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Freunde und Feinde (German)

2 Timotheus 4:9-22 March 13, 1988 de55-27

Es ist jetzt Zeit für uns, zum Studium von Gottes kostbarer Wahrheit überzugehen und ich möchte euch bitten, eure Bibeln in 2. Timotheus Kapitel 4 aufzuschlagen. Wir kommen zu unserer letzten Lektion in dieser tiefgründigen Epistel und werden heute Verse 9 bis 22 betrachten. Dieser spezifische Abschnitt erscheint auf den ersten Blick ein Sammelsurium an Krimskrams am Ende einer Epistel zu sein, am Ende eines Kapitels, am Ende eines Briefes, eigentlich am Ende eines Lebens, weil dies die letzten Worte sind, die Paulus je unter der Inspiration des Heiligen Geistes geschrieben hat. Vielleicht wird das oft übersehen und ignoriert, weil es ziemlich banal und belanglos wirkt. Doch für den treuen Studenten von Gottes Wort ist jedes Wort Gottes gehaltvoll und tief und tiefsinnig und bewegend und motivierend und ich vertraue darauf, dass ihr diese Verse ebenso empfindet.

Paulus sieht sich mit den letzten Tagen seines Lebens konfrontiert, während er seine letzte Epistel abschließt, das letzte Kapitel, seinen letzten Absatz schreibt; dabei hat er Leute im Kopf, die sein Leben ausgemacht haben, die seinen Dienst mit ihm geteilt haben, die für alles, was er tat, von entscheidender Bedeutung und unverzichtbar waren. Und was wir hier in den Versen 9 bis 22 sehen, ist das, was wir heutzutage als das Netzwerk von Paulus bezeichnen würden. Wir werden in diesem spezifischen Abschnitt daran erinnert, dass niemand von uns, der Christus dienen möchte, dies alleine tun kann. Wir sind keine Inseln. Je mehr wir uns auf andere verlassen können, je besser wir delegieren können, je besser wir verstehen können, wie kritisch es für uns ist, gemeinsam mit und an der Seite von anderen Menschen zu arbeiten, umso effektiver werden wir in unserem Dienst am Herrn sein.

Die moderne Geschäftswelt sagt uns, dass Vernetzung von entscheidender Bedeutung für unseren Erfolg ist. Und es gibt sehr ausgeklügelte Netzwerke, die Lieferanten, Kunden, Regierungsbehörden, Aktionäre, Angestellte und Führungskräfte beinhalten. Der menschliche Körper ist die vielleicht anschaulichste und intimste Demonstration eines Netzwerks, denn wir leben und bewegen uns in einem unglaublichen Netzwerk von Organen und Muskeln und Gewebe und Blut und Fleisch, das in perfekter Harmonie funktioniert.

Paulus hatte ein Netzwerk. Er hatte ein Team. Er hatte Menschen, die sein Leben ausmachten, auf die er sich verließ, an die er Verantwortung delegierte, auf die er vertraute, die treu waren, die untreu waren, die Freunde waren, die Feinde waren, die alte Freunde in seinem Leben waren, die neue Freunde waren, die beständig waren, die unbeständig waren, die immer bereit waren, zu helfen oder niemals bereit waren, zu helfen. Sie alle waren Teil seines Lebens.

Und jetzt, wo ihm die Axt bevorsteht, die ihn enthaupten wird, und wo er weiß, dass sein Leben in Kürze enden wird, denkt er an jene Menschen. Denkt daran, dass er diese Epistel, ebenso wie 1. Timotheus, schrieb, um den Mantel der Gemeindeleitung an Timotheus zu übergeben. Und ein Teil dieser Übergabe des Mantels besteht darin, Timotheus darüber zu informieren, wie es um all die Menschen in seinem Team steht. Er ist wie ein alter Trainer, der seine Mannschaft einem jungen Trainer übergibt und will, dass der junge Trainer die Spielposition eines jeden kennt, damit er die Rolle als Trainer mit dem geringstmöglichen Maß an Trauma und Schwierigkeiten übernehmen kann.

Einige der Menschen, die er hier erwähnt, sollen zu ihm kommen und ihm während seiner letzten Tage Gesellschaft leisten und Trost spenden und ihm bei dem Dienst helfen, den er immer noch ausführt. Das sind insbesondere Timotheus, Lukas und Markus. Andere von denen, die er erwähnt, will er einfach grüßen, ihnen seine Liebe mitteilen und seine Sorge um sie, weil sie seine Freunde sind – als da wären Prisca, Aquila und die Familie von Onesiphorus. Einige von ihnen sandte er an strategische Orte, um die Arbeit aufrechtzuerhalten, wie zum Beispiel Crescens, Titus, Tychikus, Erastus und Trophimus. Wieder andere erwähnt er, weil sie Grüße an Timotheus senden, Gläubige der Gemeinde aus Rom, wie zum Beispiel Eubulus, Pudens, Linus, Claudia und andere. Und wieder andere erwähnt er wegen des Kummers, die sie ihm bereitet haben – wie zum Beispiel Demas, Alexander und eine ganze Gruppe von anonymen Leuten, die ihn verlassen hatten.

Während er also aus dem Gefängnis seine letzten Worte schrieb, denkt er an diese Leute. Er denkt an das Netzwerk, das Team, das einen so großen Teil seines Lebens ausgemacht hatte. Und wir lernen so viel daraus. Wir sind fast hier und sehen eine lebendige Illustration, wie der Leib gemäß der Beschreibung in 1. Korinther 12,13-37 funktioniert; ebenso, wie der Leib in perfekter Harmonie funktioniert, trifft das auch auf den Leib Christi zu und hier sehen wir, wie das vor sich geht. Das ist nicht perfekt, weil das Netzwerk immer das Opfer untreuer Menschen ist. Aber es gibt wohl keine anschaulichere Illustration, wie wir gemeinsam dienen sollen, uns aufeinander verlassen, aneinander delegieren und miteinander arbeiten sollen.

Und ich glaube, es war so wichtig, dass der Heilige Geist das hier platzierte, und nicht nur aus Zufall, sondern als Anweisung. Er will, dass wir Einblick in die Menschen im Leben von Paulus bekommen. Er will, dass wir einen Einblick in seine Gedanken bekommen, so kurz vor seinem Tod, und das sind keine Programme, sondern Menschen, weil sie seinen Dienst am Leben erhalten. Menschen sind der kostbarste Schatz, den wir haben. Sie sind das wertvollste Gut, das es gibt. Sie sind unsere größte Ressource. Und Paulus hatte das glückliche Privileg, die Erfüllung von 1. Samuel 10,26 zu erleben, wo es über Saul heißt: „… und mit ihm gingen die Tapferen, deren Herz Gott angerührt hatte.“

Paulus hatte ebenfalls eine Gruppe von Männern, deren Herz Gott angerührt hatte. Sie arbeiteten gemeinsam. Das, was mir in meinem Dienst wahre Freude bereitet hat, war es genau das – eine Gruppe von Männern gehabt zu haben, deren Herz Gott angerührt hat, die mein eigenes Team von Freunden sind, die mit mir gemeinsam arbeiten und von denen jeder eine entscheidende Rolle in meinem Leben und Dienst spielt.

Paulus möchte also, dass wir sein Team kennenlernen. Er will, dass Timotheus, wenn er die Zügel übernimmt, weiß, wer sie sind und wo sie sind und was sie tun. Lasst uns in Vers 9 beginnen.

Als ich an der theologischen Hochschule war, sagte man uns, wenn man homiletisch sein möchte und sich streng an die Vorgaben der korrekten Rhetorik halten wollte, dann sollte man drei Aussagen und ein Gedicht haben. Ihr sollt wissen, dass ich 13 Punkte und kein Gedicht habe. Es ist sehr schwer, diesen Abschnitt zu skizzieren. Aber wir werden die Freunde und Feinde von Paulus trotzdem sehen.

Zuerst begegnen wir in Vers 9 dem treuen Sohn Timotheus, und obwohl das nicht erwähnt wird, ist die Aussage offensichtlich an ihn gerichtet: „Beeile dich, bald zu mir zu kommen.“ Timotheus ist der Gegenstand dieses Briefes, wie er es schon in 1. Timotheus war. Er ist der wahre Sohn von Paulus, eine Reproduktion von Paulus; Paulus sagte über ihn, er sei sein wahres Kind im Glauben. Er identifiziert ihn als seinen Sohn, sowohl in der ersten als auch in der zweiten Epistel.

Als er an die Korinther schreibt, um seine große Sorge um sie bedingt durch all ihre Sünden zum Ausdruck zu bringen, sagte er in 1. Korinther 4,17 zu ihnen: „Deshalb habe ich Timotheus zu euch gesandt, der mein geliebtes und treues Kind im Herrn ist; der wird euch an meine Wege in Christus erinnern, wie ich überall in jeder Gemeinde lehre.“ Ich sende euch Timotheus, er ist ein Klon, er ist eine Reproduktion, er ist eine Kopie, er wird euch an mein Verhalten und alle meine Lehren erinnern.

Als Paulus an die Philipper schreibt und sein Herz öffnet, sagte er in Kapitel 2,19: „Ich hoffe aber in dem Herrn Jesus, Timotheus bald zu euch zu senden, damit auch ich ermutigt werde, wenn ich erfahre, wie es um euch steht. Denn ich habe sonst niemand von gleicher Gesinnung.“ Timotheus hatte die gleiche Einstellung wie Paulus. Er hatte die gleichen Gewohnheiten wie Paulus. Er hatte die gleiche Theologie wie Paulus. Er war eine Reproduktion von Paulus, sein treuer Sohn.

Und während Paulus in diesem kalten, dunklen Verließ sitzt, sehnt er sich danach, seinen lieben Freund zu sehen, seinen geliebten Sohn im Glauben, Timotheus. Er sagt in Kapitel 1 dieser Epistel in Vers 4: „Und ich bin voller Verlangen, dich zu sehen, da ich mich an deine Tränen erinnere, damit ich mit Freude erfüllt werde.“ Ich will dich einfach, weil ich dich liebe, weil ich deine Gesellschaft genieße. Ich erinnere mich an deine Tränen, ich weiß, dass du mich liebst. Ich erinnere mich an dein Mitgefühl. Ich will dich hier haben. Und es gab ganz gewiss auch Arbeit zu verrichten. Es gab gewiss noch sehr viel mehr zu Timotheus zu sagen, der die Gemeindeleitung übernehmen würde, und Paulus wusste, dass sein Tod bevorstand, und wollte deshalb unbedingt, dass Timotheus zu ihm kommt.

Es gab zwar römische Christen in der Stadt, aber nicht so wie Timotheus. Und Lukas war dort, aber er könnte nie den Platz von Timotheus einnehmen; niemand kann im Herzen eines Menschen den Platz eines Anderen einnehmen. Er will Timotheus noch einmal sehen, bevor er stirbt, um wenigstens den Mantel, den Staffelstab, zu übergeben. Er weiß, gemäß Vers 6, dass der Zeitpunkt seines Aufbruchs nahe ist, er steht unmittelbar bevor. Er wird nicht mehr lange leben, und wenn Timotheus nicht kommt, werden sie einander auf dieser Seite des Himmels nie wieder sehen. Deshalb drängt er seinen treuen Sohn, zu ihm zu kommen.

Er sagt „beeile dich“. Das Verb bedeutet, jede Anstrengung zu unternehmen, schnell zu sein, Eile zu haben, sich zu beeilen. Er benutzt das Wort „bald“; zügig, beeile dich, sei schnell, komme schnell hierher. Das enthält eine Dringlichkeit, weil Zeit von entscheidender Bedeutung ist. Paulus hat nicht mehr viel Zeit, bevor er sterben wird. Timotheus hat nicht mehr viel Zeit, bevor der Winter einbrechen wird, wie wir in Vers 21 sehen werden. Und wenn der Winter kommt, kann er die Reise nicht antreten, weil das Meer zu unruhig ist. Und es gibt so viel zu sagen und auszutauschen. Paulus will Timotheus an seiner Seite haben.

Die meisten großen Männer im Dienst Gottes haben einen Mentor an ihrer Seite. Sie haben jemanden an ihrer Seite, entweder weit entfernt oder in der Nähe, dessen Einstellung sie versuchen, nachzueifern. Für Timotheus war das Paulus. Für Paulus war es sein Kind im Glauben Timotheus. Und gemeinsam hatten sie ihr Leben durch Gottes wunderbare Gnade in den Griff bekommen und einander gestärkt. Wenn Gott uns das Privileg gewährt, Leute wie Timotheus heranzuziehen, ist das eine der größten Erfahrungen, die wir je im Dienst an Gott machen werden; Leute, die nicht nur hören wollen, was wir sagen, sondern unsere innersten Bestrebungen nachahmen wollen. Timotheus stellte sich übrigens als treues Produkt von Paulus heraus, als treuer Sohn seiner selbst. Laut Hebräer 13,22 war er für seine Treue im Gefängnis. Wir können Gott danken, wenn er uns in seiner Gnade junge Männer wie Timotheus gegeben hat, die hoffentlich bessere Reproduktionen sind, als wir es waren, die hingebungsvoller sind, als wir es waren, die gottesfürchtiger sind, als wir es waren, die jedoch die Vision unseres Herzens sehen können und sich entscheiden, zu Ehren Gottes zu leben und das Werk weiterzuführen, das so sehr ein Teil unseres Lebens war. So treffen wir also auf die erste Person in seinem Netzwerk, die er erwähnt – Timotheus, den treuen Sohn.

Zweitens treffen wir in Vers 10 auf den treulosen Deserteur. Wir gehen vom treusten zum untreusten. In Vers 10 heißt es: „Denn Demas hat mich verlassen, weil er die jetzige Weltzeit liebgewonnen hat, und ist nach Thessalonich gezogen.“ Warum beginnt dieser Vers mit dem Wort „denn“? Das ist eine interessante Aussage, dieses „denn Demas“. Es ist fast so, als würde Paulus sagen: „Würdest du bitte schnell kommen, weil Demas weggegangen ist.“ Wäre es möglich, dass Demas von strategischer Bedeutung im Dienst war, dass sein Platz von Timotheus eingenommen werden musste? Hier wird impliziert, dass Timotheus nicht nur als Trost für Paulus kommen sollte, sondern, um seine Arbeit zu unterstützen, die bis dahin von Demas ausgeführt worden war.

Wir wissen nicht viel über Demas. Er wird erstmals in Kolosser 4,14 erwähnt, als ein geschätzter und enger Begleiter von Paulus. Als Paulus den Kolosserbrief vom Gefängnis in Rom aus schrieb, war Demas dort. Paulus schrieb Philemon wahrscheinlich innerhalb des gleichen Zeitraums von wenigen Tagen und Demas war auch damals dort, als Paulus Philemon schrieb, deshalb wird er in Philemon Vers 24 erwähnt. Er war also sehr vertraut mit Paulus, war einige Jahre dort gewesen, war während der Zeit seiner ersten Inhaftierung in Rom. Er muss irgendeinen äußerlichen Dienst von Bedeutung gehabt haben, er wird in Philemon als „Mitarbeiter“ von Paulus bezeichnet. Er war bis zu einem gewissen Maß ein Partner im Leid, er muss ein Partner im Gebet gewesen sein, er muss ein Partner in irgendeiner Art von Dienst gewesen sein.

Er war ein Mann, in den Paulus viel investiert hatte. Er wusste definitiv viel. Und als er Paulus verließ, hinterließ er eine Leere. Schon allein die Tatsache, dass hier steht „Denn Demas hat mich verlassen, weil er die jetzige Weltzeit liebgewonnen hat“, weist darauf hin, dass Timotheus eine Aufgabe übernehmen sollte, die Demas bis dahin ausgeführt hatte. Das zeigt euch, dass Demas eine strategisch bedeutsame Person war und zumindest nach außen hin einen Dienst verübte.

Wir müssen an dieser Stelle für einen Moment unsere Aufmerksamkeit auf das Verb „hat mich verlassen“ lenken. Es ist ein sehr starkes Verb. Es beginnt mit einem Stammverb, das „verlassen“ bedeutet, und verstärkt das dann durch zwei Präpositionen am Wortanfang, die es doppelt intensivieren, sodass man es im Deutschen umgangssprachlich mit „im Stich lassen“ übersetzen könnte. Dahinter verbirgt sich der Gedanke, jemanden nicht nur zu verlassen, sondern ihn inmitten einer Notlage im Stich zu lassen, zum denkbar schlechtesten Moment. Vielleicht waren die Entbehrungen zuviel geworden für Demas, vielleicht die Schwierigkeiten, das Leiden, vielleicht konnte er die Zeichen der Zeit erkennen, dass Paulus sein Leben verlieren würde, und er wollte seins nicht für Christus verlieren. So ergeben war er nicht. Vielleicht war er mit Paulus wegen dieser guten Sache verbunden, wegen seiner Emotionen, wegen seiner Gefühle, ohne sich jemals richtig bewusst zu werden, was ihn das kosten könnte. Er könnte einer jener Samen gewesen sein, der auf steinigen Boden fiel, für eine kurze Zeit wuchs, dann aber stirbt, wenn Probleme auftauchen. Vielleicht ist er ein bisschen wie der von Unkraut bedeckte Boden, wo der Samen anfangs keimt und die Liebe zur Welt oder die Sorgen dieser Weltzeit den Sämling ersticken, bevor er Frucht tragen kann. Es scheint mir, als sei er nie ein echter Christ gewesen, denn es heißt „weil er die jetzige Weltzeit, aion, liebgewonnen hat“, das Zeitalter, die Welt, das Weltsystem, alle Ziele, Ideale, Meinungen, Werte, Motive, Moralvorstellungen und Impulse des gegenwärtigen irdischen Zeitalters. Das waren die Dinge, die er liebte.

Er ähnelt Judas. Er gewann die Welt lieb und empfand offensichtlich nie wahre Liebe für Christus und dessen Sache durch Paulus. Nach außen hin diente er, aber das tat auch Judas. Aber im Inneren gab es keine Hingabe. Und er verließ Paulus, ebenso wie Judas. Jesus wurde von jemandem verlassen, Paulus wurde von jemandem verlassen. Das ist in gewissem Sinne tröstlich, nicht wahr? Zu wissen, dass es Menschen geben wird, die an unserer Seite arbeiten werden, bis die Zeit gekommen ist, wo sie entscheiden, dass es ihnen reicht, und dann sind sie weg. Es heißt, da er die Weltzeit lieb gewonnen hatte, verließ er Paulus und ging nach Thessalonich.

Warum ist er dorthin gegangen? Wir wissen es nicht. Wir können vermuten, dass das wahrscheinlich seine Heimat war. Er wird in Philemon 24 mit Aristarchus aufgeführt, der laut Apostelgeschichte 20,4 ein Thessalonicher war. Vielleicht waren sie also eine Art Duo aus Thessalonich und er ging nach Hause. Aber es geht hier nicht so sehr darum, wohin er ging, sondern warum er ging und der Grund dafür war, dass er die Welt mehr liebte als die Dinge Gottes. Und in 1. Johannes heißt es, wenn ein Mann die Welt liebt, ist die Liebe des Vaters nicht …was?... nicht in ihm.

Ich habe letzte Woche einen Brief von einem Mann erhalten, der einst an meiner Seite arbeitete und diese Weltzeit liebte und davonging. Er schrieb mir, um mir von seinem katastrophalen Leben zu berichten, seinem verheerenden Privatleben und dem Zerfall seiner Ehe als Folge davon. Ihr werdet in eurem Leben ein oder zwei oder drei oder mehreren Menschen wie Demas begegnen. Jemand, für den ihr euch aufopfert, von dem ihr meint, er gehöre zu eurem Team, der nach außen hin dient, der euch tief verletzt und manchmal verwirrt, weil plötzlich offensichtlich wird, dass er diese Weltzeit liebt und euch dann den Rücken kehrt. Demas ist ein Teil von eurem Netzwerk, ebenso wie meinem.

Als Drittes kommen wir zu einer Person, die wir als treuen Unbekannten bezeichnen … wir nennen ihn den treuen Unbekannten. Vers 10: „Crescens [ist] nach Galatien [gezogen].“ Wir wissen rein gar nichts über Crescens. Dennoch möchte ich einige Dinge sagen. Crescens war offensichtlich ein recht fähiger Mann. Und ich sage das, weil Paulus ihn nach Galatien sandte. Galatien war eine Gegend, in der Paulus umfassend gedient hatte. Er fuhr auf seiner ersten Missionsreise dorthin, auf seiner zweiten Missionsreise und auch auf seiner dritten. Jedes Mal ging er nach Galatien zurück, evangelisierte, gründete Gemeinde und zog Leiter heran. Die Tatsache, dass Crescens nach Galatien entsandt wurde, könnte ein Hinweis darauf sein, dass er die Fähigkeit besaß, in einer starken Gemeinde zu arbeiten, dass er selbst deshalb ein Mann von einer gewissen Stärke gewesen sein muss, eine gewisse geistliche Reife gehabt haben muss, um in starke Gemeinden mit starken Leitern entsandt zu werden, um an deren Seite zu arbeiten. Und dennoch ist er vollkommen unbekannt.

Wir wissen nichts über ihn. Das ist das einzige Mal, wo sein Name je erwähnt wird. Und deshalb repräsentiert er die sogenannten „treuen Unbekannten“, die die breite Masse im Netzwerk eines jeden Menschen ausmachen, hinter den Kulissen, niemand weiß, dass sie überhaupt existieren, niemand kennt ihren Namen, aber Gott kennt sie und weiß, dass diese Menschen ihren vollen Lohn empfangen werden. Der stille, unbekannte Held, der in geistlicher Reife und Stärke daherkommt, um hinter jemandem zu stehen und die nicht wahrgenommene Arbeit zu verrichten. Dankt dem Herrn für die treuen Unbekannten, die begabt sind, die berufen sind und die bei der Erfüllung ihrer Pflicht damit zufrieden sind, unbekannt zu sein. Gott segne sie, wir stehen alle in ihrer Schuld. Sie sind überall um uns herum.

Und dann gibt es den treuen Wohlbekannten in Vers 10, den treuen Wohlbekannten. Paulus erwähnt, dass Titus nach Dalmatien gezogen ist. Titus erscheint 13 Mal im Neuen Testament. Paulus hat ihm sogar einen Brief geschrieben, die Epistel von Paulus an Titus, die übrigens zwischen 1. und 2. Timotheus geschrieben wurde. Er schien fähig zu sein, einer neuen Herausforderung erfolgreich zu begegnen. Wenn Paulus loszog und ein Gebiet evangelisierte, war Titus die Art von Mensch, die in das Gebiet hineingehen und auf diese evangelistischen Bemühungen aufbauen konnte, indem er die Gemeinde aufbaute, die Leiter heranzog und sie stärkte. Als Paulus die Epistel an Titus schrieb, befand Titus sich übrigens auf Kreta, wo Paulus schon gepredigt hatte. Und Paulus sagt dort in Titus 1,4: „An Titus, [mein] echtes Kind nach unserem gemeinsamen Glauben“. Und dann in Vers 5: „Ich habe dich zu dem Zweck in Kreta zurückgelassen, damit du das, was noch mangelt, in Ordnung bringst und in jeder Stadt Älteste einsetzt, so wie ich dir die Anweisung gegeben habe.“ Anscheinend war er ein Zurüster. Er war jemand, der Gemeindeleiter heranzog. Er war in der Lage, irgendwo hinzugehen, das zu nehmen, was er dort vorfand, es in die richtige Form zu bringen und daraus starke Gemeinden zu machen.

Er war übrigens jahrelang an der Seite von Paulus gewesen. Sie hatten eine enge und innige Beziehung, sowohl bei der Arbeit als auch der Gemeinschaft. Er hatte seinen Aufenthaltsort, Kreta, zweifelsohne schon verlassen, als Paulus den Brief an Titus schrieb. Er war kurz zuvor aufgebrochen und befand sich jetzt auf dem Weg nach Dalmatien. Das Einzige, was wir über Dalmatien wissen, ist, dass es Hunde gibt, die von dort kamen oder deren Name sich davon ableiten. Aber Dalmatien befand sich an der Südküste des Mittelmeers, nördlich von Mazedonien. Paulus hatte in Dalmatien gepredigt, wie wir in Römer 15,19 lesen, sodass das Evangelium auch diese Region berührt hatte. Und das ist ein perfekter Rahmen für Titus, um dort wieder hinzugehen, alle Fäden zusammenzuführen, die Gemeinde zu stärken und die Gemeindeleiter heranzuziehen.

In Titus 3,12 sehen wir einen Hinweis darauf, dass er kam und Paulus in Nikopolis traf und von dort aus nach Dalmatien zog, während Paulus nach Rom gebracht wurde. Er war anscheinend herausragend darin, Gemeindeleiter heranzuziehen. Er war der treue Wohlbekannte oder der treue Zurüster. Und wir danken Gott für diejenigen, die an unsere Seite kommen, die talentiert im Heranziehen, Leiten und Zurüsten sind. Jede Person im geistlichen Dienst braucht nicht nur den ruhigen Unbekannten hinter den Kulissen, sondern auch diejenigen, die einen Platz an der vorderen Front einnehmen können, die stark sind, die Männer und Frauen zurüsten, die Leiter sind. Das war er. Er kam im Gefolge von Paulus, um sein Leben den Männern und Frauen zu widmen, die die Gemeinde leiten sollten.

Und dann kommen wir fünftens zu Lukas, dem treuen Begleiter … Lukas, der treue Begleiter. In Vers 11 sagt er: „Nur Lukas ist bei mir“. Manche haben behauptet, dass er mit einer derartigen Aussage den Charakter von Lukas abwertet. Dass diese Aussage eine Nachricht wie „Bitte Timotheus, beeil dich und komm her, nur Lukas ist hier und du kannst dir vorstellen, wie das ist“ beinhaltet. Aber wir wollen das nicht auf diese Weise ausdrücken, das wäre dem lieben Lukas gegenüber nicht fair. Lukas ist ein einzigartiger Mensch und ich möchte euch gegenüber nur erwähnen, dass er nur zwei weitere Male im Neuen Testament erwähnt wird. In Kolosser 4,14 wird er als der „geliebte Arzt“ bezeichnet und in Philemon 24 ist er ein Mitarbeiter von Paulus, ein geliebter Arzt, ein Kollege.

Aber obwohl dieser Mann nur in drei Textabschnitten erwähnt wird, ist er ein dominanter Charakter im Neuen Testament. Er schrieb das Lukasevangelium, das längste der vier Evangelien. Obwohl es nur 24 Kapitel hat, Matthäus dagegen 28, hat es mehr Verse und mehr Wörter als Matthäus. Und dann schrieb er 28 Kapitel der Apostelgeschichte. 52 Kapitel des Neuen Testaments wurden also von dem geliebten Arzt, dem Mitarbeiter von Paulus, geschrieben, der ein fähiger Historiker war. Er zeichnete das Leben von Christus unter der Inspiration des Heiligen Geistes auf und dann zeichnete er das Leben der frühen Gemeinde unter der Inspiration des Heiligen Geistes auf.

Aber er war demütig und zufrieden, an die Seite eines großen Apostels zu kommen. Er war ein ständiger Begleiter von Paulus, treu an seiner Seite. Er war bei Paulus bei dessen zweiter Missionsreise, in Troas und Philippi. Er stieß am Ende der dritten Missionsreise zu Paulus und ging mit ihm nach Jerusalem. Er war bei Paulus auf dem Schiff, das das Meer überquerte und Schiffbruch erlitt, wie wir in Apostelgeschichte 27 lesen. Er war bei beiden Inhaftierungen des Paulus bei ihm. Und in der Apostelgeschichte lesen wir gelegentlich das Pronomen „wir … wir … wir“. Das nennen wir die „Wir-Abschnitte“ der Apostelgeschichte und in diesem „wir“ bezieht Lukas sich selbst in die Reisen des Paulus mit ein.

Aber obwohl er nicht prominent sein will und nicht unbedingt wohlbekannt sein will, war er der Diener von Paulus. Er verspürte den Wunsch, an die Seite von Paulus zu kommen und seine persönlichen Bedürfnisse zu stillen. Und wenn es irgendjemanden gab, der einen Leibarzt brauchte, dann war Paulus das. Er wurde mit Ruten geschlagen, gesteinigt, ausgepeitscht, erlitt Schiffbruch, hatte ein Dorn im Fleisch; bei all dem, was er erlitt, brauchte er einen erstklassigen persönlichen, engen Freund. Und die Tatsache, dass dieser Arzt war, war von großem Nutzen … von großem Nutzen.

Er war kein Prediger. Wir hören ihn nie predigen. Wir hören ihn nie lehren. Er scheint kein Theologe gewesen zu sein. Er war ein Freund, der vielleicht als Sekretär von Paulus fungierte und ganz gewiss als Historiker für den Heiligen Geist. Die Tatsache, dass er „nur Lukas“ sagte, schmälert dessen Wert in keiner Weise, sondern bedeutet einfach: „Die einzige Person, die ich hier habe, ist mein persönlicher Diener, und ich kann die Arbeit nicht verrichten, die es zu tun gilt.“ Er brauchte jemanden zusätzlich zu Lukas, um die Arbeit zu verrichten. Paulus saß nicht in der Ecke eines Verließes und wartete auf seinen Tod, er war immer noch aktiv. William Hendriksen schreibt: „Es gab nicht genügend Schnitter, vielleicht nicht einmal genügend, um angemessen für die geistlichen Bedürfnisse derjenigen Gläubigen zu sorgen, die noch in Rom waren.“ Und viele von ihnen hatten Rom natürlich schon wegen der Verfolgung durch Nero verlassen.

Meine Lieben, ich behaupte, dass der Dienst an Gott durch einen persönlichen Vertrauten sehr bereichert wird. Ich glaube, es gab wahrscheinlich nichts im Leben des Paulus, das Lukas nicht wusste. Ich glaube, es gab nichts in seinem Leben, das er nicht wusste. Er pflegte ihn, wenn er krank war. Er war immer bei ihm. Er sah jede Art von Reaktion in Paulus. Das war keine Verbindung, die auf Arbeitszeiten von 09-17.00 Uhr beschränkt war; sie lebten jahrelang zusammen, Tag und Nacht. Und er war sein Begleiter und sein Freund. Und er diente ihm in den einfachsten Bedürfnissen, obwohl er ein redegewandter und gottesfürchtiger, gebildeter und begabter Mann war. Er war zufrieden damit, an die Seite des großen Apostels zu kommen und sein Leben der Erfüllung der persönlichen Bedürfnisse von Paulus zu widmen. Der treue Begleiter.

Lasst uns als Sechstes den untreuen Begleiter betrachten … den untreuen Begleiter. „Nimm Markus zu dir und bringe ihn mit; denn er ist mir sehr nützlich zum Dienst.“ Markus, Johannes mit dem Beinamen Markus. In Apostelgeschichte 12,12 lesen wir, dass Jerusalem seine Heimatstadt war. Die Gemeinde in Jerusalem hatte sich, zweifelsohne, in seinem Haus getroffen. Er hatte Paulus und Barnabas begleitet, er war als einer der klugen jungen Stars in der Gemeinde von Jerusalem auserwählt worden. Und er begleitete Paulus und Barnabas auf der ersten Missionsreise. Aber in Apostelgeschichte 13,13 heißt es, als es schwierig wurde, trennte er sich von ihnen. Das war zu viel für ihn. Ihm fehlte der Mut dafür. Ihm fehlte der Charakter dafür. Ihm fehlte die Hingabe dafür. Und Paulus konnte schwache Männer nicht ertragen. Und er konnte feige Männer nicht ertragen. Und er konnte halbherzige Männer nicht ertragen. Und er wollte sich nicht mit unnötigem Ballast belasten, den er ständig vor sich herschieben oder hinterherzerren musste. Wenn man es nicht aushalten konnte, wollte er einen nicht in seiner Nähe haben. Und deshalb hatte er im Hinterkopf, als Johannes mit dem Beinamen Markus sich von ihnen trennte, dass er ihn nicht zurückhaben wollte.

Nach ungefähr sieben Jahren, laut einigen Berechnungen, wollten Paulus und Barnabas wieder auf eine Reise aufbrechen und Barnabas sagte zu Paulus: „Lass uns Markus mitnehmen“, und Paulus erwiderte: „Definitiv nicht.“ Apostelgeschichte 15,36ff. beschreiben die Auseinandersetzung zwischen Paulus und Barnabas wegen Markus und wegen dieses ungelösten Konflikts trennten sie sich und Barnabas nahm Markus mit und Paulus nahm Silas. Und die Trennung von Paulus und Barnabas ging auf Markus zurück. Barnabas war der Meinung, er habe sich rehabilitiert, Paulus wollte kein Risiko eingehen. Markus hatte versagt und in den Augen von Paulus mag es zwar sieben Jahre später gewesen sein, doch er hatte sich als der Unerbittlichkeiten des Dienstes unwürdig erwiesen und Paulus wollte keine Partnerschaft mit einem schwachen Mann.

Ungefähr ein Dutzend Jahre später finden wir Paulus im Gefängnis in Rom vor. Und ratet einmal, wer bei ihm ist? Markus. Inzwischen sind viele Jahre vergangen. Und anscheinend hat Markus sich bewährt und ist wieder bei Paulus. Und bei seiner ersten Inhaftierung schrieb Paulus den Kolosserbrief und erwähnt dort in Kolosser 4,10 Markus, und er schrieb Philemon und erwähnt dort im selben Vers, Vers 24, ebenfalls Markus. Nach all den Jahren war Paulus also Markus wieder gnädig gesinnt … ein untreuer Begleiter, der wieder Gnade gefunden hatte.

Danach verbrachte Markus übrigens, laut 1. Petrus 5,13, einige Zeit mit Petrus. Und auf Ersuchen der Römer schrieb er sein Evangelium, das nach Auffassung vieler das Zeugnis des Petrus mehr reflektiert als die anderen. Nach dem Tod von Petrus war Markus wieder bei Paulus und diente ihm gut und assistierte Timotheus wahrscheinlich sogar, sodass er auch Timotheus wohlbekannt war. Es sind also 20 Jahre vergangen und Markus ist treu und loyal und Paulus sagt: „Nimm Markus zu dir und bringe ihn mit; denn er ist mir sehr nützlich zum Dienst.“ Buchstäblich sehr nützlich zur diakonia, das Wort, von dem wir Diakon, Dienst, ableiten.

Nun, wozu war er nützlich? Nun, er war in Rom gewesen. Er kannte die römische Gemeinde. Er war mit den Menschen dort vertraut. Er konnte eine große Hilfe sein. Ich glaube übrigens, es ist eine der großen Freuden im christlichen Dienst, die Wiederherstellung eines untreuen Menschen zu sehen. Und manchmal dauert das sehr, sehr lang … sehr lange. Aber der Herr baut die Schwachen wieder auf und macht sie stark.

Dieses Netzwerk besteht aus allerlei unterschiedlichen Menschen, nicht wahr? Treue Söhne und untreue Deserteure, der treue Unbekannte und der treue Wohlbekannte, treue Begleiter und untreue Begleiter, in diesem Fall wiederhergestellt. Lasst uns noch ein paar andere betrachten.

Siebtens, der treue Bote, Tychikus. In Vers 12 heißt es: „Tychikus aber habe ich nach Ephesus gesandt.“ Er wird übrigens noch vier weitere Male in der Schrift erwähnt. In Apostelgeschichte 20,4 lesen wir, dass er Asiat war, aus Kleinasien, und Paulus nach Jerusalem begleitete, um die Offerte für die armen Heiligen dort zu überbringen. Er ist ein treuer Gefährte von Paulus. Er wird in Epheser 6,21, Kolosser 4,7, Titus 3,12 und hier erwähnt. Und seine besondere Aufgabe scheint darin zu bestehen, die Briefe zu überbringen, die Paulus geschrieben hat. Er brachte den Epheserbrief nach Ephesus. Er überbrachte für Paulus den Kolosserbrief nach Kolossä. Und ich glaube, wir können wohl davon ausgehen, dass er 2. Timotheus nach Ephesus bringt, um ihn dort Timotheus auszuhändigen. Er war also der Bote von Paulus, sein Lieferdienst.

Vielleicht könnten wir die Aussage „ich sandte“ oder „ich habe gesandt“ als etwas identifizieren, das als „Aorist des Briefstils“ bezeichnet wird, das „ich bin im Begriff, zu senden“ bedeutet. Und sehr wahrscheinlich sandte er ihn mit diesem Brief nach Ephesus, wo Timotheus sich befand. Er war ein treuer Mann, der das Wort Gottes überbrachte.

Wie bedeutend war dieser Brief? Er war bedeutend, weil Timotheus wissen musste, was Paulus zu sagen hatte, wenn er die Gemeinde in die richtige Bahn lenken wollte. Wie bedeutend war dieser Brief? Timotheus musste wissen, was Gott von ihm erwartete. Wie bedeutend war dieser Brief? Timotheus musste diesen Brief erhalten und lesen, dass er zu Paulus kommen sollte, und zwar sofort, noch vor Wintereinbruch. Die Aufgabe des Tychikus, diesen Brief dorthin zu bringen, war also sehr wichtig. Er muss ein sehr verantwortungsbewusster Mann gewesen sein. Vielleicht kein Lehrer, vielleicht niemand, der selber die Wahrheit in Worte fasste, aber ein Überbringer der Wahrheit. Und wir haben derartige Menschen in unserem Netzwerk. Ich danke Gott für Menschen in meinem Umfeld, die es ermöglichen, das Wort zu verbreiten, sei es in gedruckter Form oder durch Briefe oder Aufnahmen. Was immer es sein mag. Treue Boten, die ausziehen und das Wort überbringen.

Ich denke jedes Mal daran, wenn ich diese wunderbaren Frauen sehe, die diese kleinen Bänder in Kartons verpacken und sie verschicken, oder diese jungen Männer, die das Wort Gottes verpacken und es in die ganze Welt verschicken. Der Tychikus im Netzwerk eines jeden Dieners Gottes – jene, die das Wort überbringen.

Und dann ist da noch Karpus, Nummer acht. Während Tychikus der Treue war, der auszog, ist Karpus der Treue, der zurückblieb. Ihr fragt: „Wo ist er geblieben?“ Er blieb wahrscheinlich zu Hause, nur eine Vermutung in gewissem Sinne, denn in Vers 13 sagt Paulus: „Den Reisemantel, den ich in Troas bei Karpus ließ, bringe mit, wenn du kommst; auch die Bücher, besonders die Pergamente.“

Wir wissen rein gar nichts über Karpus, aber anscheinend lebte er in Troas und vielleicht wohnte Paulus bei ihm. Es ist sogar recht wahrscheinlich, dass er dort wohnte. Und hier sagt er quasi zu Timotheus: „Schau, hol Markus auf dem Weg hierher ab, und wenn du kommst, geh durch Troas und hol meinen Mantel, meine Bücher und meine Pergamente ab.“ Er würde von Ephesus über Troas auf dem Landweg reisen, dort oben entlang, runter nach Mazedonien, durch Mazedonien hindurch bis ans Meer und dann würde er ein Schiff in die Stadt Brundisium nehmen, an der italienischen Ostküste, und dann auf dem Landweg nach Rom. Das wäre seine Reiseroute gewesen. Deshalb sagt er also, geh nach Norden, geh durch Troas, gehe oben entlang und komm dann herunter in die Gegend, die wir jetzt als Griechenland kennen und dann über das Meer nach Italien. Und wenn du auf deiner Reise nach Troas kommst, hol meinen Mantel und die Bücher und Pergamente ab, weil ich sie im Haus von Karpus gelassen habe.

Manche haben vorgeschlagen, dass das vielleicht der Ort war, wo die Gemeinde zusammenkam. Wir wissen es nicht. Aber es ist sicherlich der Ort, wo Paulus wohnte. Karpus ist einer, der zu Hause blieb, um diejenigen zu empfangen, die der Herr sandte. Euer Netzwerk enthält also jene, die ausgesandt werden, und andere, die da waren, um sich um die Ausgesandten zu kümmern. Das war Karpus.

Ihr sagt jetzt: „Warum wollte Paulus seinen Mantel?“ Nun, der Winter stand bevor. Das verrät euch ein wenig über seine wirtschaftlichen Verhältnisse und vielleicht auch über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Gemeinde. Man sollte meinen, es sei nicht nötig, wegen eines Mantels durch halb Europa zu reisen. Wenn er so dringend einen brauchte, konnten sie nicht zu einem einheimischen Laden gehen und ihm einen kaufen? Aber die wirtschaftlichen Verhältnisse damals waren sehr viel anders als heute. Er hatte nur einen Mantel und der musste von einer Ecke der Welt in eine andere geschickt werden, wenn ihm kalt wurde. Weit entfernt von unserer heutigen Lebensweise.

Es war ein schweres Wollgewand, ähnlich einer Decke, mit einem Loch darin – wie eine riesige Decke; man zog es sich einfach über den Kopf und es hielt den Regen ab und wehrte die Kälte ab. Und man konnte es sogar wie ein Bett benutzen. Man wickelte sich einfach darin ein, fast wie in einem Schlafsack. Und der Winter stand bevor und das Verließ war dunkel und kalt und er brauchte seinen Mantel.

Warum hatte er ihn dort gelassen? Vielleicht wollte er ihn im Sommer nicht herumtragen. Andere hingegen haben sogar behauptet, er sei in Troas verhaftet und abtransportiert worden, bevor er seine Sachen abholen konnte und aus diesem Grund sei sein Mantel noch dort, ebenso wie seine Bücher und Pergamente, da man sich kaum vorstellen kann, dass er diese zurücklassen würde. Und dass er, als er schließlich nach Rom kam, schnell von den Soldaten abgeführt wurde und vor Gericht kam, bevor irgendeiner seiner Freunde zu seiner Hilfe kommen konnte, und deshalb in Vers 16 sagt: „Bei meiner ersten Verteidigung stand mir niemand bei“. Vielleicht kamen sie nicht einmal später, weil er von Troas weggeführt worden war. Wir wissen das nicht; es ist möglich.

Also sagt er, halte beim Haus von Karpus an und hole meinen Mantel. Und dann sagt er außerdem, würdest du bitte meine Bücher und Pergamente abholen. Und was waren die Bücher und Pergamente? Nun, „Pergamente“ bezieht sich wahrscheinlich auf Schriftrollen aus Tierhaut. Manche Leute meinen, „Bücher“ bezieht sich auf Papyrusrollen. Vielleicht wären einige davon die Bücher des Alten Testaments gewesen, welche auch immer er davon hatte. Einige waren vielleicht seine eigenen Briefe, von denen er Kopien behielt. Einige waren vielleicht noch leer, damit er andere Dinge niederschreiben konnte. Es geht darum, dass er weder mit dem Lesen noch dem Schreiben fertig war, und auch nicht mit dem Studium, und er wollte seine Bücher und Papiere. Und all das befand sich im Haus von Karpus in Troas, wo Paulus bei zahlreichen Gelegenheiten gewesen war. Und dieser Mann war unter Umständen viele Male ein Gastgeber für Paulus gewesen.

In seinem Netzwerk hatte er Menschen, die sich um seine körperlichen Bedürfnisse kümmerten, die ihm ein Dach über dem Kopf gaben, die sich um seinen Mantel und seinen Besitz kümmerten. Und auch diese Menschen sind so wichtig. Paulus musste sich für diese grundlegenden Dinge im Leben auf Leute verlassen. Dankt Gott für die Botschafter, die ausziehen, und dankt Gott für die Menschen, die jene Botschafter in ihrem Haus aufnehmen, ihnen Gastfreundschaft und Güte erweisen. Auch sie sind alle ein Teil des Netzwerks.

Und dann Nummer neun; wir treffen einen Mann namens Alexander, den wir den treulosen Feind nennen werden … den treulosen Feind. „Alexander, der Schmied, hat mir viel Böses erwiesen; der Herr vergelte ihm nach seinen Werken! Vor ihm hüte auch du dich; denn er hat unseren Worten sehr widerstanden.“

Alexander ist in der Antike ein sehr geläufiger Name. Es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass dieser Alexander derselbe ist wie in 1. Timotheus 1,20; Letzterer war ein Leiter der Gemeinde von Ephesus und ein Irrlehrer. Noch gibt es Grund zu der Annahme, dass es sich um denselben Alexander wie in Apostelgeschichte 19,33 handelt. Alles, was wir über diesen Alexander wissen, und was ihn wahrscheinlich von den anderen unterscheidet, ist, dass er „Alexander der Schmied“ genannt wird; wir wissen also, dass es sich nicht um die anderen Alexander handelt. Das Wort für „Schmied“ bedeutet „Metallarbeiter“, er arbeitete mit Metall. Vielleicht stellte er in Ephesus Götzen her, wie Demetrius das aus Silber tat. Vielleicht war auch er jemand, der Götzen herstellte, und dessen Geschäfte durch die Predigt des Paulus in Ephesus gestört worden waren. Es ist wahrscheinlich, dass er sich in Ephesus befand. Er fügte Paulus viel Schaden zu, nicht nur in Ephesus, sondern vielleicht auch anderswo, wir wissen es nicht. Timotheus musste sich vor ihm hüten und Timotheus befand sich zu dieser Zeit in Ephesus.

Andererseits haben manche behauptet, dieser Mann sei in Rom und er habe Paulus in Rom Schaden zugefügt, indem er bei seinem Prozess gegen ihn angetreten sei. Und dass Timotheus sich vor ihm hüten müsse, wenn er nach Rom kam, weil er ihm sehr wahrscheinlich begegnen würde. Auch in diesem Punkt können wir nicht dogmatisch sein, weil das nicht da steht, aber ich denke, er war Alexander aus Ephesus und hatte Paulus viel Schaden in der Vergangenheit zugefügt und Timotheus musste sich und die Gemeinde vor ihm schützen, weil er sich direkt dort in Ephesus befand. Es ist durchaus berechtigt anzunehmen, dass er, als Metallarbeiter, tatsächlich Götzen hergestellt hatte und dass diese Götzen natürlich alles darstellten, was der Gegensatz zur Wahrheit Gottes war. Deshalb hasste er Paulus und stellte sich ihm entgegen.

Paulus sagt, wie ihr in Vers 14 bemerkt, „[er] hat mir viel Böses getan“. Dann beschreibt er dieses Böse in Vers 15. „Denn er hat unseren Worten sehr widerstanden.“ Er hat mich häufig sehr schlecht behandelt, aber nicht physisch, sondern geistig; er hat sich der Wahrheit widersetzt. Er hat der Wahrheit, dem Evangelium, widerstanden.

Und dann sagt Paulus in Vers 14, einer einfachen Vorhersage für die Zukunft, einer prophetischen Aussage: „Der Herr wird ihm vergelten nach seinen Werken“ [Rev. Elberfelder]. Keine Sünde wird jemals ungestraft davonkommen mit seiner Sünde. Niemand, der sich dem Evangelium Jesu Christi widersetzt, wird letztendlich jemals Erfolg haben. Wenn ihr euch den Dingen Gottes widersetzt, wird Gott euch für das, was ihr getan habt, strafen. In 5. Mose 32, Verse 35 und 36 wurde das Prinzip „Mein ist die Rache und die Vergeltung […], denn der Herr wird sein Volk richten“ etabliert, und in Römer 12,19 heißt es: „‚Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr ‘“. Paulus war nicht nachtragend. Das ist so wunderbar. Paulus war nicht verbittert. Paulus hatte nicht das Gefühl, er musste sich gegen all seine Feinde zur Wehr setzen. Wie Christus schmähte er nicht wieder, als er geschmäht wurde, drohte er nicht zurück, wenn wer bedroht wurde, sondern gab sich Gott hin.

Paulus will die Vergeltung Gott überlassen, die Bestrafung Gott überlassen, gegen den alle Sünden in erster Instanz verübt werden. Zukünftige Vergeltung ist also Gott vorbehalten. Wachsamkeit in der Gegenwart ist unsere Aufgabe. Also sagt er in Vers 15: „Vor ihm hüte auch du dich.“ Halte deine Augen offen. Das muss ein unnachgiebiger Feind gewesen sein. Und ich wage zu behaupten, dass jeder im Dienst Gottes auch diese Leute in seinem Netzwerk hat. Wir alle haben Feinde. Wir alle haben diejenigen, die der Wahrheit Gottes widerstehen, die die Wahrheit Gottes schmälern, die das Evangelium aufhalten wollen. Es gibt immer welche, die uns angreifen, die versuchen, das zugrunde zu richten, was wir tun, die sich unserer Lehre widersetzen, die uns als Narren hinstellen wollen, als Lügner – das sind treulose Feinde. Auch sie sind Teil des Netzwerks.

Es ist tröstlich, das zu wissen, nicht wahr? Wir sind nicht alleine. Paulus hatte solche Feinde.

Als Zehntes kommen wir zu den untreuen Anonymen … den untreuen Anonymen. Ihr seid dieser Gruppe schon begegnet, auch wenn ihr es vielleicht nicht wisst, aber ihr habt sie schon getroffen; ich zeige es euch. Vers 16: „Bei meiner ersten Verteidigung stand mir niemand bei, sondern alle verließen mich; es werde ihnen nicht angerechnet.“ Das ist der untreue Anonyme. Wer waren sie? Ich weiß es nicht. Sie sind nie auf der Bildfläche erschienen, sie waren nicht da. Wir konnten sie nicht nach ihren Namen fragen, weil sie nie gekommen sind. Wir konnten nicht feststellen, welchen Dienst sie gern verrichtet hätten, weil sie sich nie freiwillig angeboten haben. Sie sind die Schändlichen. Er sagt: „Bei meiner ersten Verteidigung stand mir niemand bei.“ Was bedeutet „erste Verteidigung“? Apologia, das Wort, von dem wir „Apologetik“ ableiten. Es bedeutet eine Rede zur Verteidigung. Das wurde in einem Gericht verwendet.

Als Paulus gefangen genommen wurde, wurde er gewiss nach Rom gebracht und ging sofort zur ersten von zwei Anhörungen. Im römischen Rechtssystem gab es eine actio prima und eine actio secunda – eine Erstverhandlung und eine Zweitverhandlung. Die Erste war eine vorläufige Beurteilung bei der Untersuchung des angeklagten Täters. Und Paulus wurde natürlich gefangen genommen, weil er gegen das römische Gesetz verstieß, indem er das Evangelium Jesu Christi predigte. Er war gefangen genommen und nach Rom transportiert worden, vielleicht von Troas aus; abtransportiert ohne einen einzigen seiner Freunde. Manche Kommentatoren glauben, weil er so eine wichtige Person war, weil er als der größte Verfechter des Christentums galt, hätte wahrscheinlich Nero den Vorsitz geführt, oder einer seiner prominenten vorsitzenden Richter.

Er kommt hier also als Gefangener nach Rom und es gibt eine erste Anhörung, die wahrscheinlich kurz vor der Abfassung von 2. Timotheus stattfand. Und anlässlich der ersten Anhörung sagt er: „Niemand stand mir bei, niemand stand mir bei“. Das Verb kann als Terminus technicus für einen Zeugen oder Anwalt verwendet werden, der in einem Gericht auftritt, um eine Person zu verteidigen oder für ihn zu sprechen. Das Verb bedeutet buchstäblich „neben mir sein“; niemand war neben mir, sagt er hier.

Ihr sagt jetzt: „Wo war Lukas?“ Nun, wenn Paulus als Gefangener abtransportiert wurde, war Lukas vielleicht noch nicht angekommen. „Was ist mit Onesiphorus, heißt es nicht in Kapitel eins, dass Onesiphorus ihn oft besuchte und erquickte? Wo war er?“ Er war wahrscheinlich noch nicht angekommen. Vielleicht war Paulus gerade erst angekommen, und sobald er ankam, brachte man ihn sofort zur ersten Anhörung.

Aber es ist noch mehr als das. Es geht um mehr als die Tatsache, dass Lukas nicht da war und Onesiphorus noch nicht angekommen war. Er sagt, die Menschen, die hier waren, verließen mich alle. Und er verwendet dasselbe Verb, das für Demas in Verb 10 verwendet wurde … sie haben mich alle im Stich gelassen. Sie alle haben mich zu einem entscheidenden Zeitpunkt im Stich gelassen. Sie waren nicht da. Sie verließen mich bei meinem Prozess, es war ihnen wegen der damit assoziierten Verfolgung peinlich, mit mir identifiziert zu werden. Was für eine unglaubliche Vernachlässigung.

Nur wenige Jahre zuvor war Rom niedergebrannt worden und man hatte den Christen die Schuld gegeben. Und manche wurden von Nero erfasst und in Tierhäute eingenäht und dann von wilden Hunden angegriffen, die sie in Stücke zerrissen. Manche wurden in Teer eingewickelt und im Garten von Nero angezündet, um seine Gartenpartys zu erleuchten. Und wenn jemand vortreten und den größten Verfechter des Christentums verteidigen würde, könnte das verhängnisvoll sein. Deshalb sind sie nie auf der Bildfläche erschienen ... die Nicht-Erschienenen, die untreuen Anonymen.

Wir alle haben sie in unserem Netzwerk. Alle Diener Gottes haben sie. Sie sind die anonymen Untreuen, die Abstand halten. Ihre Motivation besteht aus Annehmlichkeiten, Feigheit, Apathie und Gleichgültigkeit. Sie würden gerne zusehen, wie ihr dem Feind gegenübertretet, aber sie wollen nicht daran beteiligt sein und sie wollen ganz gewiss nicht, dass der Feind denkt, sie gehörten zu euch. Es gibt solche Menschen in Gemeinden. Sie häufen sich am Rande und kommen nie wirklich in die Nähe des echten Kampfes.

Die Einstellung von Paulus war so gut. „Es werde ihnen nicht angerechnet.“ Ist das nicht wunderbar? Er wusste, dass sie schwach waren, nicht falsch, wie Fairbarren(?) vor einigen Jahren sagte. Sie waren schwach, nicht falsch. Und er hatte den Geist des Stephanus, denn er war dabei, als Stephanus in Apostelgeschichte 7,60 sagte: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an“; er war dabei. Und vielleicht erinnerte er sich an die Worte von Jesus, die in Lukas 23,34 aufgezeichnet sind: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Das sind die Worte, die er zu denen sprach, die ihn kreuzigten.

Ich möchte euch etwas sagen. Der untreue Anonyme kann euch zerstören, wenn ihr nicht lernt, ihn mit demselben Geist der Vergebung zu behandeln, wie Paulus es tat. Wir alle haben solche Menschen in unserem Umfeld. Sie verstecken sich in der grauen Dämmerung der Apathie. Sie halten sich immer bedeckt. Sie lassen uns die Schlacht alleine kämpfen, ohne ihre Hilfe, aber oft mit ihrer Kritik. Und auch sie sind Teil des Netzwerks. Paulus hatte sie in seinem Umfeld und auch ihr habt sie.

Aber als Kontrast dazu sehen wir den Höhepunkt des ganzen Abschnittes, den treuen Herrn, in Versen 17 und 18. Ich liebe diese Stelle. „Der Herr aber stand mir bei.“ Ist das nicht gut? „Der Herr aber stand mir bei.“ Niemand sonst war da, niemand, sie alle haben mich verlassen. Aber der Herr stand mir bei … der Freund, der anhänglicher ist als ein Bruder, derjenige, der sagte: „Ich will dich nicht aufgeben und dich niemals verlassen.“ Im Gegensatz zum Versagen seiner untreuen Anonymen bekräftigt er hier triumphierend die Treue seines Herrn und im römischen Gerichtssaal war der Herr bei ihm.

Lenski will die Szene beschreiben und demonstriert, dass es eine große Basilika in der Stadt Rom gegeben hätte, wo ein Prozess wie dieser stattgefunden hätte. Am Ende des Mittelschiffs war die Tribüne, das ist der lange Teil; die Apsis war der Querbalken; sie waren in der Form eines Kreuzes angeordnet. An einem Ende war die Tribüne, in deren Mitte der kurulische Elfenbeinstuhl des Magistrats, der auf einer Plattform stand, die man Tribunal nannte. Hier saß auch der Rat der Beisitzer, die den Präfekten in Fragen des Gesetzes berieten, obwohl sie keine Entscheidungsbefugnis beim Urteil hatten. An den Seiten der Tribüne waren Sitze für distinguierte Personen sowie für Parteien, die am Verfahren beteiligt waren. Der Gefangene mit seinen Anklägern und seinen Anwälten stand vor dem vorsitzenden Magistrat. Die Öffentlichkeit durfte sich im Rest des Mittelschiffs und der Gänge aufhalten; diese waren von dem Teil, der dem Gerichtsverfahren vorbehalten war, abgesperrt. Und es gab auch Galerien entlang der gesamten Länge der Seitengänge, einen für Männer und den anderen für Frauen. Die Gänge waren überdacht, ebenso wie die Tribüne. Das Mittelschiff war ursprünglich unter freiem Himmel. Die Basilikas waren sehr große Gebäude, sodass es bei jedem Prozess von öffentlichem Interesse eine große Menge von Zuschauern gab. Es war solch ein Publikum, vor dem Paulus jetzt zu seiner Verteidigung aussagen sollte.

Hier ist also ein Ort voller Menschen, die sich reingedrängelt haben, um die Verteidigungsrede dieses wohlbekannten Repräsentanten des Christentums zu hören.

Und er steht dort und hat keinen Fürsprecher, niemand wird ihm zur Seite stehen in diesem Gerichtsverfahren, um ihn zu verteidigen.

Er hat keinen Zeugen zu seinen Gunsten. Er ist völlig allein vor dieser großen, feindlich gesinnten Menschenmenge, die von einem menschlichen Standpunkt aus betrachtet die Kontrolle über sein Leben haben.

Und er sagte: „Der Herr aber stand mir bei“, und dann sagt er, „und stärkte mich.“ Ich liebe das. Das griechische Verb beinhaltet die Vorstellung, jemanden mit Kraft zu erfüllen. Er begann zu spüren, wie sein Geist mit Kraft erfüllt wurde, „damit“, ein hina-Finalsatz, „er stärkte mich, damit durch mich“, als menschliches Instrument, die kerugma, „die Verkündigung völlig ausgerichtet würde.“

Versteht ihr das? Bei diesem Prozess geht es um sein Leben, die Verfolgung der Christen hat bereits begonnen. Er steht vor dem römischen Tribunal und vielleicht sogar vor Nero selbst. Überall wimmelt es vor Zuschauern. Niemand ist dort außer Paulus, niemand an seiner Seite, und er sagt: „Die Kraft des Herrn begann, mich zu stärken, damit ich das gesamte Evangelium verkünden kann.“

Übrigens war Paulus das erste Mitglied der Full Gospel Association [~ Germeinde des vollen Evangeliums]. Das ist die Bedeutung dieses Ausdrucks, die kerugma völlig auszurichten, die Verkündigung, das Evangelium. Was für eine Gelegenheit. Ich habe mir immer gewünscht, dass sie aufgezeichnet hätten, was er sagte. Ich bin einfach voller Bewunderung für diesen Mann und für die Macht Gottes, in dieser Umgebung zu stehen und das ganze Evangelium völlig zu verkündigen. Enormer Mut … enorme Kraft.

„Und alle Heiden sie hören könnten“ – ich denke, er predigte lautstark und mit Autorität. Das Publikum bestand aus Heiden. Das waren kosmopolitische Heiden, Menschen aus aller Welt, die in Rom lebten; all diese Heiden aus aller Welt, die sich dort versammelt hatten, und vielleicht Nero direkt dort auf dem Richterstuhl, und wenn er da war, hörte er das gesamte Evangelium. Und so wirkte Gott durch Paulus; er sagt: „Und so wurde ich erlöst aus dem Rachen des Löwen.“ Was bedeutet das? Nun, das ist einfach eine Redewendung, als würde man sagen, ich bin dem Tod von der Schippe gesprungen. Es wird in Psalm 22,22 und Psalm 35,17 benutzt und ich meine, im Falle von Paulus geht das wahrscheinlich auf einen wunderbaren Propheten des Alten Testaments zurück, von dem man das buchstäblich sagen konnte – nämlich Daniel. Ich wurde erlöst aus dem Rachen des Löwen. Das muss ein wunderbarer, berauschender, aufregender Moment für Paulus gewesen sein.

Ich sage euch eine Sache – er verließ sich auf die Kraft Gottes und die Kraft Gottes war da und er wurde erlöst. Und das gab ihm Hoffnung für die Zukunft. Betrachtet einmal Vers 18: „Der Herr wird mich auch von jedem boshaften Werk erlösen und mich in sein himmlisches Reich retten.“ Was für Zuversicht! Auf der Grundlage des gegenwärtigen Werks des Herrn hatte er Hoffnung für das künftige Werk des Herrn. Der Herr wird mich von allen bösen Taten, aller Sünde, aller Versuchung und allen Anschlägen auf mein Leben erlösen. Und die Erlösung nur wenige Tage zuvor gab ihm Zuversicht im Hinblick auf Rettung in den kommenden Tagen. Er wurde vom Rachen des Löwen erlöst.

In gewissem Sinne denkt man dabei an die Aussage von Petrus, dass Satan umhergeht wie ein …was?... brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann. Und obwohl ich nicht denke, dass diese Stelle hier zwangsweise so auszulegen ist, weil ich es mehr für eine allgemeine Redewendung halte, würde ich gewiss zustimmen, dass Satan ein Löwe ist, der Paulus gerne vorzeitig verschlungen hätte … bevor er 2. Timotheus schrieb. Für die Welt hätte das einen Verlust bedeutet. Und Gott ließ das nicht zu. Gott verschonte ihn, damit er diesen Brief schreiben konnte und andere Dinge tun konnte, die Gott für ihn vorbereitet hatte.

Und er sagt quasi: „Der Herr hat mich erlöst und er wird mich erlösen und mich sicher in sein himmlisches Reich bringen.“ Ich liebe das einfach. Das Verb hier ist sozo, „rette mich“, „er wird mich retten“. Er spricht von ultimativer Errettung, von der er auch in Römer 13,11 sprach, wo er sagte: „Jetzt ist unsere Errettung näher, als da wir gläubig wurden.“ Er spricht in Philipper 1,21-23 davon, aufzubrechen und bei Christus zu sein. Er spricht, wie er es in 2. Korinther 5 tat, davon, aus dem Leib auszuwandern und daheim zu sein bei dem Herrn. Der Herr wird mich zu seinem himmlischen Reich bringen, das bedeutet ewige Herrlichkeit. Trotz all meiner Schwierigkeiten, trotz Einsamkeit, trotz Entbehrungen, trotz Schmerzen wird der Herr mich in sein Reich führen. Der Herr wird nie zulassen, dass irgendein ein böses Werk mir das Leben nimmt und mein ewiges Schicksal verändert. Aber es wird zu der von ihm gewählten Zeit geschehen und er wird mich in seine himmlische Gegenwart holen.

Das überwältigt ihn so sehr, dass er in Lobpreis ausbricht. „Ihm sei die Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“ Er kann einfach nicht ertragen, dass es so gut werden wird.

Ihr sagt jetzt: „Nun, wo war er?“ Er war in einem stinkenden, modrigen, elenden, übel riechenden, dreckigen, ekelhaften Verließ, wahrscheinlich mit 20-30 anderen Männern; es ist nicht mehr als ein Loch im Boden. Ich war einmal in dem Verließ im Gefängnis von Mamertine; es heißt, das ist der Ort, wo Paulus war. Der Gestank wäre unvorstellbar gewesen. Keine Sanitäranlagen, nichts, die Abwässerkanäle der Stadt liefen daran vorbei, nur eine Tür trennte sie davon, sodass die Abwässer der Stadt dort hineinliefen. Ein dreckiger, abscheulicher, desolater Ort … kalt, dunkel, feucht, doch er preist Gott, der ihn von allen boshaften Werken erlösen wird und ihn sicher in sein himmlisches Reich retten wird. Und als er beginnt, über den Himmel nachzudenken, schwärmt er eloquent und gibt Jesus Christus in einem Lobgesang für immer und ewig die Ehre. Und dann sagt er: „Amen.“ So möge es geschehen. Die Zeichensetzung dient als Siegel der Gewissheit. All das kam zu ihm von seinem treuen Herrn, seinem treuen Herrn.

Und dann schließt er ab. Und er schließt damit ab, dass er die vorletzte Gruppe erwähnt, treue alte Freunde. Nummer zwölf auf unserer Liste … treue alte Freunde. Vers 19: „Grüße Prisca und Aquila, oder Priscilla und Aquila, und das Haus des Onesiphorus. Erastus blieb in Korinth, Trophimus aber ließ ich in Milet krank zurück.“

Prisca, oder Priscilla, und Aquila werden im Neuen Testament sechs Mal erwähnt. Paulus traf sie in Apostelgeschichte 18 in Korinth, lebte bei ihnen und arbeitete mit ihnen im selben Handwerk. Sie verließen Korinth und zogen gemeinsam mit Paulus nach Ephesus, wie wir in Apostelgeschichte 18,18 lesen, und nachdem sie zuvor von Paulus unterwiesen worden waren, unterrichteten sie Apollos, wie es in Apostelgeschichte 18,26 heißt. Als Paulus den Römerbrief schrieb, ungefähr sechs Jahre danach, lebten sie laut Römer 16,3 in Rom, aber sie verließen die Stadt im Rahmen der Judenverfolgung unter Kaiser Claudius, und als Paulus 1. Korinther schrieb, wahrscheinlich von Ephesus aus, gab es dort eine Gemeinde in ihrem Haus, wie wir in 1. Korinther 16,19 lesen können. Jetzt leben sie in Ephesus, vielleicht aufgrund der Verfolgung der Gläubigen.

Hier ist also ein Paar, das schon überall gewesen ist. Wo auch immer die Gemeinde sie brauchte, wo immer Gott sie haben wollte, waren sie verfügbar; treue alte Freunde … Mitarbeiter. Und dann ist da noch der Haushalt des Onesiphorus. Wir haben ihn bereits in Kapitel 1,16 erwähnt; er kam nach Rom, und als er herausfand, dass Paulus im Gefängnis war, besuchte er ihn und erquickte ihn. Und Paulus will einfach, dass Timotheus die liebe Familie des Onesiphorus grüßt. Sie sind ihm kostbar. Menschen, denen sein Wohlergehen am Herzen lag, die für ihre Freundschaft in Herrlichkeit belohnt werden würden. Hier ist also ein treues Paar und eine treue Familie.

Und in Vers 20 erwähnt er Erastus, nicht den aus Römer 16,23, sondern vielleicht den aus Apostelgeschichte 19,22, denselben Erastus. Er diente Paulus, zusammen mit Timotheus, sowohl in den frühen Jahren als auch jetzt. Er ist schon länger dabei. Er war von Paulus nach Mazedonien geschickt worden, um dort zu dienen. Er ist quasi ein alter Kumpel von Paulus und Timotheus, ein alter Freund. Jetzt greift er die Arbeit in Korinth auf. Korinth war übrigens ein schwieriger Einsatzort. Er muss ein guter Mann gewesen sein.

Und dann Trophimus, der laut Apostelgeschichte 20,4 Asiat war, aus Kleinasien. Er war ein Epheser aus der Stadt Ephesus, Apostelgeschichte 21,29. Er arbeitete an der Seite von Paulus. Er half ihm dabei, die Offerte der Heiden zu den armen Christen in Jerusalem zu bringen. Er war mit dem Apostel zusammen in Troas gewesen, er war dort, als Eutychus aus dem Fenster fiel und wieder zum Leben erweckt wurde. Er war der unbeabsichtigte Anlass für die Verhaftung von Paulus in Jerusalem, wie es in Apostelgeschichte 21 heißt. Auch er war ein guter Freund, ein geliebter alter Freund. Jetzt war er krank. Er war krank in Milet und das war hart für ihn, weil seine Heimat in Ephesus war. Er war 36 Meilen von zu Hause entfernt und wahrscheinlich zu krank, um nach Hause zu reisen. Und ihr könnt mir glauben, dass Paulus ihn geheilt hätte, wenn er das gekonnt hätte, aber hier ist eine klassische Illustration dafür, dass die Zeichengaben allmählich aufhörten. Paulus hätte ihn geheilt, wenn er es gekonnt hätte, aber er konnte es nicht. Das gehörte nicht zu Gottes Plan.

Als das apostolische Zeitalter sich dem Ende zuneigte und der Schriftkanon zusammengestellt wurde, hörten die Zeichengaben auf und der geliebte Apostel Paulus, der so große Heilkräfte gehabt hatte, konnte plötzlich seinen eigenen lieben Freund nicht heilen. Weil diese Dinge sich dem Ende zuneigten. Ihr Ende war nah. Die Zeichen eines Apostels näherten sich dem Ende, wenn das Ende eines Apostels kam. Und sie schwinden auch in den letzten Jahren von Paulus. Wenn ihr die Apostelgeschichte studiert, seht ihr viele Wunder am Anfang und am Ende gibt es keine mehr, weil dieser Teil der Erlösungsgeschichte Gottes aufhört.

Er hat also seinen lieben Freund krank in Milet gelassen. Er war nicht mehr in seiner Macht, zu heilen, das entsprach nicht Gottes Plan. Zusammengefasst sieht die Situation also aus wie folgt. Er befindet sich in einem stinkenden, modrigen Loch im Boden, dem Mamertine Gefängnis in Rom. Demas ist weg. Crescens ist weg. Titus ist weg. Tychikus ist weg. Priscilla, Aquila, die Familie von Onesiphorus, Erastus und Trophimus sind alle an anderen Orten. Nur Lukas ist bei ihm. Und deshalb sagt er in Vers 21: „Beeile dich, vor dem Winter zu kommen.“ Wieder das Pathos, die Melancholie: „Ich will dich hier haben, Timotheus. Wenn du noch länger als Oktober wartest, ist es zu spät, weil es dann zu gefährlich ist, zu reisen. Bitte komm bald.“ Und er wusste, dass die Zeit seines Aufbruchs nahe war und wenn Timotheus nicht bald kam, würden sie einander nie mehr von Angesicht zu Angesicht sehen und er könnte nicht mehr alles sagen, was ihm auf der Seele lag.

Und dann schließt er mit einer letzten Gruppe ab, dreizehn auf unserer Liste, die treuen neuen Freunde. Vers 21: „Es grüßen dich Eubulus und Pudens und Linus“, das sind drei lateinische Namen, was darauf hinweist, dass sie römische Christen sind, ein Teil der Gemeinde in Rom. Und Claudia ist ein weiblicher Name, eine Frau wird erwähnt, und all die Brüder.

Er sendet Grüße von den Gläubigen in Rom, die nicht durch die Verfolgung zerstreut wurden. Das sind seine neuen Freunde. Ihr sagt: „Wo waren sie bei seinem Prozess, als er sie brauchte?“ Ich weiß es nicht. Aber selbst, wenn sie nicht bereit waren, vorzutreten und seine Sache zu verfechten, vergab er ihnen ... das haben wir bereits gesehen. Aber er hatte einige neue Freunde und er wollte, dass Timotheus über seine Freunde Bescheid wusste.

Seht ihr, das ist das Netzwerk. Unser Leben besteht aus derlei Menschen ... neue Freunde, alte Freunde, treue Menschen, untreue Menschen, Freunde und Feinde. Das ist ein Teil des Lebens. In gewisser Weise präsentiert er Timotheus hier das gesamte Team, das ist quasi der Zustand des Teams, das Timotheus übernehmen wird.

Und dann gibt er ihnen seine letzten Worte. „Der Herr Jesus Christus sei mit deinem Geist.“ Er wollte, dass der Geist von Timotheus stark ist. Und dann sagt er „Die Gnade sei mit euch“ und dieser Plural deutet darauf hin, dass er annahm, die gesamte Gemeinde in Ephesus würde den Brief lesen. Und er verabschiedete sich. Das ist das Letzte, was er je auf dieser Erde sagte.

Meine Lieben, Teamarbeit ist von entscheidender Bedeutung. Das ist es, was wir hier sehen. Und es ist wunderbar, zu wissen, dass sogar Menschen wie Paulus sich mit Starken und Schwachen, Treuen und Untreuen, Freunden und Feinden auseinandersetzen mussten. Aber ohne sie können wir unseren Dienst nicht verrichten. Wir hängen von all denen ab, die Gott in unser Leben bringt. Und sie alle leisten einen Beitrag dazu, positiv oder negativ, auf die eine oder andere Weise. Und sie sind das unschätzbarste, wertvollste Gut, das wir haben. Denn Gott tut sein Werk in uns durch diejenigen, die er in unser Leben bringt.

Es gibt noch viel mehr zu sagen, aber unsere Zeit ist vorbei. Lasst uns unsere Köpfe zum Gebet neigen.