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Die bibelorientierte Gemeinde, Teil 7: Aufzucht einer gesunden Herde: Dämpft den Heiligen Geist nicht (German)

1 Thessalonicher 5:19 May 05, 1991 de52-30

Wir befinden uns wieder in Kapitel 5 des Briefes an die Thessalonicher, diesmal bei Vers 19. Wir befassen uns mit den kurzen, stakkatoähnlichen Geboten des Apostels Paulus, die dieser zum Abschluss dieses Buches erteilt. Schnell hintereinander vermittelt er den sehr jungen Christen in Thessalonich einige Grundsätze des christlichen Lebens in Gebotsform. Wenn es so scheint, als ob diese Gebote, die in Vers 16 beginnen und bis Vers 22 gehen, eher schlicht und einfach sind, sollten wir bedenken, dass sie zwar einerseits einfach, andererseits jedoch sehr tiefsinnig sind. Und wir müssen auch bedenken, dass es sich um eine Gemeinde aus recht neuen Gläubigen handelt. Die Gemeinde ist erst wenige Monate alt und auch die Gläubigen dort sind erst seit wenigen Monaten bekehrt. Deshalb benötigen sie eine Zusammenfassung der Grundsätze des christlichen Lebens und müssen an diese erinnert werden.

Ihr erinnert euch sicherlich, dass all dies geschieht, als Paulus am Ende der Epistel darüber redet, wie die Beziehung von Christen in der Gemeinde zum Herrn sein sollte. Er sprach davon, wie man eine gesunde Herde aufzieht und bei der Herdenmetapher fällt uns auf, dass er über die Beziehung zwischen Schafen und Hirten lehrte, und die der Hirten zu den Schafen, das ist, zwischen Pastoren und Gemeindemitgliedern. Dann sprach er darüber, wie Gemeindemitglieder miteinander umgehen sollten. Und jetzt spricht er darüber, wie Gemeindemitglieder, oder Schafe, sich dem obersten Hirten, Gott selbst, gegenüber verhalten sollen. Dabei beginnt er in Vers 16 mit einigen Geboten in Bezug auf unsere eigene geistliche Beziehung zum Herrn.

In Vers 19 kommen wir zum vierten Gebot. Wir haben bereits über „Freut euch allezeit“, „Betet ohne Unterlaß“ und „Seid in allem dankbar“ gesprochen - drei Gebote, die der Wille Gottes in Christus Jesus sind. Jetzt kommen wir zum vierten Gebot: „Den Geist dämpft nicht.“ Das ist sehr direkt, nicht wirklich schwer zu deuten, erfordert jedoch genaues Verständnis, wenn wir es auf die Zeit anwenden wollen, in der wir leben.

Ich möchte an dieser Stelle erst einmal anmerken, dass es einige Kommentatoren gibt, sogar eine recht große Anzahl, nach deren Empfinden Vers 19 in Wirklichkeit mit den darauf folgenden drei Versen zusammenhängt, dass es sich um einen Verweis auf den Missbrauch der charismatischen Gaben in der Gemeinde von Thessalonich handelt, wenn Paulus sagt „Den Geist dämpft nicht! Die Weissagung verachtet nicht! Prüft alles, das Gute behaltet! Haltet euch fern von dem Bösen in jeglicher Gestalt“, und dass das in Wirklichkeit eine Korrektur durch Paulus war, weil die Gemeinde ihre charismatischen Gaben missbrauchte. Diejenigen, die der Meinung sind, dass Paulus hier über diese charismatischen Gaben spricht, behaupten, dass er mit seiner Aussage „Den Geist dämpft nicht“ meint, man solle die Ausübung bestimmter

charismatischer Gaben bei Zusammenkünften der Gemeinde nicht unterdrücken. Besonders Vers 20, „Die Weissagung verachtet nicht” und Verse 21 und 22 würden sie so deuten, dass alles, was gesagt wird, geprüft werden muss, und das, was gut ist, behalten werden soll, während man sich von dem, was böse ist, fernhalten soll.

Und so dreht sich nach ihrer Meinung dieser gesamte Abschnitt um die charismatischen Gaben, die Gaben der Weissagung in der Gemeinde, oder Worte der Erkenntnis, Worte der Weisheit vielleicht, oder das Zungenreden und dessen Deutung. Sie würden deshalb schlussfolgern, dass es in der Gemeinde in Thessalonich einen gewissen Missbrauch gab und dass Paulus auf diese Weise versucht, diesen zu korrigieren.

Alle Kommentatoren, die diese Meinung vertreten, würden dies mit 1 Korinther 12 in Verbindung bringen und andeuten, dass die Thessalonicher die Wahrheiten in 1 Korinther 12, 13 und 14 nicht verstehen, wo der Missbrauch der charismatischen Gaben in der korinthischen Gemeinde detailliert beschrieben wird und Paulus das dann natürlich äußerst vorsichtig korrigiert … wie jene Gaben verwendet werden sollen, wie nicht, wie man eine wahre Gabe erkennt, wie man falsche Gaben erkennt, wie Gaben für den Dienst verwendet werden sollen, wie sie kontrolliert werden sollen etc. Dort sind viele Details enthalten. Er führt sogar Prioritätenlisten all jener Gaben an und führt in Kapitel 13 aus, was wichtiger als all diese Gaben ist - die Liebe.

Die Verfechter dieser Theorie würden also behaupten, dass es in Thessalonich Probleme in Bezug auf diese geistlichen Gaben gegeben habe, dass die Menschen dort den Anweisungen aus 1 Korinther 12, 13 und 14 nicht Folge leisteten und den dort enthaltenen Grundsätzen nicht folgten. Und dass Paulus das Problem deshalb hier korrigiert.

Nachdem ich jedoch zehn oder elf Kommentatoren gelesen habe, die diesen Standpunkt verfechten, muss ich gestehen, dass ich immer noch nicht überzeugt bin. Trotz aller vorgebrachten Argumente bin ich aus einer Reihe von Gründen immer noch nicht überzeugt. Erstens gibt es keinen zwingenden Grund, diesen Abschnitt so zu sehen. Es gibt keinen zwingenden Grund, Vers 19 so zu deuten, dass Paulus hier mehr als nur ganz allgemein sagt: „Dämpft den Geist nicht“. Es gibt keinen zwingenden Grund dafür, dass er in Vers 20 etwas Anderes sagen sollte als einfach: „Die Weissagung verachtet nicht“. Dieses Wort wird sowohl für gesprochene Offenbarungen des Geistes als auch für geschriebene Offenbarungen des Geistes benutzt. Paulus sagt einfach, wenn der Geist spricht, verachte ihn nicht. Nur eine ganz allgemeine Aussage.

In Vers 21 findet sich noch eine allgemeine Aussage. Ihr sollt kritisch sein und alles gründlich in Augenschein nehmen. Was gut ist, haltet fest. Was böse ist, davon haltet euch fern. Wenn er hier über Weissagungen spräche, wenn er über Dinge spräche, die gesagt werden, würde er sagen: „Behaltet das Wahre, haltet euch fern von dem Falschen.“ Aber hier sagt er: „Das Gute behaltet [und] haltet euch fern von dem Bösen in jeglicher Gestalt.“ Das muss über die Spezifität einer prophetischen Äußerung hinausgehen.

Deshalb sehe ich diese als unterschiedliche Gebote. Dämpft den Geist nicht, das ist eine Sache. Verachtet die Offenbarungen nicht, die durch Weissagungen kommen, seien es schriftliche oder mündliche. Prüft alles in eurem Leben und wenn ihr etwas

Gutes findet, haltet daran fest; wenn ihr etwas Schlechtes findet, haltet euch davon fern … Grundsätze für geistliches Leben. Es gibt also wirklich keinen zwingenden Grund, irgendwelchen Missbrauch in den Text hineinzuinterpretieren.

Außerdem habe ich den Eindruck, dass Paulus, wenn es in einer so jungen Gemeinde wie Thessalonich Missbrauch gegeben hätte, leidenschaftlich daran gelegen wäre, Abhilfe zu schaffen, weil er erkannt hätte, welche Schäden das potenziell hätte anrichten können. Paulus hätte nicht so sehr um den heißen Brei herumgeredet und wäre nicht so allgemein geblieben, wenn er beabsichtigt hätte, ein großes Problem in der Gemeinde anzusprechen. Wenn der Missbrauch zuerst in der Gemeinde in Thessalonich aufgetreten wäre, hätte Paulus ihnen das geschrieben, was er an die Gemeinde in Korinth schrieb.

Übrigens ist es auch so, dass die Thessalonicher den Inhalt von 1 Korinther 12 - 14 nicht gekannt haben konnten, weil er noch nicht geschrieben worden war. Und der Grund dafür ist wiederum, dass die Gemeinde in Korinth noch nicht gegründet worden war und es in der Stadt noch gar keine Christen gab. Wir müssten also annehmen, wenn es ein derartiges Problem gegeben hätte, dass dies hier das erste Mal in der Gemeinde in Thessalonich aufgetreten wäre, bevor die Gemeinde in Korinth überhaupt gegründet wurde, dass Paulus sich mit demselben Ernst, derselben Sorge und ebenso ausführlich dem Problem zugewandt hätte, wie er es im Falle der Korinther tat. Deshalb schlussfolgern wir, dass es hier kein derartiges Problem gab und keine Korrektur erforderlich war und es demzufolge keine zwingenden Gründe gab, warum dieser Abschnitt diese Frage ansprechen sollte. Einfach ausgedrückt gibt Paulus euch hier mehrere Gebote der gleichen Art, die in Vers 16 begonnen hatten und die die Grundsätze der Beziehung eines Christen zu seinem Herrn zusammenfassen.

Vers 19 ist ein einzelnes, allgemeines Gebot: Dämpft den Geist nicht. In der nächsten Aussage wird offensichtlich davon ausgegangen, dass der Geist hinter prophetischen Aussagen steckt, aber auch diese Aussage steht für sich allein. Lasst uns also die Aussage „Den Geist dämpft nicht” für sich allein betrachten … ein allgemeines Gebot.

Die Metapher ist sehr bildlich. Das Wort „dämpfen" bedeutet auszulöschen. Es bedeutet, zu ersticken, zu hemmen oder, wie hier übersetzt, zu dämpfen. In Markus 9,48 wird es für das Löschen eines Feuers benutzt. In Matthäus 25,8 beschreibt esdas Löschen einer Öllampe. Das bedeutet es: zu löschen, zu dämpfen, zu ersticken, Wasser auf ein Feuer zu schütten. Ihr seid euch sicherlich bewusst, dass der Heilige Geist in der Schrift immer wieder als Feuer dargestellt wird. Ein Beispiel dafür ist Kapitel 2 der Apostelgeschichte, als der Geist Gottes über die Gemeinde dort kam und wie gespaltene Feuerzungen erschien. Der Geist Gottes erscheint an einer Reihe von Orten als Feuer. Ihr erinnert euch bestimmt, dass Paulus in seinem letzten Brief an Timotheus schrieb: „[Aus diesem Grund erinnere ich dich daran], die Gnadengabe Gottes wieder anzufachen, die ... in dir ist." Mit anderen Worten, das Feuer ist vorhanden, wirf mehr Holzscheite darauf, schür es wieder, es flackert nur noch schwach. Der Geist wird also bei mehreren Gelegenheiten als Feuer gesehen ... als eine zündelnde Flamme. Und der Apostel sagt: „Schüttet kein Wasser auf diese Flamme. Hemmt das Feuer nicht. Bremst das Werk des Geistes nicht.”

Offensichtlich ist es möglich, das Werk des Heiligen Geistes zu dämpfen, andernfalls wäre es nicht erforderlich, uns dieses Gebot zu geben. Das sollte uns nicht überraschen. Es ist auch möglich, den Heiligen Geist zu betrüben. In Epheser 4,30 lesen wir: „Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes …” Es ist auch möglich, sich dem Heiligen Geist zu widersetzen. In Apostelgeschichte 7,51 lesen wir von Personen, die sich dem Heiligen Geist widersetzen. Es ist auch möglich, dem Heiligen Geist zu lästern. In Matthäus 12,24 - 32 verurteilt Jesus die leitenden Pharisäer von Jerusalem, weil sie dem Heiligen Geist lästerten.

Um genauer zu differenzieren: Ungläubige können lästern und sich dem Heiligen Geist widersetzen. Gläubige können den Heiligen Geist dämpfen und ihn betrüben.

Ihr wollt wissen, was der Unterschied zwischen „dämpfen” und „betrüben“ ist? Dämpfen ist das, was ihr dem Geist antut, Betrübnis ist das, womit er auf euere Tat reagiert. Betrübnis beinhaltet die persönlichen Qualen des Heiligen Geistes, wenn ein Gläubiger das heilige Feuer dämpft, das der Geist in dessen Herzen entzündet hat. Ihr könnt den Heiligen Geist nicht dämpfen, ohne ihn zu betrüben und ihr werdet den Heiligen Geist nicht betrüben, sofern ihr ihn nicht dämpft. Also: zwei Seiten desselben Problems ... eine beschreibt, was ihr tut, die andere beschreibt, was er tut. Ihr dämpft, er ist betrübt … er ist betrübt, weil ihr dämpft.

Als Schafe, die eine vorbildliche Beziehung zum obersten Hirten anstreben, dürfen wir also den Heiligen Geist nicht dämpfen. Um das zu verstehen, müssen wir für ein oder zwei Minuten darüber sprechen, worin das Wirken des Heiligen Geistes besteht, und wie wir das dämpfen. Wir müssen das auf sehr praktische Weise tun, und ich denke, das ist möglich.

Erinnert ihr euch, als der Tod unseres Herrn nahte und seine Kreuzigung unmittelbar bevorstand, da versprach er, einen anderen Helfer zu senden, den Heiligen Geist, den Geist der Wahrheit, der genauso sei, wie er selbst. Er versprach, dass der Heilige Geist kommen werde, nachdem er zum Vater hinaufgestiegen sei, dass er den Heiligen Geist senden und dieser die Rolle übernehme werde, die Jesus bis dahin bei uns hatte. Er, der Heilige Geist, ein weiteres Glied der Dreieinigkeit, Gott vom wahren Gott, werde kommen und die Rolle übernehmen, die Jesus im Leben der Jünger gespielt habe. Effektiv sagt Jesus: „Ich war euer Lehrer, in Zukunft wird er euer Lehrer sein. Ich war euer Freund, er wird euer Freund sein. Ich habe euch geleitet, er wird euch leiten. Ich war eure Quelle, er wird eure Quelle sein. Ich war euer Helfer, er wird euer Helfer sein. Ich war euer Tröster, er wird euer Tröster sein.“

Mit anderen Worten, der Heilige Geist wird die Rolle übernehmen, die ich innehatte. Ich habe an eurer Seite gewirkt, er wird es in euch tun. Ich war, im Prinzip, das Feuer um euch herum, er wird das Feuer in euch sein. Und so versprach und sandte der Herr Jesus an Pfingsten - und demzufolge für jeden einzelnen Gläubigen, der jemals zu Christus kommt - den Heiligen Geist, damit dieser in jedem Gläubigen lebe. In allen Christen wohnt der Heilige Geist. Und er ist dort wie ein Feuer, das nicht gedämpft, sondern voll angefacht werden soll.

Es ist meiner Meinung nach recht weit verbreitet, sowohl im Leben von Gläubigen als auch der Gemeinde Jesu Christi als Ganzem, das Feuer des Geistes zu dämpfen. Ich möchte zuerst allgemein etwas dazu sagen. Wie ich kürzlich in meinem Buch Our sufficiency in Christ betont habe, bin ich der Meinung, dass der Heilige Geist heut

zutage ernsthaft und erheblich gedämpft wird und deshalb überaus betrübt ist durch das, was in Gemeinden geschieht. Erstens glaube ich, dass der Mystizismus der charismatischen Bewegung zwar verspricht und vorgibt, das Wirken des Heiligen Geistes zu erhöhen, in Wirklichkeit jedoch seine Pläne für unsere Heiligung dämpft. Und ich weiß, dass das schwer zu sagen ist, schwer zu hören und vielleicht sogar schwer zu glauben, denn wenn es etwas gibt, das wir als wahr über die charismatische Bewegung anzunehmen geneigt wären, wäre es, dass sie, vor allen anderen, den Heiligen Geist erhöhen. Die Charismatiker reden ständig über den Heiligen Geist. Sie reden ständig über die Gaben des Geistes. Sie reden ständig über die Macht des Geistes. Sie beschäftigen sich intensiv mit der Theologie des Heiligen Geistes, die sie sehr weiter entwickelt haben, aber Tatsache ist, egal, wie viel sie über das Wirken des Heiligen Geistes sprechen, sie dämpfen in Wirklichkeit die wahre Heiligung des Geistes, indem sie ihn falsch repräsentieren und einen falschen Ersatz für das Original bieten. So wird der Heilige Geist ernsthaft gedämpft.

Die Charismatiker haben den Heiligen Geist auf eine Art göttlichen „Geist aus der Flasche“ reduziert, der nur Dinge tut, die sichtbar, fühlbar oder hörbar sind. Wenn man sie nicht sehen, fühlen oder hören kann, hat er sie nicht getan; und er tut diese Dinge auf Abruf. Obwohl die charismatische Bewegung also vom Heiligen Geist besessen ist, dämpft sie in Wahrheit gleichzeitig die wahre Heiligung des Geistes. Und wenn man einen falschen Maßstab der Heiligung, einen falschen Maßstab der Geistlichkeit festlegt, dämpft man den Geist.

Ich habe in dem Buch auch darauf hingewiesen, dass die derzeitige Besessenheit mit Psychologie das Wirken des Geistes ebenfalls dämpft, indem sie das Original durch einen falschen Vorgang ersetzt. Sie ersetzt menschliche Weisheit, menschliche Ressourcen, menschliche Macht, verpackt in menschlichen Techniken als Pfad zur Lösung geistlicher Probleme. Sie lehnt die einzig wahre Macht ab, den einzig wahren Problemlöser, den Heiligen Geist, der einzig und allein die Sünden unseres Lebens heilen und uns heilig machen kann. Und wir müssen die Frage stellen, ob wir einen Therapeuten benötigen oder den Heiligen Geist? Viele moderne Gemeinden bestätigen zwar durchaus, dass sie an den Heiligen Geist glauben, würden jedoch antworten, wir bräuchten einen Therapeuten.

In meinem Buch sage ich: „Psychologische Heiligung ist zu einem Ersatz für das vom Geist erfüllte Leben geworden. Welchen Sinn hat es, den Trost des Heiligen Geistes zu suchen, wenn tief verwurzelte Probleme schließlich nur von einem ausgebildeten Psychologen behandelt werden können oder wenn Menschen ihr Leben nur in den Griff bekommen können, wenn sie sich auf ihre Kindheit zurückbesinnen, oder wenn die Antworten auf unsere schlimmsten Schmerzen tief in uns verborgen sind? Wenn all das stimmt, brauchen wir keinen Fürsprecher, sondern einen Therapeuten." Und genau das ist der Weg, den viele Gemeinden eingeschlagen haben. Und so wird der Geist gedämpft.

Vor Kurzem erhielt ich ein Schreiben von einer Zuhörerin eines Radioprogramms. Der Brief ist im Buch enthalten, aber ich werde ihn euch vorlesen, um euch einfach in Erinnerung zu rufen, welche Einstellung dort draußen vorherrscht. Diese Frau war natürlich von den Unmengen christlicher Psychologie und weltlicher Psychologie geprägt, mit der sie in Berührung gekommen war. Sie schrieb Folgendes. Denkt einmal darüber nach. Sie sagte: „Ich war noch nie Ihrer Meinung über Psychologen und wie Sie sie alle, christliche und weltliche, in einen Topf werfen. Nachdem mir kürzlich Er

eignisse aus der Vergangenheit bewusst geworden sind, fand ich Ihre Einstellung noch beunruhigender. Ich frage mich, ob Sie wissen, welchen Schaden Sie anrichten, indem Sie Menschen mit schwerwiegenden emotionalen Problemen davon abhalten, die Hilfe zu suchen, die sie benötigen. Wenn Sie aus einer perfekten Familie kamen, könnten Sie durchaus Probleme haben, zu verstehen, wie sehr die Seele mancher Menschen verletzt wurde und wie sehr das ihre Persönlichkeit als Mensch beeinträchtigt hat. Oftmals wurden Zwischenfälle von einem Kind unterdrückt und kehren dann in der Jugend oder im Erwachsenenalter zurück. Die Empfehlung, sich auf das Bibelstudium und Gebete zu beschränken, ist, als klebe man nur ein Pflaster auf, wenn stattdessen eine Operation erforderlich ist. Christ zu werden alleine löst das Problem auch nicht. Ich dachte einst, das täte es, denn die mit Problemen belastete Person betrachtet ihre Erfahrungen vielleicht als mehr oder weniger normal, da sie ihre tiefe seelische Verletzung unterdrückt hat. Und da diese Angelegenheiten niemals durchgearbeitet wurden, bringen sie sie in ihre Ehe mit ein, und so beginnt ein weiterer Kreislauf.“

Ich möchte an dieser Stelle innehalten und Folgendes sagen. Die These dieser Frau besagt, dass Bibelstudium, Gebet und der Dienst des Heiligen Geistes ein Pflaster sind, Psychologie hingegen gründliche Chirurgie. Seht ihr, was sie hier sagt? Was sie hier effektiv sagt, ist das Gegenteil der Wahrheit. Das absolute Gegenteil der Wahrheit. Psychologie ist das Pflaster und das Wort, Gebet und die Macht des Geistes sind die gründliche Chirurgie. Aber das ist die Auffassung, die in der Gemeinde nur allzu verbreitet ist.

Im Brief steht weiterhin: „Die grob vereinfachte Antwort lautet, dass sich das auf Sünde zurückführen lässt." Ist das grob vereinfacht, oder ist es die Wahrheit? Sie sagt: „Bitte Gott, dir zu vergeben, vergib Anderen, lies deine Bibel und bete, bitte Gott, dir zu helfen, es besser zu machen; aber du musst dich auch mit dem befassen, was die Sünde bewirkt hat, und wenn die Person sich des Problems nicht bewusst ist, das so tief in ihrem Unterbewusstsein begraben liegt, wie soll sie ihr Verhalten dann korrigieren? Ein Mann mit einem gebrochenen Bein wird nicht geheilt, indem man das schmerzenden Körperteil salbt. Erst wenn die zugrundeliegende Ursache der Schmerzen entdeckt wurde, kann Heilung herbeigeführt werden.“

Und die gleiche These taucht wieder auf. Die Bibel, Gebet und der Dienst des Heiligen Geistes sind Salbe auf dem Problem, sie heilen es nicht. Zur Heilung müssen wir tiefer gehen, als geistliche Ressourcen uns führen können. Das ist erstaunlich. Darüber hinaus reflektiert es nichts weiter als evolutionären, atheistischen Freudianismus, der besagt, dass Menschen so und nicht anders sind, weil sie eine ganze Menge Müll in ihrer Persönlichkeit sublimiert haben, der unter der Oberfläche liegt und irgendwie wiedergekäut werden muss, damit sie geheilt werden. Dies hat natürlich mit biblischen Daten nichts zu tun und es gibt absolut keinen Zusammenhang mit dem Wirken des Geistes.

Die Frau fährt fort: „Der christliche Psychologe wurde geschult und ist besser in der Lage, die Wurzel dieser schwerwiegenden Probleme zu erfassen. Ein Freund oder guter Zuhörer ist nicht sehr hilfreich, weil das Problem zu tief verwurzelt ist und ein Pastor eine ganze Gemeinde hat, um die er sich kümmern muss; wie um alles in der Welt könnte er die Zeit rechtfertigen, die erforderlich wäre, um sich mit nur einigen Wenigen in der Gemeinde zu befassen? Das Leben wird komplexer und Beziehungen deshalb brüchiger und Sie sind der Meinung, Christen sollten nicht zu Thera

peuten gehen????? Ich frage mich, wie viele andere bedürftige Menschen sich überreden lassen haben, nicht die Hilfe zu suchen, die sie so verzweifelt benötigen. Es schüttelt mich, wenn ich daran denke, welche Verantwortung Sie haben, während Sie im Radio sprechen und Menschen davon abhalten, die Hilfe zu suchen, die sie benötigen. Ich hoffe aufrichtig, dass wir die wahre Bedeutung dessen, was Sie meinten, missverstanden haben. Um meinen Standpunkt sehr deutlich zu machen … ich stimme keineswegs mit Ihnen überein, dass Christen nicht professionelle Hilfe bei einem Psychologen suchen sollten. Wenn die Notwendigkeit besteht, sollten sie sich Hilfe holen." Und sie sagte noch einige andere Dinge in diesem Brief, die ich hier nicht wiederholen kann.

Aber worum es mir hier geht, ist, dass es eine weitverbreitete Einstellung ist, dass die Bibel sich nur oberflächlich mit Dingen befasst und dass die tiefe Heilung, die jemand braucht, erst dann möglich ist, wenn wir die Schichten psychologisch und therapeutisch freilegen können, um zu sehen, was sich darunter verbirgt.

Ich würde zu einer Frau wie dieser, oder zu allen anderen Menschen, die ebenso denken, einfach sagen: „Suchen Sie die Antwort bei der richtigen Quelle? Sind Sie wirklich auf die richtige Antwort eingestellt?” Gibt es denn wirklich jemanden, der besser ausgerüstet ist, als der Heilige Geist? Sagen wir hier, dass Gott, wenn er gewusst hätte, was wir jetzt wissen, uns nicht den Heiligen Geist gegeben hätte, um uns auf den Pfad der Vollkommenheit zu führen, sondern einen persönlichen Psychiater? Hat Gott irgendwie groß gelitten, weil er leibhaftig auf der Erde war, bevor Freud kam?

So viele Menschen haben dieser Auffassung Glauben geschenkt und sie ist keineswegs neu. Sie lässt sich bis zu Kapitel 3 des Galaterbriefs zurückverfolgen. Dort sagt Paulus in Vers 3: „Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen und wollt es nun im Fleisch vollenden?“ Habt ihr irgendeine menschliche Technik, Methode, Therapie oder etwas gefunden, auf das ihr euch für die tief verwurzelten Probleme verlasst, weil der Geist das nicht kann? Ich meine, ist das nicht lächerlich? Ihr habt im Geist angefangen und jetzt denkt ihr, ihr könntet im Fleisch vollendet werden?

Was meint er damit? Denkt einmal darüber nach. Glaubt ihr, dass der Heilige Geist die Erlösung herbeiführen kann? Die Verwandlung? Die Rechtfertigung? Der Heilige Geist kam in euer Leben und verwandelte euch durch die Kraft des Evangeliums vom Tod zum Leben, von der Dunkelheit zum Licht, von der Hölle zum Himmel, von der Sünde zur Heiligkeit, vom Kind Satans zum Kind Gottes. Der Heilige Geist hat all das getan, aber er kann keine Heiligung bewirken?

Ihr glaubt, dass der Heilige Geist mächtig genug war, um euch eurer Sünde zu überführen und euch eurer eigenen Bemühungen, Gott ohne fremde Hilfe zu gefallen, überdrüssig zu machen? Dass der Heilige Geist mächtig genug war, euch aufgrund eines Gefühls der Schande über euere Sünde und der Furcht vor dem Zorn Gottes zur Buße zu bewegen, euch von eurer Sünde abzuwenden und Christus zu folgen? Ihr meint, der Geist war mächtig genug, das Evangelium zum Leben zu erwecken, damit es zu euch, die ihr geistlich tot ward, als Wahrheit kommen könne und dass der Geist Gottes mächtig genug war, euch zu erneuern, euch ganz neu zu schaffen, den Samen des Lebens Gottes in euch zu säen - dass er all das tat, aber jetzt eure Probleme nicht bewältigen kann? Wie mir scheint, ist die schwierigste Arbeit bereits erledigt. Und als ihr errettet wurdet, im Moment eurer Bekehrung, be

wirkte der Geist Gottes eine komplette Umkehr und Erneuerung eures Herzens. Es gab eine radikale Verwandlung, auf wunderbare und übernatürliche Weise. Sie sonderte euch ab, weg von der Sünde und hin zu Gott. Sie machte euch zu einem Bestandteil des Leibes Christi. Der Heilige Geist kehrte dauerhaft in euch ein. Er verlieh euch eine Gabe für geistlichen Dienst. Er gab euch Heilsgewissheit und versiegelte euch für die ewige Herrlichkeit. Er füllte eure Herzen mit der Liebe Gottes und machte euch dadurch zu wahren Anbetern Gottes und zu Menschen, die Andere lieben. Er tat all das zum Zeitpunkt eurer Errettung. Und Paulus sagt zu den Galatern und allen Anderen, die ähnlichen Unverstand aufweisen: „Wollt ihr mir erzählen, dass er all das getan hat und ihr ihm jetzt nicht für den Rest vertrauen könnt? Und dass ihr euch irgendeiner menschlichen Quelle zugewandt habt und jetzt denkt, der Heilige Geist sei nur ein Pflaster für die Probleme des Lebens, während Psychologie gründliche Chirurgie sei?“

Das ist absolute Torheit ... Torheit. Lasst uns betrachten, worin das Wirken des Geistes besteht. Lasst es uns gemeinsam betrachten. Wir haben über die Tatsache gesprochen, dass der Geist in der christlichen Kultur, in der wir heutzutage leben, gedämpft wird - durch Psychologie und durch den Mystizismus der charismatischen Bewegung. Und ich habe in meinem Buch einen weiteren Abschnitt über Pragmatismus hinzugefügt. Es gibt Menschen, die den Heiligen Geist dämpfen, indem sie kraftvolle Predigten durch Manipulation ersetzen … kraftvolle Lehre und Auslegung der Schrift durch Unterhaltung; die denken, dass die Gemeinde nicht durch die Kraft des Geistes wächst, sondern durch die Geschicklichkeit kreativer unternehmerischer Aktivitäten.

Wie aber steht es mit dem Privatleben? Ich möchte jetzt vom großen Gesamtbild zu euch und mir kommen. Was will der Heilige Geist in mir tun, das ich dämpfen kann? Ganz einfach gesagt, er will euch auf einem Pfad voranbringen, der euch zunehmend heiliger macht. Habt ihr das verstanden? Er will euch auf einem Pfad voranbringen, der euch zunehmend heiliger macht. Was bedeutet heilig? Abgesondert. Er möchte euch mehr und mehr von der Sünde absondern und je weiter ihr euch von der Sünde entfernt, umso näher kommt ihr Gott. Es ist einfach ein Prozess der Absonderung. Er möchte in euch bewirken, dass ihr immer weniger sündigt, immer weniger sündigt, immer weniger der Versuchung erliegt, euch immer weniger mit der Welt beschäftigt, immer weniger Opfer des Fleisches seid und euch immer stärker nach Gott sehnt. Das ist der Verlauf der Heiligung. Das ist eine Entwicklung in Rich- tung Heiligkeit. Das ist sein Werk.

Und das Ziel all dessen, das perfekte Ziel all dessen ist natürlich Jesus Christus. „Ich jage nach dem Ziel”, nicht wahr? Nach dem Preis. Und das ist Christus Jesus. Ich will wie Christus sein. Der Psalmist David sagte: „Ich werde froh, ich werde glücklich, ich werde zufrieden sein, wenn ich dir ähnlich erwache." Das ist mein Ziel. Paulus sagte in Galater 4,19: „Ich werden Schmerzen leiden, bis Christus in euch Gestalt gewinnt.” Und in Kolosser lesen wir: „Wir predigen, lehren und warnen jeden Mann, um jeden Mann perfekt in Christus darzustellen.“ Wir wollen, dass sie Christus gleichen. Wir wollen, dass ihr Christus gleicht. Wir wollen, dass ihr das Maß der vollen Größe des Christus erreicht, Epheser 4,13.

Der Heilige Geist will euch also von dort, wo ihr seid, zur Christusähnlichkeit bringen … auf einem Pfad zunehmender Heiligkeit; das ist Heiligung. Es ist einfach ein Absonderungsprozess, zunehmende Absonderung. Das will er tun. Heiligkeit war wie

ein Samenkorn, das zurzeit eurer Errettung gepflanzt wurde und wächst. Und während es wächst, trägt es immer mehr Früchte und das ist das Werk des Heiligen Geistes.

John Owen, der große puritanische Autor, hatte einige sehr fundierte Erkenntnisse. Er sagte Folgendes: „Heiligung ist ein unmittelbares Werk des Heiligen Geistes an den Seelen der Gläubigen, das ihr Wesen von der Kontamination und Unreinheit der Sünde reinigt und läutert, das Abbild Gottes in ihnen erneuert und sie dadurch aufgrund des geistlichen und gewohnheitsmäßigen Grundsatzes der Gnade befähigt, Gott für die Dauer und gemäß den Bedingungen des neuen Bündnisses gehorsam zu sein, kraft des Lebens und Todes Jesu Christi."

Es ist ein Werk des Geistes in eurer Seele, durch das ihr geläutert, gereinigt und gesäubert werdet von der Unreinheit der Sünde, während ihr dem Abbild Gottes zunehmend ähnlicher werdet. Oder, kürzer gefasst, sagte er, es sei die universelle Erneuerung unseres Wesens durch den Heiligen Geist zum Abbild Jesu Christi.

Das ist es, was der Geist tun will. Psychologie kann das nicht bewirken. Menschliche Weisheit kann das nicht bewirken. Nichts und niemand außer dem Heiligen Geist kann das bewirken. Einzig und allein der Heilige Geist kann das bewirken. Ihr könnt den Geist im Verlauf dieser Heiligung dämpfen, durch den Ersatz ekstatischer Erfahrungen, Emotionen, Gefühle, Methoden, Therapien, technischer Mätzchen, Formeln oder was auch immer … Pragmatismus, mystisch intuitive, durch das Selbst geführte Erfahrungspsychologie, Emotionen, Gefühle, all das wird nie tun, was der Geist bewirken soll und was er allein bewirken kann.

In diesem heiligen Prozess gibt es eine Hand voll Dinge, die der Heilige Geist in euch tut und die ihr wissen müsst. Sie sind die Bestandteile dieses Prozesses. Sie machen diesen Prozess aus.

Erstens, er erleuchtet das Wort … er erleuchtet das Wort. 1 Petrus 2,2 besagt: „und seid als neugeborene Kindlein begierig nach der unverfälschten Milch des Wortes, damit ihr durch sie heranwachst.” Ihr wachst durch das Wort. Wenn ihr euch auf diesem Pfad der Heiligung voranbewegt, abgesondert von Sünde und zu Gott hingewandt, dann wird dieser Wachstumsprozess, diese Entwicklung durch das Wort hervorgebracht. Ihr nehmt die Wahrheit in euch auf. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von all dem, was aus dem Mund des Herrn hervorgeht.“ Ihr ernährt euch vom Wort und dadurch wachst ihr.

Jetzt ist der Geist die ausführende Kraft des Wortes. Ihr erinnert euch sicherlich, dass der Geist der Autor des Wortes ist. In 2 Petrus 1,20-21 lesen wir: „... vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet." Der Geist ist der Autor der Schrift. Er verfasste also die Heilige Schrift. Nicht nur das, in 1 Johannes 2,20 und 27 lesen wir, dass er als Salbung in uns wohnt, dass er eine Salbung ist und wir deshalb keine menschlichen Lehrer nötig haben. Mit anderen Worten verfasste der Geist nicht nur die Schrift, sondern er wohnt in uns als Erleuchter des Wortes, als Ausleger der Schrift. Das ist von zentraler Bedeutung. Er erschließt uns das Wort. Deshalb sagt Jesus in Johannes 14,26 und 16,13-14: „Ich werde euch den Geist senden, er ist der Geist der Wahrheit, er wird euch in die Wahrheit führen. Er wird euch die Wahrheit zeigen. Er wird von dem Meinen nehmen und euch verkündigen.“

Geht für einen Moment zu 1 Korinther zurück. Ich möchte euch in Kapitel 2 auf Vers 9 und einige andere Verse hinweisen. 1 Korinther 2,9 enthält eine überaus wichtige Aussage: „Wie es geschrieben steht …”, sagt Vers 9 und bezieht sich hier auf Jesaja 64 und 65 …, „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört und keinem Menschen ins Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“ Haltet an dieser Stelle bitte inne.

Für diejenigen, die Gott lieben und kennen, hält Gott wunderbare Dinge bereit. Sie beziehen sich alle auf den Prozess der Heiligung … Segen und Herrlichkeit. Gott hat diese Dinge vorbereit. Aber würdet ihr bitte zur Kenntnis nehmen, dass es zwei Arten gibt, auf die wir diese Dinge nicht erkennen können? Man kann sie weder sehen noch hören. Das ist die erste Art. Wir schlussfolgern deshalb, dass die große geistliche Realität, große geistliche Wahrheit sich nicht empirisch erfahren lässt. Empirismus ist einfach eine Methode der Beobachtung, der objektiven Beobachtung. Sie sind in unserer Welt nicht zu erkennen. Man kann sie weder sehen noch hören. Der menschliche Verstand kann diese großen geistlichen Wahrheiten nicht anhand wissenschaftlicher Methoden ergründen. Keine objektiv berechnete, wissenschaftlich wahrnehmbare Methode kann diese Dinge hervorbringen. Habt ihr das gehört? Sie sind dem menschlichen Intellekt nicht anhand von menschlichen, wissenschaftlichen Prozessen zugänglich, sie können nicht empirisch ergründet werden.

Zweitens sind sie auch nicht in euer Herz gekommen. Sie sind daher weder objektiv noch subjektiv zugänglich. Ihr könnt sie weder empirisch noch intuitiv erkennen. Ihr könnt nicht über ein Gefühl zur Wahrheit Gottes gelangen. Ihr könnt nicht über eine Emotion zur Wahrheit Gottes gelangen. Ihr sagt nicht, wie so viele Menschen: „Nun, ich weiß schließlich, was ich glaube.” Das steht nicht unbedingt im Zusammenhang mit der Wahrheit. Ihr könnt die Wahrheit Gottes nicht erkennen, die euch wachsen lässt, die euer Lebenselixier ist, die euch heiligt, die euch in diesem Absonderungsprozess zunehmend heiliger macht, Christus ähnlicher, ihr könnt sie weder durch externe Beobachtung noch durch interne Intuition erkennen. Sie ist nicht zugänglich. Der einzige Weg, wie wir sie erkennen können, wird in Vers 10 beschrieben: „Uns aber hat es Gott geoffenbart“, … durch wen? ..., „seinen Geist". Der Geist Gottes verfasste nicht nur die Schrift, er erleuchtet die Schrift und er macht sie für uns lebendig. Es gibt keine legitime Erfahrung, keine geistliche Erfahrung, keine legitime christlich- geistliche Erfahrung, die nicht eine emotionale Reaktion auf das eine oder andere Ende des Spektrums der Wahrheit ist, die im Wort geoffenbart wird und in unserem Herzen durch den Geist zum Leben erweckt wird.

Wenn ihr zum Beispiel eine Zeit der ungewöhnlichen, anormalen, was ich als transzendente Freude bezeichnen würde, durchlebt, seid ihr vor Freude überwältigt, ihr singt Psalmen und Lobgesänge und vergießt vielleicht Freudentränen, ihr seid überwältigt vom Gefühl des Wohlbefindens. Eure Emotionen über die Freude, dass ihr errettet worden seid, sprudeln nur so über. Der Grund dafür ist nicht irgendetwas Intuitives, das aus euch herausströmt, sondern die Tatsache, dass ihr die Wahrheit kennt, die sich auf eure Reaktionen bezieht und weil der Geist Gottes diese Wahrheiten in eurem Verstand zum Leben erweckt und das wiederum eure Emotionen beschwingt hat. Das geschieht nicht in einem Vakuum. Und die Art emotionaler Erfahrungen, die nichts Weiter sind als Emotionen in einem Vakuum, sind nicht wahre christlich-geistliche Erfahrungen.

Wenn wir jedoch das andere Ende des Spektrums betrachten, die Zeiten von tiefer Traurigkeit und Kummer, von Weinen und Tränen, kommen die daher, dass ihr wisst, dass etwas in eurem Leben nicht stimmt und der Geist euer Empfinden dafür sensibilisiert hat und eure Emotionen an ihre Grenzen gestoßen sind bei dem Versuch, mit dieser Sensibilisierung durch den Geist Gottes im Zuge dieser Überführung klarzukommen. Und so schrieb der Geist Gottes das Wort. Der Geist Gottes als Salbung legt das Wort aus, während wir es sorgfältig studieren, und der Geist Gottes macht das Wort lebendig, das alles in uns hervorbringt, von tiefem Kummer über Sünde bis zu alles übersteigender Freude und Lob durch das berauschende Gefühl der Wahrheit. Das ist sein Werk und so bringt er uns voran. Und das Wort steht im Zentrum all dessen.

In Psalm 19 lesen wir, dass das Wort die gesamte Person verwandelt. Das Wort macht den einfachen Menschen weise. Das Wort erfreut das Herz. Das Wort erleuchtet die Augen. Das Wort währt ewig. Das Wort bringt umfassende Gerechtigkeit hervor. Es bewirkt alles. Es wurde uns gegeben, um uns zu belehren, zu überführen, zurechtzuweisen und zu erziehen, damit wir zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet sind. Der Geist steckt also im Wort als dessen Verfasser und Ausleger und agiert durch das Wort bei dessen Anwendung und er erweckt es in unserem Herz zum Leben. Das ist es, was er tut, um uns von der Sünde zur Heiligkeit zu führen, indem er das Wort für uns lebendig macht. Das ist sein Werk.

Aber ihr könnt dieses Werk dämpfen. Wie? Indem ihr das Wort nicht studiert, um euch Gott als bewährt zu erweisen. Indem ihr die Schrift falsch handhabt und sie nicht recht teilt. Indem ihr sie nicht mit Sanftmut annehmt, wie Jakobus 1,21 besagt. Ihr könnt den Geist dämpfen, indem ihr das Wort nicht auf euer Leben anwendet und somit zu Hörern des Wortes werdet statt zu Tätern. Ihr könnt es dämpfen, indem ihr es nicht in eurem Herz bewahrt, indem ihr es nicht sorgfältig studiert, indem ihr nicht danach strebt und indem ihr es nicht reichlich in euch wohnen lasst, wie Paulus in Kolosser 3 sagte.

Es gibt eine zweite Sache, die der Heilige Geist tut. Indem er uns auf dem Pfad der Absonderung zur Heiligkeit voranbringt, bringt er uns Gott näher. Das ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres geistlichen Wachstums. Wir brauchen Zeit mit Gott. Wenn ich Gott zunehmend näher kommen möchte, wenn die Beziehung immer enger und fruchtbarer und vollkommener werden soll, dann muss ich Zeit mit Gott verbringen und deshalb ist es das Werk des Geistes, mich in diese Richtung zu ziehen, mich in diese Richtung zu ziehen. In Römer 8 lesen wir, dass es der Heilige Geist ist, der uns zum dem Ausruf „Abba, Vater" leitet. Es ist der Heilige Geist, der uns zu der Überzeugung bringt, dass wir Kinder Gottes sind. Paulus sagt wieder in Galater 4,6: „Es ist der Heilige Geist, der uns ausrufen lässt‚ Abba, Vater!”; das bedeutet Papa oder Vati und ist ein Kosename, ein Begriff der Zuneigung, ein Begriff der Intimität. Der Geist will das. Der Geist will uns zum Gebet führen, zur Gemeinschaft mit Gott; wir sollen ihm als liebende Kinder mit einem liebenden Vater entgegen laufen.

Die beiden Texte, die uns zum Thema „Abba, Vater” belehren, sind übrigens interessant. Im Römerbrief will der Geist uns Gott näherbringen, um uns Heilsgewissheit zu geben. Damit wir die wunderbare, berauschende Gewissheit haben können, dass wir Kinder Gottes sind und er uns so sehr liebt. Der Text im Galaterbrief betont diese Gewissheit nicht. Im Galaterbrief will der Geist uns Gott nicht um der Gewissheit willen näherbringen, sondern wegen der Ressourcen. Wir müssen zum Wort gehen,

damit wir nicht nur in den Genuss der Gemeinschaft mit Gott kommen können, sondern damit wir auch das Wort als Ressource für unsere Bedürfnisse anzapfen können. Einerseits rufen wir „Abba, Vater”, weil wir einfach die Beziehung zelebrieren wollen. Andererseits rufen wir „Abba, Vater”, weil wir dringende Bedürfnisse haben. Darin ähnelt ihr euren Kindern. Manchmal kommen sie nur zu euch, um mit euch zu kuscheln. Und zu anderen Zeiten kommen sie zu einem, weil sie dringend etwas brauchen. Und in beiden Fällen rufen wir: „Abba, Vater.”

Was will der Geist tun? Paulus sagt, es ist der Geist, der in unserem Herz agiert und uns veranlasst, „Abba, Vater” zu rufen. Es ist der Geist, der uns diese Neigung zur Gemeinschaft und Intimität mit Gott gibt, der Gott von einem distanzierten Gott, wie er es in den Religionen der Welt ist, zu einem Gott der Liebe und des Mitgefühls und der Fürsorge macht, zu einem verständnisvollen Gott, der uns mit seiner Liebe umgeben will. Intimität mit Gott ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Wachstums. Wie können wir jemals ein geistlicher Vater werden? Drei Ebenen des geistlichen Wachstums … geistliche Kinder, geistlich junge Männer, geistliche Väter. Geistliche Kinder kennen die Grundlagen. Geistlich junge Männer kennen die gesunde Lehre, wie in 1 Johannes 2,12-13 erläutert. Und geistliche Väter kennen ihn, der von Anbeginn existiert. Ich kann keine tiefe Erkenntnis des ewigen Gottes haben, wenn ich keine Zeit mit ihm verbracht habe, oder? In diesem Prozess des geistlichen Wachstums und der Heiligung, bei dem ich mich der Heiligkeit annähere, lerne ich Gott zunehmend besser kennen. Das war der Aufschrei von Paulus, das ich Gott erkennen möge. Das ist das Verlangen meines Herzens. Ich will ihn besser erkennen, ihn besser erkennen, ihn mehr kennen. Und der Geist treibt uns in diese Richtung voran. Er begehrt, er agiert, er bringt uns in immer nähere Gemeinschaft mit Gott. Deshalb lässt er Schwierigkeiten in unserem Leben zu, weil es Schwierigkeiten sind, die uns die Gemeinschaft mit Gott suchen lassen, nicht wahr? Das ist von zentraler Bedeutung.

Ihr könnt den Geist dämpfen, indem ihr die Schwierigkeiten des Lebens nicht akzeptiert, indem ihr verbittert und verärgert seid, indem ihr mangelnde Hingabe an das Gebet aufweist und indem ihr keine Gemeinschaft mit Gott habt. Ihr könnt das Werk des Geistes dämpfen, indem ihr nicht andächtig seid und indem ihr nicht bereit seid, ihm eure Sorgen zu übergeben. Ihr könnt das Werk des Geistes dämpfen, indem ihr euch auf eure fleischliche Macht verlasst, indem ihr bei euren menschlichen Ressourcen bleibt und sagt: „Ich wende mich für nichts an Gott, ich habe alles, was ich brauche, ich komme selbst damit klar.“ Ihr könnt ihn dämpfen, indem ihr euch unzulänglich fühlt, nicht auf Gottes Liebe vertraut und sagt: „Wenn ich gehe, liebt er mich nicht“. Oder indem ihr nicht darauf vertraut, dass er für euch sorgt: „Er hat nicht das, was ich brauche.“ All das und noch mehr würde dazu führen, dass ihr den Geist dämpft.

Es gibt eine dritte Sache, die er tut und die uns Christus ähnlicher macht. Er verherrlicht Christus uns gegenüber … er verherrlicht Christus uns gegenüber. Ihr sagt jetzt: „Warum tut er das?" Weil das Ziel eurer Heiligkeit darin besteht, so wie Christus zu sein, nicht wahr? Wie ich bei Galater 4,19 bereits erwähnte, sagte Paulus dort, er leide Schmerzen, bis Christus in euch Gestalt gewinnt. Es geht darum, so wie Christus zu werden. Wenn wir ihm ähnlich erwachen, wenn wir ihn sehen, wie er ist, werden wir so wie er sein. Das ist das Ziel. Das ist der Preis, das Ziel in Philipper 3, auf das Paulus sich zubewegte. Und wenn ich wie Christus werden soll, muss ich wissen, wie Christus ist. Wenn wir in 1 Johannes 2,6 sagen, wir wandeln in ihm, dann

sollten wir auch so wandeln, wie er es tat. Wenn wir sagen, dass wir in ihm bleiben, dass wir ihm gehören, dass wir seine Kinder sind, dann sollten wir auch so wandeln, wie er es tat. Um das zu tun, müssen wir sehen, wie er wandelte.

Was also tut der Geist? Er zeigt uns Christus. Er verherrlicht Christus für uns. In Johannes 15,26 und 16,14-15 sagte Jesus, wenn der Geist käme, werde er Zeugnis von ihm geben. Er werde Dinge von dem Seinen nehmen und verkündigen. Das wird er tun. Er wird mich euch zeigen. Er wird mich euch offenbaren. Jesus sagte: „Ich bin gekommen, um den Vater zu offenbaren.“ Jesus sagte: „Der Geist ist gekommen, um mich zu offenbaren.” Er wird mich euch zeigen. Er bringt Leute immer dazu, Jesus Christus Herrlichkeit beizumessen. 1 Korinther 12,3: „… niemand, der im Geist Gottes redet, [nennt] Jesus verflucht …; es kann aber auch niemand Jesus Herrn nennen als nur im Heiligen Geist.“ Er misst Christus immer Herrschaft bei. Er verherrlicht Christus immer. Und so will er, dass wir auf die Herrlichkeit Christi blicken. Er will, dass wir denjenigen sehen, der das Ziel unserer geistlichen Entwicklung ist.

Seht euch einmal den wunderbaren Vers in 2 Korinther 3,18 an, der oft übersehen wird. Deshalb schreibe ich ihn manchmal unter meinen Namen, wenn ich ein Buch signiere. 2 Korinther 3,18 besagt sinngemäß: „Wir alle”, … das heißt Gläubige, Christen, „haben ein unverhülltes Angesicht.“ Er hatte über Moses gesprochen und über die Herrlichkeit Gottes auf dem Antlitz von Moses; erinnert ihr euch, als er auf den Berg ging und die Herrlichkeit Gottes schaute, die sein gesamtes Gesicht strahlen ließ, sodass er es dann bedeckte? Er sagt, wir haben keinen Schleier, wir haben nichts, das zwischen uns und der Herrlichkeit steht, es gibt kein Hindernis. Christus hat den Schleier eliminiert und wir schauen quasi in einen Spiegel und sehen die Herrlichkeit des Herrn. Das ist eine großartige Aussage. Was ist dieser Spiegel, der die Herrlichkeit des Herrn reflektiert? Es ist Folgendes … hier sehen wir es. Wenn wir das Wort Gottes studieren, strahlt die Reflexion der Herrlichkeit Jesu Christi davon aus. Es ist mir egal, ob ihr vom Alten oder Neuen Testament sprecht, Christus ist überall das Thema. Und wenn ihr das Wort Gottes ohne Scheuklappen betrachtet und ohne Schleier, da ihr in Christus seid, und wenn ihr in das Glas schaut, das die Herrlichkeit des Herrn in eurem Gesicht reflektiert, wenn ihr das tut … passt auf …, dann werdet ihr in dasselbe Bild verwandelt.

Seht ihr, beim Studium von Gottes Wort und der Herrlichkeit des Herrn, wird unser Herr Jesus Christus uns enthüllt, er kommt quasi lodernd aus dem Spiegel des Wortes, blendet uns manchmal fast, wie Moses, der in die Felsenkluft ging und die ganze Herrlichkeit schaute. Wenn wir die Herrlichkeit Christi erblicken, die uns im Wort offenbart wird, werden wir von dieser Herrlichkeit verwandelt. Dann sagt er: „Von einer Ebene der Herrlichkeit zur nächsten Ebene der Herrlichkeit.” Von Herrlichkeit zu Herrlichkeit zu Herrlichkeit zu Herrlichkeit. Wer tut das? Am Ende des Verses: der „Geist des Herrn.“ Es ist das Werk des Geistes. Das ist sein Werk.

Würden wir das dämpfen wollen? Wollen wir das hemmen? Der Geist verwandelt uns. Das Wort „verwandelt” ist übrigens dasselbe Wort, das in Matthäus 17 mit „verklärt" übersetzt wurde. Und es beschreibt Jesus, als er auf dem Berg war, erinnert ihr euch, und vor ihnen verklärt wurde. Das war höchst außergewöhnlich. Die Herrlichkeit des Herrn war auf dem Gesicht von Moses erschienen, das war außen. Aber Jesus offenbarte seine Herrlichkeit, die innen war. Und was Paulus hier sagt, ist ziemlich beachtlich. Er sagt: „Ihr als Gläubige seid mehr wie Jesus als wie Moses, weil die Herrlichkeit nicht außen ist, sondern innen." Ihr werdet buchstäblich innerlich

verwandelt, innerlich verklärt zu derselben Form von Herrlichkeit, die Jesus durch das Werk des Heiligen Geistes an den Tag legte.

In diesem Prozess, bei dem der Geist euch auf dem Pfad der Heiligung voranbringt, will er also das Wort für euch erleuchten, das euch wachsen lässt. Er will, dass ihr dem Vater näher kommt und damit auf dem Pfad der Intimität voranschreitet, der euch wiederum wachsen lässt. Und er will euch Christus in so lodernder Herrlichkeit offenbaren, dass ihr das Abbild dessen, wohin ihr geht, deutlich seht. Während ihr euch auf dieses Abbild konzentriert und in Wunder, Liebe und Lob versunken seid, werdet ihr feststellen, dass der Geist Gottes euch unaufhaltsam auf dem Pfad zur Christusähnlichkeit voranbringt. Was für ein Gedanke.

Aber auch das könnt ihr hemmen. Aber auch das könnt ihr dämpfen. Indem ihr einfach nicht das Wort studiert. Indem ihr die Schönheit Christi einfach nicht seht. Indem ihr die Bibel einfach nutzt, um all eure Probleme zu lösen und nicht einfach Christus durch sie offenbar werden lasst. Indem ihr nicht demütig seid und zugebt, dass ihr so weit von der Herrlichkeit Gottes entfernt seid, dass ihr seine Herrlichkeit dringend sehen müsst und zu einer neuen Ebene der Herrlichkeit gelangen müsst. Geistlicher Stolz wird euch zurückhalten, mangelnde Demut wird euch zurückhalten … all diese Dinge werden das Werk des Geistes dämpfen, hemmen, behindern und ihn betrüben.

Viertens will der Heilige Geist euch bei diesem Entwicklungsprozess in eurem Leben zu Gottes Willen führen. Er will euch zu Gottes Willen führen. Was meinst du damit? Zweierlei. Erstens bedeutet das Gehorsam gegenüber dem geoffenbarten Willen Gottes … Gehorsam gegenüber dem geoffenbarten Willen Gottes. Dem, was in der Schrift steht. Er will euch zum Gehorsam führen. Er will euer Herz, euer Gewissen, euren Verstand anregen und euch aufwühlen. In Jeremia 10,23 lesen wir: „Ich weiß, HERR, daß der Weg des Menschen nicht in seiner Macht steht, daß der Mann, wenn er geht, seine Schritte nicht zu lenken vermag." Jeremia sagt: Eines weiß ich definitiv, ich kann mein eigenes Leben nicht lenken. Und er hatte vollkommen recht. Er sagte damit: „Ich kann mein eigenes Leben nicht steuern, ich kann meine eigenen Schritte nicht lenken.“ Und dann rief er den Herrn an und sagte: „Herr, du musst das tun. Du musst mich auf dem Pfad deines Willens lenken, ich kann das nicht alleine tun.“

Hesekiel 36,27 befasst sich mit der ersten Dimension davon. Das Versprechen Gottes im neuen Bündnis: „Ja, ich will meinen Geist in euer Inneres legen und werde bewirken, daß ihr in meinem Satzungen wandelt und meine Rechtsbestimmungen befolgt und tut.“ Das ist die Antwort. Ich werde euch meinen Geist in dem neuen Bündnis durch Christus geben, ich werde euch meinen Geist geben und er wird euch veranlassen, mir zu gehorchen. Das hat er gesagt. Er wird euch in Gehorsam anleiten. Er wird euch dazu motivieren, dem Wort zu gehorchen.

Psalm 143,10 ist faszinierend. „Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott …” und dann: „dein guter Geist führe mich in ebenem Land.“ Einerseits lehrt der Geist uns, dem Wort zu gehorchen. Andererseits führt der Geist uns auf ebenem Land.

Ihr fragt, was das bedeutet? Das ist das subjektive Werk des Geistes, das nicht unbedingt mit der Schrift zusammenhängt. Der Geist führt uns, regt uns an, treibt uns

an, zwingt uns, überführt uns, dem zu gehorchen, was wir aus der Schrift kennen. Aber der Geist geht auch darüber hinaus und führt uns durch unsere Lebensumstände in Bereichen, die nicht in der Schrift geoffenbart werden. Die Bibel sagt mir nicht, wo ich dienen soll. Die Bibel sagt mir nicht, wo ich predigen soll oder was ich sagen soll, wenn ich an einem bestimmten Ort predige. Es gibt viele Situationen in meinem Leben, die durch die Führung des Geistes herbeigeführt wurden. Er stellt einen ebenen Pfad für mich bereit. Das ist also die objektive Führung des Geistes, wenn er uns anregt, dem Wort zu gehorchen; dann gibt es die subjektive Führung des Geistes, wenn er uns durch Umstände und Vorhersehung und durch die Ansprache unseres Herzens herausfordert und uns auf einem Pfad von Umständen, Gelegenheiten und Verantwortung voranbewegt. Es gibt eine wunderschöne Aussage darüber, die sich in Jesaja 30 findet. Ich möchte euch Verse 20 und 21 vorlesen: „Der Herr hat euch zwar Brot der Drangsal zu essen und Wasser der Trübsal zu trinken gegeben …“, mit anderen Worten, ihr habt es nicht leicht gehabt. „Aber dein Lehrer wird sich nicht länger verborgen halten, sondern deine Augen werden deinen Lehrer sehen.“ Und dann das: „Und deine Ohren werden das Wort hören, das hinter dir her so spricht: 'Dies ist der Weg, den geht!', wenn ihr zur Rechten oder zur Linken abbiegen wollt." Das ist eine subjektive Führung des Geistes. Es wird eine Stimme geben, die euch sagt: „Tut dieses, unterlasst jenes.“ Keine hörbare Stimme, aber einen star- ken Zwang, während ihr euch im Wort befindet und regelmäßig betet; der Geist Gottes flüstert eurem Gewissen, eurem Verstand etwas zu … tut dies, unterlasst das, tut dies, gehe in diese Richtung, das ist es, was ich will. Und er tut das durch eure Wünsche, eure geistliche Wünsche, eure reinen Wünsche. Er erleuchtet euren Verstand, er wühlt euer Herz auf. „Befiehl dem Herrn deinen Weg und er wird” … was? … „deine Pfade ebenen.“ Er wird euch um Hindernisse manövrieren und über Hürden und den Boden ebenen. Der Prozess der Heiligung beinhaltet also Entwicklung und bedeutet, dass ich Gottes Willen tun muss. Das heißt, der Geist motiviert mich zuerst, dem Wort Gottes zu gehorchen, indem er mich überführt und manchmal züchtigt, wenn ich das nicht tue. Und dann regelt der Geist Gottes die Vorsehungen meines Lebens, die Ereignisse und Umstände und flüstert meinem Gewissen durch meine Wünsche etwas zu und sendet mich in die Richtung, in die ich gehen soll. All das bringt mich im Prozess der Heiligung weiter voran.

Aber auch das könnt ihr dämpfen. Durch Egoismus. Ich will das tun, was mir gefällt und ich will es auf meine Weise tun. Ich will diesem Gebot nicht gehorchen. Ich bin nicht daran interessiert, diesen Dienst zu übernehmen. Eigensinnigkeit, Starrsinn, Stolz, oder Apathie, Gleichgültigkeit und mangelnde Sensibilität für seine Führung; wenn ich ihn nicht einmal konsultiere und wirklich nicht daran interessiert bin. Diese Dinge werden den Geist dämpfen.

Und zuletzt stärkt er uns von innen. Dieser gesamte Prozess verlangt innere Stärke. Wie wir gerade gemerkt haben, liegt es nicht in der Hand eines Menschen, seine eigenen Schritte zu lenken. Wie Sacharja sagte, habe ich nicht die Stärke dazu, weder durch Macht noch durch Kraft, sondern durch meinen Geist, sagt der Herr. Ich kann das alleine nicht tun. Und deshalb betete Paulus in Epheser 3,16: „Ich bete, dass ihr durch seinen Geist am inneren Menschen gestärkt werden möget.“ Der einzige Weg, wie ihr Gottes Wille tun könnt, der einzige Weg, Gottes Liebe zu erfahren, der einzige Weg, wie ihr über das hinaussehen könnt, was ihr fragen oder denken könnt, der einzige Weg, wie ihr Christus in der Gemeinde verherrlichen werdet, ist, wenn eure Kraft vom Heiligen Geist kommt. Deshalb sagt Paulus in 2 Korinther 12: „Wenn ich in meiner menschlichen Stärke schwach bin, werde ich stark, denn wenn ich keine

menschlichen Ressourcen mehr habe, übergebe ich alles an Gott.“ Stärke kommt vom Geist. Und so füllt er uns mit Stärke, wenn wir im Wort sind, wenn wir beten, wenn wir gehorchen, selbst wenn wir Prüfungen durchleben; wir übergeben alles an ihn, denn er ist alles, was wir haben, bei ihm finden wir die Stärke.

Ohne seine Stärke könnten wir kein Zeugnis ablegen. Jesus sagte: „Ihr werdet Macht erhalten, wenn der Heilige Geist über euch gekommen ist, dann werdet ihr Zeugen sein.“ Ohne seine Stärke könntet ihr die Sünde nicht besiegen, weil ihr das im Fleisch nicht tun könnt. Das Fleisch kann das Fleisch nicht bezwingen, nur der Geist kann es bezwingen. Ihr könntet nie Satan besiegen, denn unsere Waffen zur Kriegsführung in diesem Kampf sind nicht fleischlicher Natur, sondern mächtige geistliche Waffen, die uns vom Geist verliehen werden. Ihr könntet keine Heilsgewissheit haben, denn unser Heil wird uns nur durch das Siegel des Geistes garantiert. Ohne die Macht des Geistes könntet ihr nicht effektiv dienen. Ihr könntet Gott nicht mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern loben und in eurem Herzen dem Herrn spielen, wenn ihr nicht vom Geist erfüllt wäret. Und ihr könntet keine funktionierende Beziehung in einer Ehe, einer Familie oder sonst wo führen, wenn ihr nicht so vom Geist erfüllt wäret. Es ist die Macht des Geistes, die uns befähigt, alles zu tun.

Ihr könnt aber auch das dämpfen, indem ihr stolz seid, nicht demütig, indem ihr eure Schwäche nicht anerkennt, eure Bedürfnisse nicht anerkennt, eure Abhängigkeit nicht anerkennt. Ihr könnt das Werk des Geistes dämpfen, indem ihr euch auf euer eigenes Fleisch verlasst, auf eure eigenen Fähigkeiten. Jede Art von Sünde hemmt diese ganze Sache.

Warum aber solltet ihr euch mit Sünde in eurem Leben befassen? Weil die Alternative darin besteht, den Geist Gottes zu dämpfen, euren geistlichen Prozess der Heiligung zu hemmen und den Geist zu betrüben, Züchtigung auf sich zu ziehen und den Segen in eurem eigenen Leben einzubüßen.

Der Geist verrichtet ein großartiges Werk. Er erleuchtet das Wort; er bringt euch in eine enge Beziehung zu Gott; er zeigt euch die Herrlichkeit Jesu Christi, das Ziel eures Lebens; er führt euch im Willen Gottes; er stärkt euch für den geistlichen Dienst und den Kampf. Er tut all das. Er ist ein mächtiger Geist.

Ich denke, die Gesamtheit seines Dienstes wird nirgendwo schöner beschrieben als in Jesaja 11. Hört euch nur einmal Jesaja 11,2 an, wo der Prophet den Heiligen Geist auf folgende Weise beschreibt: Er ist „… der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN." Dieser Heilige Geist bringt euch Weisheit, Verstand, Rat, Kraft, Erkenntnis und veranlasst euch, Gott zu fürchten und anzubeten. Es ist der Heilige Geist, der alles tut, was ihr braucht. Was braucht ihr noch, außer Weisheit, Verstand, Rat, Kraft, Erkenntnis und Furcht vor dem Herrn? Ihr braucht nichts weiter als das und das ist sein Werk. Das ist es, was er in eurem Leben bewirken will.

Aber ihr werdet es unterdrücken, wenn ihr nicht vom Geist erfüllt seid, Epheser 5,18, wenn ihr nicht im Geist wandelt, Galater 5,25; beide beschreiben dieselbe Sache. Vom Geist erfüllt zu sein bedeutet, dass er mich ausfüllt und alles kontrolliert, im Geist zu wandeln bedeutet einfach, dass ich meine Füße auf den Pfad setze, den er vorgibt. Und wenn ihr im Geist wandelt, wird der Geist eure Heiligung herbeiführen.

Wir wollen den Geist in der Gemeinde heutzutage nicht dämpfen, aber wir tun es in großem Ausmaß. Wir wollen den Geist in unserem eigenen Leben nicht dämpfen, aber wir tun es, wenn wir es dem Geist Gottes nicht gestatten, diese fünf Dinge zu bewirken, während er uns Christus immer ähnlicher macht. Möge Gott uns helfen, treu zu sein und den Heiligen Geist weder zu dämpfen noch zu betrüben. Lasst uns beten.


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