Abfolge von Ereignissen, oder „Chronograph“, etwas, das die Zeit aufzeichnet. Aber hier wird das Wort kairos verwendet und das bedeutet „Zeitalter/Epen/Gelegenheiten“. Wir sollen die Gelegenheiten auskaufen, die Momente, die für Gott ergriffen werden können, für gute Zwecke und für Gottes Ehre. Die Griechen hatte eine Statue, deren Namen Kairos war, übersetzt: „Die rechte Zeit“. In einer der griechischen Städte der Antike stand die Statue, genau im Zentrum der Stadt. Sie war von einem Mann namens Lysippos gemeißelt. Sie hatte Flügel auf den Füßen, eine Haarlocke fiel ihr ins Gesicht, während ihr Hinterkopf kahl war; von der hinteren Mitte an war ihr Kopf vollkommen kahl. Unter der Statue befand sich ein großer Sockel und darauf war auf Griechisch folgender Dialog eingemeißelt: „Wer hat dich gemacht? Lysippos hat mich gemacht. Wer bist du? Ich bin Kairos, der alles bezwingt! Warum hast du Flügel am Fuß? Ich fliege wie der Wind. Warum fällt dir eine Haarlocke in die Stirn? Damit mich ergreifen kann, wer mir begegnet. Warum bist du am Hinterkopf kahl? Wenn ich mit fliegendem Fuß erst einmal vorbeigeglitten bin, wird mich auch keiner von hinten erwischen, so sehr er sich auch bemüht.“[1] Der richtige Moment. Der Gläubige, der in Weisheit wandelt, weiß, wie er jede Gelegenheit optimal ausschöpft.

Hört mir jetzt gut zu. Ich möchte euch etwas Interessantes zeigen und ich habe es bereits angedeutet. Habt ihr bemerkt, wie Paulus in Vers 15 sagt „Wandelt als Weise“ und dann sofort in Vers 16 davon redet, Gelegenheiten auszunutzen? Warum verbindet er diese beiden Dinge? Weil ich davon überzeugt bin, dass der Mensch sich im Hinblick auf die Zeit und Chancen mehr als bei allen anderen Dingen zum Narren macht. Das ist die größte Kategorie der Torheit, der Missbrauch von Zeit und Chancen. Ich glaube, er spricht hier Christen an. Erinnert ihr euch daran, was der Psalmist in Psalm 90,12 gesagt hat? Er sagte: „Lehre uns unsere Tage richtig zählen.“ Warum? „Damit wir ein weises Herz erlangen.“ Es ist Weisheit, die unsere Lebenszeit bestimmt. Es ist Weisheit, die die Zeit als eingeschränkt ansieht. Es ist Weisheit, die die Chancen auskauft. Weisheit wandelt auf dem schmalen Pfad, sieht eine Gelegenheit für Gottlosigkeit und meidet sie, weil das eine törichte Handlung wäre. Weisheit sieht eine Gelegenheit, etwas Gutes zu tun, und ergreift sie, weil das eine Gelegenheit für Gott ist.

Und das ist umso wichtiger, weil die Tage böse sind, wie es am Ende von Vers 16 heißt. Wir leben in bösen Zeiten, und wenn wir einen bösen Tag ausnutzen wollen, müssen wir die Gelegenheit beim Schopf ergreifen. Es ist quasi folgendermaßen, Leute. Was er hier sagt, könnte auf zwei oder drei verschiedene Weisen betrachtet werden, aber lasst es uns zuerst aus diesem Blickwinkel betrachten. Ihr wisst, dass die Tage, in denen wir leben, im Allgemeinen voll von Bosheit sind. Und was er hier wirklich sagt, ist, dass es nur wenige Gelegenheiten für Gerechtigkeit gibt. Die Gelegenheiten für Gutes sind sehr eingeschränkt. Inmitten einer bösen Welt müsst ihr sie ergreifen, wenn sie sich ergeben.

Wenn Gott euch eine Gelegenheit gibt, ihn zu verherrlichen und euch im Gegenzug zu segnen, weil ihr etwas in seinem Namen getan habt, dann ergreift diese Gelegenheiten inmitten eines bösen Tages. Könnt ihr euch vorstellen, wie sehr es Gott das Herz brechen muss, eine Welt wie die unsere zu schaffen, sie mit allen guten Dingen anzufüllen und wenn er fertig ist, sagt er „Alles ist gut“, und dann zu sehen, wie diese Dinge verdorben und korrumpiert und widerwärtig gemacht werden, wie es heutzutage ist, wie es seit dem Sündenfall gewesen ist, und zuzusehen, wie die Verderbtheit zunimmt?

Könnt ihr euch vorstellen, wie es für Gott sein muss, die Tage der Welt, die er geschaffen hat, so voller Bösem zu sehen und einen Christen zu sehen, dem er eine goldene Gelegenheit bietet, immer und immer wieder, und der diese immer wieder links liegen lässt und vollkommen ignoriert? Die Tage sind böse. Unsere Zeit ist böse. Und Gott gibt uns diese Zeiten und diese Gelegenheiten, um Dinge herbeizuführen, die wichtig sind, um wenigstens einen Moment eines Tages mit etwas Gutem, etwas Gerechtem, etwas für ihn zu füllen, eine Stunde eines Tages.

Und ich sehe das in einem allgemeinen Sinn. Ich sehe Gott und sein gebrochenes Herz, hervorgerufen durch die Bosheit der Welt, die er einst zu seiner Ehre geschaffen hat, und ich denke bei mir: „Wenn Gott mir eine kleine Gelegenheit inmitten eines bösen Tages gibt, etwas Gutes zu tun und ihn zu ehren und etwas zu tun, um ihn zu verherrlichen, dann werde ich diese Gelegenheit ergreifen, versteht ihr das?“ Die Tage sind böse genug und es scheint, als ob Gutes so selten ist, dass wir jede Gelegenheit dazu ergreifen müssen. Es ist schlimm genug, dass mein Leben von bösen Einflüssen überschwemmt wird; wenn mir also eine gute Sache begegnet, will ich die ergreifen.

Aber man kann das auch anders sehen. Vielleicht ist es eine direktere Aussage, die an die Christen gerichtet ist, die das lesen und die in bösen Zeiten leben. Vielleicht ist das ein Hinweis auf die Epheser, die in bösen Zeiten leben. Ihre Gesellschaft war verdorben und lasterhaft. Wenn ihr zu Kapitel 4 zurückgeht, werdet ihr zum Beispiel in Vers 14 sehen, dass Leute dort umhergingen und falsche Lehre verbreiteten. Es gab jene, die tricksten und hinterlistig waren und versuchten, Gottes Kinder zu täuschen. Satan hatte Irrlehrer. Satan hatte seine Vorboten des Bösen. Satan hatte Leute, die umhergingen und vorgaben, Religionsvertreter zu sein, und ihre Lügen verbreiteten, die sie verdammen würden. Es gab überall Böses. In Kapitel 4,19 lesen wir, dass die Leute zu jener Zeit sich durch Zügellosigkeit auszeichneten, also verkehrte sexuelle Begierde, und dass es Unreinheit und Habgier gab. Hier ist das Wort pleonexia – die Erfüllung sexueller Begierden bis zu einem Punkt, der über jedes rationale Denken hinausgeht.

Weiterhin sagt er, es ist ein Tag der Lüge, Vers 25, ein Tag des Zorns, und in Vers 27 ein Tag, wenn der Teufel Raum hat; ein Tag des Diebstahls, ein Tag korrupter Kommunikation. In Kapitel 5,3 geht es um sexuelle Sünden, Unreinheit, Habsucht, Schändlichkeit, albernes Geschwätz oder Witzeleien usw. Ich meine, es war eine Zeit des Bösen. Und er macht hier vielleicht diesen großen Vorstoß und sagt: „Schaut, kauft die Zeit aus, weil die Tage böse sind.“ Vielleicht wollte er damit genau auf die Stunde hinweisen, in der jene Menschen lebten. Verfolgung und Kummer zeichneten sich ab. Wisst ihr, nur ungefähr hundert Jahre später wurden Christen auf dem Scheiterhaufen verbrannt und den Löwen zum Fraß vorgeworfen. Es zeichnete sich ab, sehr schnell, und was immer sie tun würden, würden sie dann tun.

Ich sage euch noch etwas. Einige Jahre später, kurz vor dem Ende dieses ersten Jahrhunderts, schrieb dieser geliebte Johannes, der Apostel, an die Gemeinde in Ephesus und sagte: „Ihr habt eure erste Liebe verloren.“ Und wisst ihr was? Wenn sich nicht irgendetwas ändert, wird der Leuchter weggestoßen werden, das Licht wird erlöschen und es wird nie eine Gemeinde in Ephesus geben. Wisst ihr, was daraufhin geschah? Sie änderten sich nicht, der Leuchter wurde weggestoßen und es gab nie wieder eine andere Gemeinde in jener Stadt. Ihre Zeit war kürzer als gedacht, weil jene Tage böse waren. Und als die Gemeinde in Ephesus dem Bann dieses Bösen verfiel, hörte sie auf zu existieren. Wisst ihr, was ihr sehen würdet, wenn ihr heute nach Ephesus kämet? Ihr würdet dort nichts Zeitgenössisches sehen. Es existiert nicht mehr.

Die Zeit war kurz, die Tage waren böse; sie fielen der Zeit, in der sie lebten, zum Opfer. Wisst ihr, sie realisierten, dass die Verfolgung kommen würde. Das muss ihnen klar gewesen sein. Sie wussten, was Jesus über die Tatsache gesagt hatte, dass sie um seinetwillen verfolgt werden würden. Ich denke, das erfordert eine gewisse Dringlichkeit, Leute. Ich kann nicht sagen, was mit Christen in Amerika geschehen wird, aber ich habe Gott gebeten, es zuzulassen, falls so etwas wie Verfolgung erforderlich sein sollte, um uns verständlich zu machen, wer wir sein sollten.

Als ich über Kefa Sempangi und seine Gemeinde las, musste ich unablässig daran denken, was sie durchgemacht haben. Wisst ihr, er fing an, als die Gemeinde zu wachsen begann, und es war ein nettes Grüppchen von Leuten. Sie füllten diesen Bereich, in dem sie sich jeden Sonntag trafen, er predigte, sie hatten eine wunderbare Zeit zusammen und ganz plötzlich, als Amin an die Macht kam und sie dachten, alles würde wunderbar sein, schien die Gemeinde auf einmal nicht mehr sehr zu wachsen. Und dann begann plötzlich etwas sehr Merkwürdiges zu geschehen. Leute verschwanden und Leute starben und Kefa besuchte eines Tages eine Familie, mit der er gut befreundet war. Er ging zur Haustür und drinnen stand ein kleiner Junge von 12 Jahren, der die Hände hochhielt, vollkommen erstarrt, versteinert, traumatisiert und schockiert. So war er bereits seit 2 Tagen, ohne sich zu bewegen. Kefa ging in das Wohnzimmer weiter und fand die Augäpfel und Zungen jedes einzelnen Familienmitglieds auf dem Fußboden. Er ging von einem Zimmer zum nächsten und fand jedes Familienmitglied ermordet und zerstückelt. Und der kleine Junge hatte alles mit angesehen.

Und plötzlich gab es dieses neue Gefühl der Dringlichkeit. Plötzlich war da dieses Gefühl, dass die Tage böse sind, und die Frage, wie viel Zeit wir haben. Die Leute begannen, sich zu Gebeten zu treffen und sie trafen sich nicht nur bei Gebetstreffen, sondern blieben gemeinsam die ganze Nacht wach und beteten. Es kamen so viele Leute zu den Nachtgebeten, dass es nicht genügend Platz für alle gab. Sie saßen und lagen die ganze Nacht auf dem Boden im Freien und beteten. Und danach zogen sie weiter und evangelisierten, um Menschen für Christus zu gewinnen, weil sie nicht wussten, wie lange es dauern würde. Innerhalb weniger Jahre existierte die Gemeinde nicht mehr. Und Kefa war weg. Ein Gefühl der Dringlichkeit – und jetzt erhält er Briefe, selbst heute noch, von Leuten, die damals dort waren. Er hört von Menschen, die immer noch für Christus ermordet werden.

Dringlichkeit, Leute – wir wissen nicht, was geschehen wird. Wir wissen nicht, was die bösen Zeiten bringen werden. Die böseste Zeit von allen ist vielleicht die Zeit, wo alles so einfach ist, dass wir unsere Prioritäten aus den Augen verlieren. Vielleicht ist das das größte Übel von allen. In vielen Fällen würde die Gemeinde unter Idi Amin mehr florieren als im Wohlstand.

In der gesamten Geschichte der Menschheit wurde das Blut von Märtyrern immer wieder zum Samen der Gemeinde. Das verlange ich nicht. Ich sage nur, dass wir manchmal die Dringlichkeit nicht begreifen. Wir sehen die bösen Zeiten nicht, weil wir im System untergehen und es keine klare Abgrenzung gibt. Meine Lieben, wir leben in bösen Zeiten und ich sage euch, die Zeit ist kurz, denn unser Leben ist begrenzt. Ich bin 39 Jahre alt. Niemand glaubt das, wenn man 39 sagt, aber ich bin 39 und ich habe ein Gefühl der Dringlichkeit. Ich weiß nicht, wie lange Gott es mir geben wird, aber ich sage euch eins. Ich werde ihm die gesamte Zeit, die mir zur Verfügung steht, geben. Ich habe ein Gefühl von Dringlichkeit. Ich weiß nicht, wann Jesus kommen wird. Eines Tages wird er den Himmel zerteilen und wiederkehren. Er wird alles beenden und wird sein Reich errichten. Ich wünsche mir diesen Tag herbei, aber ich weiß, dass es ein Gefühl der Dringlichkeit gibt, bis er wiederkommt. Und ich weiß, dass die Welt nicht besser wird, sondern schlimmer. In 2. Timotheus 3,13 heißt es: „Böse Menschen […] werden es immer schlimmer treiben.“ In Römer Kapitel 1 lesen wir, dass die Menschen im Verlauf der Geschichte immer wieder neue Sünden erfinden. Die Welt ist schwärzer; sie bringt ihre Laster deutlicher zum Ausdruck als je zuvor. Wir müssen die Zeit gut ausschöpfen.

Das Wort „auskaufen“ steht im Griechischen im Medium. Es bedeutet, etwas für sich selbst aufkaufen, und das ist ein wunderbarer Gedanke. Hier steht nicht, dass ihr eure Zeit zu eurem Wohl horten sollt. Vielmehr heißt es, kauft die Zeit in diesem Sinne für euch auf; wenn ihr die Zeit auskauft, profitiert ihr davon, weil Gott euch segnet. Ihr wandelt auf dem schmalen Pfad und ihr wandelt mit Sorgfalt und präzise. Ihr schöpft eure Zeit und die Gelegenheiten, die sich euch bieten, optimal aus und Gott wird euch segnen. In diesem Sinne stimmt es also, dass ihr die Zeit tatsächlich für euch selbst auskauft. Nutzt eure Zeit so, dass ihr Gott die Ehre geben könnt.

Denkt jeden Tag daran, dass Gott euch jeden Tag die Gelegenheit dazu gibt. Jeden Tag gibt es eine Gelegenheit, etwas Gerechtes zu tun und eine Sünde zu meiden. Jeden Tag gibt es eine Gelegenheit, ein goldenes Juwel, das Gott euch präsentiert, damit ihr es für seine Ehre ergreifen könnt. Manche Leute nehmen sich immer vor, zu beten, aktiv zu werden, die Bibel zu studieren, dem Herrn zu dienen, ihrem Nachbarn über Christus zu erzählen und die Bibel zu lesen. Sie setzen es nur nie in die Praxis um. Der größte Narr in der Welt ist derjenige, der Zeit verschwendet, der eine Gelegenheit vergeudet, ohne dafür etwas vorweisen zu können.

Ihr wisst sicherlich, dass es in Galater 6,10 heißt: „So laßt uns nun, wo wir Gelegenheit haben, an allen Gutes tun, besonders aber an den Hausgenossen des Glaubens.“

Wenn wir eine Gelegenheit haben, sollten wir sie beim Schopf ergreifen. Wie sieht es mit eurer eigenen Zeit aus? Ihr erzählt dem Herrn schon seit Jahren, dass ihr etwas Zeit mit ihm verbringen werdet. Tut ihr das? Oder lasst ihr einfach eine Gelegenheit nach der anderen an euch vorbeiziehen und kauft die Zeit nie aus? Wie sieht es mit der Zeit, die ihr mit eurem Ehepartner verbringt, aus? Nutzt ihr diese kostbare Zeit, wenn ihr etwas zu dem beitragen könntet, was euer Ehepartner braucht? Und was ist mit den Kindern, die Gott euch gegeben hat? Sie sind nur wenige Jahre bei euch. Was habt ihr zu deren Leben beigetragen? Was habt ihr getan? Was habt ihr gegeben? Was hat die Zeit zu sagen? Wie steht es mit dem Dienst, den Geistesgaben, der Sache, die ihr immer schon für den Herrn tun wolltet, zu der ihr aber nie kommt, weil nicht alles genauso ist, wie ihr es haben wollt, oder weil ihr andere Dinge zu tun habt?

Wir werden von unserer gesättigten Gesellschaft in einen falschen Schlaf gewiegt. Ich möchte euch einen kurzen philosophischen Gedanken geben, über den ihr nachdenken könnt. Gelegenheiten sind im Verhältnis zur Zeit das, was die Zeit im Verhältnis zur Ewigkeit ist. Ich sage es noch einmal. Gelegenheiten sind im Verhältnis zur Zeit das, was die Zeit im Verhältnis zur Ewigkeit ist. Ich meine damit Folgendes: Das einzige Stück Ewigkeit, das ihr je in eurer Hand halten werdet, ist die Gelegenheit dieses Moments. Ihr könnt nicht in der Vergangenheit leben; ihr könnt nicht in der Zukunft leben. Ihr müsst im Hier und Jetzt leben. Ende. Wir halten eine Gelegenheit in unseren Händen. Das ist das einzige Stück Ewigkeit, das wir je in den Händen halten werden. Diese Gelegenheit verhält sich zur Zeit, wie die Zeit sich zur Ewigkeit verhält. Ich kann die Ewigkeit in der Hand halten, wenn ich das meiste aus diesem Moment heraushole. Shakespeare sagte: „Der Sturm der menschlichen Geschäfte wechselt; nimmt man die Flut wahr, führt sie zum Glück; versäumt man sie, so muß die ganze Reise des Lebens sich durch Not und Klippen winden.“[2] Napoleon sagte: „Mitten in jeder großen Schlacht gibt es ein Zeitfenster von zehn bis fünfzehn Minuten, das alles entscheidet. Wer dieses Zeitfenster ergreift, gewinnt die Schlacht; wer es nicht ergreift, verliert.“

Es gibt viele biblische Texte, die als Leuchtfeuer dienen, um die Menschen vor ihren eingeschränkten Privilegien zu warnen, und als Anwendung göttlicher Grundsätze dienen. Ihr könnt in der Bibel Aussagen wie „Die Tür war geschlossen“ lesen. Zu spät! Als Noah und seine Familie in der Arche waren, verschloss Gott die Tür. Es war zu spät. Die Gelegenheit war vorüber. Als die Jungfrauen mit unzulänglich gerüsteten Laternen kamen, war die Tür verschlossen – zu spät. Die Hochzeit sollte ohne sie vonstattengehen. Die Worte des Herrn Jesus Christus erklingen immer wieder in unserer Geschichte: „Denn es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.“ Ich höre den Herrn zu den Leuten seiner Zeit sagen: „Ihr werdet in eurer Sünde sterben. Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht kommen!“ Ich höre den Herrn zu den Gemeinden im Neuen Testament sagen: „Ich werde den Leuchter wegstoßen.“ Ich höre Gott jahrein, jahraus Israel anrufen, immer wieder, über viele Jahrhunderte, bis die Nation Gott schließlich den Rücken kehrte und Gott sie durch den Propheten Moses anrief und durch alle Propheten bis zu Jesaja und über Jesaja hinaus. Und doch waren sie ein halsstarriges und verhärtetes Volk, das weder verstehen noch zuhören wollte. Das brach Gott das Herz und Jesus brachte das schließlich zum Ausdruck, als er sagte: „Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter die Flügel sammelt, aber ihr habt nicht gewollt.“ Vergeudete Chancen!

Ich denke an Judas, die größte Illustration vergeudeter Chancen in der Geschichte der Menschheit. Judas, der drei Jahre mit dem Sohn Gottes verbrachte, drei Jahre mit dem Gerechten, drei Jahre mit dem Gott der Herrlichkeit, drei Jahre mit dem König der Ewigkeit, drei Jahre mit dem Richter über die gesamte Erde, drei Jahre mit dem einzigen Heiland - und er kehrte ihm den Rücken zu und erhängte sich und wurde auf den Felsen zerschmettert. Was für eine vergeudete Chance.

Im Alten Testament lesen wir in 1. Könige Kapitel 20 die Geschichte eines Dieners, der von einem König einen Auftrag erhielt. Er sagte zu ihm: „[Hier ist ein Gefangener.] Bewache diesen Mann! Wenn er vermißt wird, so soll dein Leben für sein Leben haften.“ Der König ging seinen Geschäften inmitten des Krieges nach und dieser Mann sollte auf diesen wichtigen Gefangenen aufpassen. Der König kehrte zurück und der Mann sagte: „Und es geschah, während dein Knecht hier und dort zu tun hatte, da war er verschwunden.“ „Hier und da“ – was ist das? Ich meine, wenn etwas wichtig war, dann könnte man das eventuell noch verstehen, aber einen Mann zu verlieren, weil man „hier und da“ beschäftigt war, das ist dumm, und er zahlte dafür mit seinem Leben.

Wann werdet ihr endlich die Bibel studieren? Wann werdet ihr endlich lehren? Wann werdet ihr endlich beten? Wann werdet ihr endlich mit anderen über Christus reden? Wann werdet ihr endlich eure Gabe ausüben? Als ich ein kleiner Junge war, spielte ich in der Glendale Baseballliga für Kinder und hatte einen Freund in der Mannschaft, der Eddie hieß. Eddie war ein Pitcher und ich war ein Shortstop. Wir waren gute Freunde. Wir gingen gemeinsam zur Grundschule und waren beide 12. Eddie war Presbyterianer und ich war Baptist, aber wir waren trotzdem Freunde. Und Eddie war ein guter Pitcher und ein guter Freund. Eddie sagte immer zu mir: „Ich werde einmal Pastor werden.“ Und ich erwiderte: „Ich auch.“ Während wir heranwuchsen, redeten wir darüber, wie wir Pastor werden wollten. Eddie erzähle mir, er würde nach der Oberschule zum College gehen und studieren, damit er Pastor werden könnte. In der 12. Klasse fuhr Eddie einen Wagen mit Verdeck und bei einer Geschwindigkeit von ungefähr 65km/h blockierten die Räder, er wurde durchs Verdeck katapultiert, traf mit dem Kopf auf dem Bürgersteig auf und war tot.

Eddie wusste nie, wie wenig Zeit er haben sollte, er wusste es nie, hätte es sich nie vorstellen können. In all den Jahren habe ich immer wieder zurückgeblickt und gedacht, hier sind zwei junge Männer mit demselben Wunsch. Gott hat Eddie zu sich genommen und mich hiergelassen. Eddie hatte nie die Gelegenheit, ich aber schon. Ich frage mich, ob ich mehr aus dieser Gelegenheit mache, als er es getan hätte. In gewissem Sinne ist Eddie zwar tot, aber er spricht dennoch. Ich will alles, was Gott mir gegeben hat, nehmen und für Gott verwenden. Ich will jeden Moment voll ausschöpfen, denn nur durch Gottes Gnade bin ich überhaupt hier, denn auch ich wurde aus einem Auto geschleudert, falls ihr euch erinnert. Nur habe ich überlebt und Gott berief mich dazu, zu predigen und zu lehren. Ich will nur sichergehen, dass ich jeden Moment und jede Chance ergreife, die Gott mir gibt, und sie zu seiner Ehre inmitten böser Zeiten ausschöpfe.

Hört einmal auf das, was Paulus in Kapitel 13 des Römerbriefs sagte. „Die Stunde [ist] nämlich schon da, daß wir vom Schlaf aufwachen sollten; denn jetzt ist unsere Errettung näher, als da wir gläubig wurden.“ Leute, wir kommen der Stunde der Wiederkehr des Herrn immer näher, nicht wahr? „Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber ist nahe. So laßt uns nun ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts! Laßt uns anständig wandeln wie am Tag, nicht in Schlemmereien und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und Ausschweifungen, nicht in Streit und Neid.“ Anders ausgedrückt, Leute, seid ihr euch bewusst, dass wir nur begrenzt Zeit haben und dass wir nach Gottes Grundsätzen leben müssen, mit unserem eingeschränkten Privileg der Zeit?

Ich würde einen Menschen, der Juwelen wegwirft, als Narren bezeichnen. Ich würde einen Menschen, der Geld wegwirft, als Narren bezeichnen. Ich würde einen Menschen, der eine Stunde wegwirft, als noch größeren Narren bezeichnen. Es gibt eine ganze Welt da draußen, die es zu gewinnen gilt. Es gibt eine Gemeinde, die es zu errichten gilt. Es gibt einen Gott, den es zu verherrlichen gilt, und für Trivialitäten und bedeutungslose Aktivitäten ist keine Zeit.

Melanchthon, der große Reformator, führte täglich Aufzeichnungen über jeden vergeudeten Moment und brachte das dann am Ende des Tages im Gebet vor Gott. Kein Wunder, dass Gott ihn benutzte, um die ganze Welt zu berühren. Der Gläubige, der in Weisheit wandelt, kennt also die Grundsätze seines Lebens, seine eingeschränkten Privilegien, und jetzt, noch abschließend und ganz kurz, die Ziele seines Herrn.

Wisst ihr, ich will nicht, dass das Gefühl der Dringlichkeit in euch so stark wird, dass ihr in Panik verfallt, denn dann seid ihr nutzlos. Das wäre wie ein Mann, der auf sein Pferd springt und unüberlegt in alle Richtungen davon reitet. Das ist ziemlich sinnlos. Es ist sinnlos, zu sagen: „Oh Mann, das ist dringend.“ Ich könnte in Panik verfallen. Ich könnte sagen: „Ich muss alles erledigen“, und dann könntet ihr einfach ständig in alle Richtungen davonstürmen. Aber deshalb kommt dieser wunderbare Vers 17 daher wie ein Felsen, auf den wir unsere Füße setzen können. „Deshalb, weil ihr die Zeit auskaufen müsst, weil ihr weise wandeln müsst, weil die Tage böse sind, seid nicht dumm.“

Ein dummer Mensch würde einfach in Panik verfallen. Ein weiser Mensch wird den Willen des Herrn verstehen. Mit anderen Worten ist es eine Sache, ein Gefühl der Dringlichkeit zu haben, aber ihr müsst das auf Gottes Willen für euer Leben ausrichten. Ihr dürft nicht einfach voreilig irgendetwas tun. Es ist wichtig, dass die Anwendung dieser Grundsätze in unserem Leben, innerhalb unser eingeschränkten Privilegien, durch die Ziele unseres Herrn bestimmt wird.

Wir brauchen nicht noch mehr Aktivität. Herr hilf uns, wir brauchen nicht noch mehr Aktivität. Wir brauchen nicht noch mehr unnützes, bedeutungsloses Zeug oder noch mehr gute Dinge, die nicht die besten Dinge sind. Wir müssen dort draußen sein, das Wort Gottes lehren und die Menschen für Jesus Christus gewinnen; viele andere Dinge können wir einfach aufgeben. Leute, die es fürchterlich eilig haben, schaffen nichts, aber Leute mit Entschlossenheit und Zuversicht, die sich entscheiden, Gottes Willen zu folgen, werden viel schaffen. Seid nicht unweise. Das ist ein Narr. Seid kein Narr. Ein Narr agiert unabhängig von Gottes Willen. Ein Narr läuft einfach los. Findet heraus, was Gottes Wille ist. Ihr sagt jetzt: „Nun John, woher weiß ich, was Gottes Wille ist?“ Ich werde es euch sagen.

Und wenn ihr Details wollt, habe ich ein kleines Buch, das sich Gottes Wille gefunden nennt, das euch helfen wird, die Sache zu verstehen. Manche von euch haben es gelesen. Ich möchte euch nur daran erinnern, was Gottes Kinder sagen. „Oh, ich kann einfach nicht herausfinden, was Gottes Wille ist, was ist Gottes Wille für meinen …?“ Als sei Gott ein universeller Osterhase, der seinen Willen irgendwo versteckt hat und im Himmel sitzt und sagt: „Wärmer, wärmer …“ Oder die traditionelle Vorstellung, Gottes Wille sei wie eine Stimme, die aus dem Himmel zu euch spricht, oder ihr lauft zum Beispiel die Straße entlang, stürzt und landet mit der Nase auf einer Karte von Chile und wisst dann, dass das Gottes Wille ist, dass ihr als Missionar nach Chile gehen sollt. Es gibt viele Behauptungen darüber, wie man herausfinden kann, was Gottes Wille ist.

Ich sage euch, es ist ganz einfach. Wenn Gott etwas für euer Leben geplant hat, dann bin ich überzeugt, dass er es euch wissen lassen wird und wenn er das tun wird, wird er das, meiner Meinung nach, an dem offensichtlichsten Ort tun – genau hier. Einmal, vor mehreren Jahren, begann ich gerade, Gottes Willen herauszufinden, und dachte so bei mir: „Warum sehe ich nicht einfach nach, was er sagt“, und ich fand Folgendes: Gott, unser Heiland, will, dass alle Menschen gerettet werden. Erstens will er, dass ich gerettet werde. Das ist sein Wille.

Zweitens, direkt hier, seid nicht unweise, sondern verständig, was der Wille des Herrn ist, und was ist das? Berauscht euch nicht mit Wein, was Ausschweifung ist, sondern werdet voll des Geistes. Erstens will er, dass ihr gerettet werdet; zweitens will er, dass ihr voll des Geistes werdet. Das ist sein Wille.

Drittens lesen wir in 1. Thessalonicher 4,3: „Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung.“ Gerettet, vom Geist erfüllt, geheiligt! Sie fangen alle mit „g“ an. Petrus sagt: „Das ist der Wille Gottes, dass ihr euch den Autoritäten unterordnet.“ Unterordnen, das bedeutet, dass ihr als Bürger ein Leben führt, das Jesus Christus Ehre und Respekt erweist. Dass ihr den Anordnungen der Leute an der Macht Folge leistet und den König ehrt und jenen in Autorität die ihnen gebührende Anerkennung erweist. Führt ein Leben der Unterordnung.

Fünftens sagt Petrus: „Leidet.“ Ihr leidet im Einklang mit dem Willen Gottes. So steht es in 1. Petrus. Was ist Gottes Wille für euch? Seid ihr bereit dafür? Erstens, gerettet, vom Geist erfüllt, geheiligt, sich unterordnen, leiden und ich werde noch eine Sache hinzufügen. Seid in allem dankbar; denn das ist der Wille Gottes für euch. Wenn ihr ein Leben führt, in dem ihr gerettet seid, vom Geist erfüllt und geheiligt seid, euch unterordnet, leidet und in allem Dank sagt, dann sagt ihr: „Oh, aber das hilft mir nicht, wenn ich hier zur Schule gehen oder diese Person heiraten sollte oder das ist es nicht.“ Ich habe großartige Neuigkeiten für euch. Seid ihr bereit dafür? Wenn all diese Dinge auf euch zutreffen, wisst ihr, was dann als nächstes kommt? Was immer ihr wollt. Was immer ihr wollt. Was ich damit meine? Die Bibel beschreibt das. „Habe deine Lust am Herrn, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt.“ Übrigens, wenn ihr diese sechs Dinge erfüllt, erfreut ihr den Herrn und er wird euch geben, was euer Herz begehrt. Die Leute fragen: „Nun, was bedeutet das, ‚er wird dir geben, was dein Herz begehrt‘“? Bevor er euch einen Wunsch erfüllt, wird er ihn in euer Herz einpflanzen.

Die Leute sagen zu mir: „Warum bist du zur Grace Church gegangen?“ Meine Antwort ist immer dieselbe: „Weil ich das wollte.“ Oh? Du wolltest das? Wie wäre es damit, ein Vlies rauszulegen, eine Tür zu öffnen und zu schließen, der Herr und all diese Dinge? Nein, ich hatte kein Vlies und Türen kümmern mich nie. Ich wollte das. Ihr fragt: „Woher kam dieser Wunsch?“ Ich glaube tief im Innersten, wenn ich gerettet, vom Geist erfüllt und geheiligt war, mich untergeordnet und gelitten habe und Gott in allem Dank gesagt habe, dass Gott mir diesen Wunsch ans Herz gelegt hat, weil er die Kontrolle hatte; versteht ihr das?

Und wenn ihr Gottes Willen dann kennt, handelt ihr entsprechend, mit einem Gefühl für die Zeit und Gelegenheit und Gehorsam gegenüber seinen Grundsätzen für das Leben - dann werdet ihr feststellen, dass ihr mit eurem Leben Dinge verändert. Wisst ihr, wer die perfekte Illustration dafür ist? Jesus. Jesus agierte immer im Einklang mit göttlichen Grundsätzen für das Leben. In Johannes 5 sagt er: „Ich tue, was mein Vater mir sagt.“ Er agierte immer im Einklang mit seinen eingeschränkten Privilegien. Er sagte immer wieder: „Meine Zeit ist noch nicht gekommen, meine Zeit ist noch nicht gekommen“ oder „meine Zeit ist gekommen.“

Drittens agierte er immer im Einklang mit den Zielen des Herrn, denn er sagte: „Meine Speise ist die, daß ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat.“ Er ist die perfekte Illustration. Oh, was für ein Gespür für Grundsätze er doch hatte und er wandelte auf jenem gerechten Pfad und was für ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt er doch hatte. Er kannte seinen Weg und ergriff jede Gelegenheit und doch hat man ihn nie in Eile gesehen. Er war entschlossen und doch verfügbar für die heikelsten und sensibelsten Situationen. Und dann war da noch das Gefühl, auf einer göttlichen Durchgangsstufe zu sein, sich einfach von einer Stufe zur nächsten gemäß Gottes Bedingungen zu bewegen. Er ist unser Vorbild. Wenn ihr weise wandeln wollt, zeigt er euch, wie man das macht. Lasst uns zusammen beten.


[1] www.wikipedia.org/Wiki/Kairos

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Todeswirbel, übersetzt von August Wilhelm Schlegel