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Der Dienst der Gnadengaben, Teil 1 (German)

Römer 12:3-5 September 16, 1984 de45-90

Lasst uns heute Abend unsere Bibeln bei Römer Kapitel 12, Verse 3-5 aufschlagen. Dieser Abschnitt ist euch vielleicht nicht so vertraut wie die vorhergehenden Verse 1 und 2, aber ich bin sicher, wenn ihr heute Abend hier weggeht, werden sie sich in unser aller Herzen unauslöschlich eingeprägt haben. Römer Kapitel 12 – damit wir den Sinn der Verse 3-5 wirklich verstehen, und sogar den Anfang von Vers 6, möchte ich bei Vers 1 beginnen. Folgt mir im Text, während ich ihn vorlese.

„Ich ermahne euch nun, ihr Brüder, angesichts der Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber darbringt als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer: das sei euer vernünftiger Gottesdienst! Und passt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern laßt euch in eurem Wesen verändern durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist. Denn ich sage kraft der Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, daß er nicht höher von sich denke, als sich zu denken gebührt, sondern daß er auf Bescheidenheit bedacht sei, wie Gott jedem einzelnen das Maß des Glaubens zugeteilt hat. Denn gleichwie wir an einem Leib viele Glieder besitzen, nicht alle Glieder aber dieselbe Tätigkeit haben, so sind auch wir, die vielen, ein Leib in Christus, und als einzelne untereinander Glieder, wir haben aber verschiedene Gnadengaben gemäß der uns verliehenen Gnade.“

An diesem Punkt werden wir innehalten.

Nach dem 2. Weltkrieg hatten einige deutsche Studenten sich angeboten, eine Kathedrale in England wiederaufzubauen. Die Kathedrale war den Bombenangriffen zum Opfer gefallen. Im Verlaufe der Arbeit ergaben sich Diskussionen darüber, wer am besten in der Lage wäre, eine Statue in der Kathedrale zu restaurieren, die bei den Angriffen stark beschädigt worden war. Es war eine sehr große Statue von Jesus. Unter der Statue stand „Kommt zu mir“ und Jesus stand mit ausgestreckten Armen da.

Durch sorgfältige Reparaturen konnte das, was rissig war, erhalten werden, ein gewisses Maß an Restauration konnte einige der beschädigten Stellen wiederherstellen, aber das Problem war die Restauration der Hände, die zertrümmert waren. Also diskutierten sie, was mit den Händen der Statue zu tun sei und wie man diese überaus komplizierte Aufgabe bewältigen könnte.

Sie trafen eine Entscheidung und an dieser Entscheidung wurde bis heute nicht gerüttelt. Wenn ihr in diese Kathedrale geht und diese Statue seht, würdet ihr dort Jesus mit ausgestreckten Armen, aber ohne Hände sehen. Und am Sockel der Statue steht: „Christus hat keine Hände als unsere Hände.“

Ich denke, das ist es, was der Apostel Paulus uns im Wesentlichen in diesem Kapitel des Römerbriefs sagen wollte, dass das Werk Jesu Christi in der Welt unser Werk ist, dass er dazu nur Hände zur Verfügung hat, nur unsere Füße, nur unsere Stimme. Der Dienst wird uns zugeteilt. Und das Werk von Gottes Reich hängt von unserer Nützlichkeit, unserer Treue, unserer Hingabe ab. Wir, die wir erlöst sind, die wir in den Genuss der Barmherzigkeit Gottes gekommen sind, welche uns in den ersten elf Kapitel aufgezeigt wurde, die wir aus der Finsternis befreit und ans Licht gebracht wurden, die wir von den Fesseln der Sünde erlöst wurden, die wir Kinder Gottes geworden sind und Heilige des Allerhöchsten, die wir die Sklaven des Herrn Jesus Christus sind - uns wird die Aufgabe übertragen, die Hände und Füße und Stimme Jesu zu sein.

Damit wir das tun können, müssen wir bei Versen 1 und 2 beginnen, nicht wahr? Zuerst bringen wir uns selbst in dem einzigen vernünftigen Gottesdienst, den jeder Gläubige erweisen kann, als lebendiges Opfer dar, wir bringen dem Herrn unsere ganze Seele, unseren Leib, unseren Sinn und unseren Willen dar, wie wir bei unserer Betrachtung von Versen 1 und 2 diskutiert haben. Das ist die grundlegende Anforderung, die Gott an jeden Gläubigen stellt. Das ist für euch nicht anders als für mich. Wenn es um Römer 12,1-2 geht, sitzen wir alle im selben Boot. Gott will unser Leben, wie sie vor einem Moment so wunderschön gesungen haben, dargeboten als lebendiges Opfer, heilig und ihm wohlgefällig, und das ist der grundlegende Gottesdienst bzw. unsere Anbetung. Das öffnet die Tür zur Nützlichkeit. An diesem Punkt beginnt Gott, uns für seine Zwecke einzusetzen. Da ist zunächst die Anbetung in der Darbringung unserer Selbst als Opfer, danach ist der Dienst. Das ist die göttliche Ordnung.

Wenn es um diesen Dienst geht, sollten wir, wie wir in den Versen 3 bis 5 lesen, anerkennen, dass es auf der Ebene der Hingabe zwar Einheitlichkeit gibt, auf der Ebene des Dienstes jedoch eine große Vielfalt. Und Verse 4 und 5 betonen, dass, ebenso wie ein Leib, der viele Glieder hat, auch der Leib Christi viele Glieder hat, und in Vers 6 lesen wir, dass diese unterschiedliche Gaben haben. Wir alle haben eine gemeinsame Basis im Hinblick auf unsere einheitliche Hingabe. Aber danach gibt es gewaltige Vielfalt … gewaltige Vielfalt. Wir sind im Hinblick auf unsere Dienste ebenso vielfältig wie im Hinblick auf unsere persönliche Identität. Keine zwei Christen sind identisch. Es gibt keine zwei Personen unter uns, die dem Herrn auf die gleiche Weise dienen können. Es gibt gewaltige Unterscheidungen und Besonderheiten in uns allen.

Und wenn ihr Vers 3 betrachtet, werdet ihr dort sehen, dass es heißt, Paulus nutzte die Gnade, die ihm gegeben wurde und ihn zum Apostel machte, um jetzt jedem unter uns zu sagen, er solle nicht höher von sich denken, als es sich zu denken gebührt, sondern auf Bescheidenheit bedacht sein, wie Gott jedem Einzelnen das Maß des Glaubens zugeteilt hat. In eben diesen Versen ist der Gedanke der Vielfalt enthalten. Wir sollen uns selbst nach dem Maß des Glaubens, den Gott uns zugeteilt hat, betrachten, und das ist für jeden anders.

Und Vers 5 erinnert uns daran, dass jeder von uns anders ist. Es gibt nur einen Leib, aber jeder Einzelne ist ein anderes Glied. Und laut Vers 6 haben wir unterschiedliche Gaben. Der primäre Fokus dieser Verse besteht darin, uns allen zu zeigen, dass wir zwar alle durch denselben Akt der absoluten und äußersten Selbstaufopferung für Gott nützlich werden und dass es darin absolute Gleichförmigkeit gibt, dass es aber darüber hinaus große Vielfältigkeit gibt ... große Vielfältigkeit. Und das ist es, was der Apostel Paulus betonen will.

Ich möchte euch diesen Gedankengang jetzt noch von einer anderen Perspektive aus präsentieren. Es kann keinen wirklich effektiven Dienst, keinen wirklich wechselseitigen Dienst geben, also einen Dienst, in dem wir gesegnet werden, wenn wir nicht zuvor uns selbst als lebendiges Opfer dargebracht haben. Das sagt uns, dass diese Darbringung unserer Selbst als Opfer vor Gott, wo ich alles, was ich bin, für seinen Dienst aufgebe, nichts Mystisches ist, keine falsche Frömmigkeit, nicht klösterlich, also fast wie ein Mönch, sondern überaus pragmatisch. Es ist überaus praktisch, denn die Absicht, mich selbst Gott als Opfer darzubringen, besteht darin, sofort nützlich für ihn zu werden, darum geht es. Und deshalb betrachten wir das von beiden Seiten. Wenn wir uns Gott als Opfer darbringen, ist das nicht etwas so Mystisches, dass es nichts mit dem Dienst zu tun hat.

Ich möchte das so einfach wie möglich ausdrücken. Wenn ihr mir sagt, ihr habt euch selbst Gott vollkommen hingegeben und ich sehe keinen effektiven Dienst, dann glaube ich euch nicht. Andererseits, wenn ihr mir sagt, ihr dient dem Herrn, aber ich sehe keine vollkommene Hingabe, glaube ich das auch nicht. Hier geht es um Entweder/Oder. Dienst an Gott hat nur dann eine Bedeutung und beinhaltet einen wechselseitigen Segen, wenn er sich aus totaler Hingabe ergibt. Und totale Hingabe ist nur dann totale Hingabe, wenn sie effektiven Dienst hervorruft. Die beiden gehören zusammen. Es gibt viele Menschen, die sich selbst, und allen anderen, vormachen, sie hätten ihr ganzes Leben Christus hingegeben, aber wenn ihr deren Leben unter die Lupe nehmt, seht ihr, dass diese Hingabe in der Praxis nicht wirklich umgesetzt wird, ihr seht keinen Dienst, keinen bedeutsamen Dienst, keinen von Gott gesegneten Dienst. Ihr seht keinen Hinweis darauf, dass ihre Leidenschaft sie dazu antreibt, zu dienen, sondern vielmehr, dass sie motiviert sind, ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu erfüllen.

Andererseits seht ihr Menschen, die unglaublich umtriebig sind, aber wenn ihr hinter die Kulissen schaut, werdet ihr feststellen, dass es mit ihrer geistlichen Hingabe nicht weit her ist. Ich habe heute einen Brief von einem Mann erhalten, der schrieb: „Bitte triff dich mit mir und bete mit mir.“ Er sagte: „Ich habe meine Frau vertrieben, weil ich ihr durch mein Beispiel vorgelebt habe, wie man sich sonntags als Heiliger ausgibt und den Rest der Woche nach der eigenen Façon lebt. Und als unsere Ehe dann begann, in die Brüche zu gehen und ich den Versuch startete, gemeinsam zu beten und in der Bibel zu lesen, dachte sie, es sei wieder nur eine meiner Fassaden.“ Er sagte: „Ich habe nach außen hin als Christ gelebt und war in der Gemeinde aktiv, doch die restliche Zeit habe ich eine Lüge gelebt.“

Nun, das ist Gott nicht wohlgefällig. Das ist nicht die Art von Dienst, auf den er aus ist. Ein … wie könnte ich es nennen … ein fleischliches Leben kann Ergebnisse bringen. Es ist wahr. Es kann Ergebnisse bringen, wenn ihr Gott „dient“, ohne euch ihm wirklich hinzugeben; wenn ihr es tut, weil ihr euch gerne in dieser Rolle seht oder weil ihr euch gut dabei fühlt oder weil andere gut von euch denken, wenn ihr das tut oder wenn ihr sogar in eurem Herzen den Wunsch hegt, das zu tun. Es kann Resultate bringen. Der Grund dafür ist, dass die Wahrheit soviel mächtiger ist als eure Einschränkungen. Aber die Ergebnisse werden nicht zu einer Fülle von Segen für euch führen. Mit anderen Worten kann Gott euch nutzen, auch wenn ihr ihm nicht ergeben seid, sofern ihr die Wahrheit sprecht, denn die Wahrheit ist so viel mächtiger als eure Fähigkeit, sie zu beschränken, aber ihr werdet dafür keinen Segen ernten. Ihr werdet nicht gesegnet werden. Und darüber hinaus werdet ihr das umgehen, was getan werden könnte … was getan werden könnte. Ich meine, die Botschaft ist so schlagkräftig, dass Gott selbst ein verstopftes Gefäß nutzen kann, um sie zu kommunizieren, aber bedenkt nur einmal, wie viel wunderbarer es wäre, wenn das Gefäß sauber wäre … sauber.

Ich weiß, dass es in meinem Leben Zeiten gegeben hat, wo ich Gottes Wort gelehrt habe und vielleicht geschah das aus Hochmut und das Wort Gottes hat große Dinge bewirkt, aber nicht das, was es bewirken könnte - und das habe ich gelernt - wenn mein Leben so ist, wie es sein sollte, und meine Motive richtig sind.

Bitte beachtet, dass das jeden Menschen einschließt. In Vers 3 heißt es: „Denn ich sage kraft der Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch ... jedem.“ Und dann in Vers 4: „Denn gleichwie wir an einem Leib viele Glieder besitzen, nicht alle Glieder aber dieselbe Tätigkeit haben, so sind auch wir, die vielen, ein Leib in Christus, und als einzelne untereinander Glieder.“ Auch hier schließt er niemanden aus. Jeder von uns, der zu Jesus Christus gekommen ist, wird dazu aufgerufen, sich ihm vollkommen hinzugeben, wie wir letzte Woche im Detail gesehen haben, und daraus soll sich ein Leben des Dienstes ergeben, der einzigartig für uns ist. Wenn wir sagen, wir sind Gott ergeben, aber wir weisen dieses Leben des Dienstes nicht auf, dann ist unsere Hingabe zweifelhaft. Wenn wir äußerlich nur funktionieren, während die Hingabe nur im Inneren steckt, dann ist unser Dienst sehr eingeschränkt und wird uns keinen Segen bringen.

Wir reden hier zu jedem, euch, mir und allen anderen. Wir befinden uns alle im selben Boot. Und ich hoffe, wenn wir mit der Betrachtung dieses Textes fertig sind – und wir werden einen Teil davon diese Woche betrachten und einen Teil nächstes Mal - werden wir hoffentlich, selbst wenn wir nichts anderes erreichen, nie wieder in der Lage sein, uns selbst erfolgreich den Gedanken vorzugaukeln, wie wären Gott vollkommen ergeben, wenn wir nicht gleichzeitig einen bedeutenden Dienst leisten. Ich weiß, dass das auf unsere Gemeinde zutrifft und ich möchte euch sagen, Leute, dass das wahrscheinlich auf diejenigen von euch, die treu sind, nicht zutrifft. Aber ich weiß, dass es Leute in dieser Gemeinde gibt, die glauben, sie seien dem Herrn ergeben, aber wenn ihr deren Leben unter die Lupe nehmt, und versucht herauszufinden, wo sich diese Hingabe tatsächlich im Dienst ausdrückt, dann ist da einfach nichts ... da ist einfach nichts. Und wenn wir nichts weiter tun, als die Illusion auszumerzen, dass ihr Christus ergeben sein könnt, ohne wenigstens einen elementaren Dienst zu leisten, ohne die Leidenschaft, die Gaben, die Gott euch verliehen hat, zu nutzen, dann haben wir euch allen einen Dienst erwiesen.

Die Leute sagen: „Nun, ich bin dem Herrn wirklich ergeben, aber ich weiß, dass ich im Moment sehr viel zu tun habe mit meiner Arbeit, ich muss einkaufen, ich habe Hobbys, dann ist da noch meine Freizeit, Urlaub, ich muss mich erholen … oder was auch immer.“ Und all das hat seine Zeit. Aber Hingabe drückt sich durch den Dienst aus, das ist es, was Paulus hier sagt. Ein Mensch, der sich auf diese Weise selbst betrügt, wird diesen Abschnitt, hoffentlich, nicht unbeschadet überstehen. Ich weiß, dass es mir manchmal sehr geholfen hat.

Ich möchte jetzt zu dem Gedanken in Versen 1 und 2 zurückkehren, um ein weiteres Anfangskonzept aufzugreifen. Ihr werdet eure Gabe nie kennen. Die Leute sagen immer: „Nun, woher weiß man, welche Gabe man hat?“ Diese Frage wird mir oft gestellt. Woher weiß ich, welche Gabe ich habe? Ihr werdet eure Gabe nie kennen und ihr werdet deren volles Potenzial nie wirklich kennen, bis ihr die Verse 1 und 2 ausgelebt habt. Denn wenn ihr nicht an dem Punkt totaler Hingabe seid, dann wird jede Funktion und jeder Dienst, den ihr ausübt, was auch immer es sein mag, nie die vollständige Definition oder das volle Potenzial eurer Gabe enthüllen. Versteht ihr das? Denn dann agiert ihr nicht auf der Ebene totaler Hingabe.

Ich meine, das ist irgendwie wie beim menschlichen Gehirn. Es wird geschätzt, dass Menschen maximal ungefähr elf Prozent ihrer Hirnkapazität nutzen. Das bedeutet, es gibt noch 89 Prozent, die gar nicht benutzt werden. Das bedeutet, wenn wir sagen, wir verstehen die Beschränkungen des menschlichen Verstandes oder wenn wir Menschen gewissen Tests unterziehen und annehmen, dass das Testergebnis uns definitiv sagt, wie viel Kapazität sie haben, liegen wir weit ab vom Schuss. Der menschliche Verstand hat gewaltige Kapazitäten, die weit über das hinausgehen, was wir erreichen. Und vieles davon hat mit unserer Einstellung zum Leben usw. zu tun.

Aber in der geistlichen Dimension gilt dasselbe. Es gibt viele Christen, die versuchen, ihre Gabe zu definieren, während sie in Wirklichkeit nur 11 Prozent Leistungskapazität haben, anhand derer sie diese Definition vornehmen können. Wenn sie jemals an den Punkt in Römer 12,1-2 kämen und das darin beschriebene Leben ausleben würden, würden sie in Wahrheit ihre Gabe wahrscheinlich völlig neu definieren, weil sie sie in ihrer ganzen Fülle sehen würden.

Ich möchte euch ein ganz persönliches Zeugnis geben. Ich mache das nicht gerne, aber ich greife auf mein eigenes Leben zurück, weil ich denke, ihr schaut auf mich und denkt, ich sei irgendein andersgeartetes Geschöpf als ihr, weil ich mich hier hinstelle und jene Dinge tue und ihr da sitzt und denkt: „Ich habe dieses Kapitel all mein Leben gelesen und habe das nicht darin gesehen.“ Und ihr denkt, ich habe einen besonderen Input vom Himmel. Als ich an der theologischen Hochschule war, fragte ich mich regelmäßig, wie ich dem Studium entkommen könnte, geschweige denn, mein Leben damit zu verbringen, Gottes Wort zu lehren, Bücher und Kommentare zu schreiben. Und als ich zur Grace Church kam, kam ich voller Furcht und Beklommenheit und fragte mich, wie ich es schaffen würde, ständig neue Predigten zu verfassen. Und ich war mir sicher, die Predigten würden mir ausgehen. Die Zeit an der theologischen Hochschule war schwer für mich, weil ich meine eigenen Fähigkeiten infrage stellte. Aber als ich allmählich erkannte, dass Gott mehr und mehr von meinem Leben wollte und als ich die Dinge in meinem Leben allmählich losließ und mein Leben vollkommen ihm übergab, nahmen die Fähigkeiten, die der Geist Gottes mir gab, immer mehr zu. Und ihr sollt wissen, dass es nicht daran liegt, dass ich besondere intellektuelle Fähigkeiten habe, dass ich irgendein einzigartiges Geschöpf bin, das sich von euch unterscheidet; es ist einfach so, wenn ihr einmal die Entscheidung trefft, all das zu sein, was Gott für euch vorgesehen hat und ihr einmal sagt „Ich werde das tun, egal, was es mich kostet“, dann werdet ihr eine zunehmende Fähigkeit feststellen, die der Geist Gottes in eurem Leben offenbart und dann werdet ihr eure Gabe als das erkennen, was sie wirklich ist.

Ich denke, viele Leute haben Probleme damit, herauszufinden, was ihre Gabe und ihr Dienst ist, weil sie nie Römer 12,1-2 durchgegangen sind, stimmt's? Deshalb tun sie sich schwer mit den sehr begrenzten Daten, die sie zur Verfügung haben. Wir beginnen also mit der Selbstaufopferung. Und wenn ihr letzte Woche nicht hier wart, müsst ihr euch die Aufnahme besorgen und darüber nachdenken.

Wisst ihr, über die größten Heiligen in der Geschichte der Gemeinde könnt ihr in Biografien lesen, die ihr in Buchhandlungen findet. Ich kaufe deren Biografien und lese sie und meditiere darüber. Das tue ich schon seit meiner Kindheit. Und habe die Geschichten dieser großartigen Männer Gottes gelesen, große Heilige, die den Lauf der Welt beeinflusst haben, die einen Einfluss auf die Geschichte der Gemeinde hatten, die Städte und Nationen und Kontinente für Christus gewonnen haben, die große Institutionen und große Gemeinden und Schulen gründeten und großartige Bücher schrieben. Und man liest von ihnen und erinnert sich an sie und ehrt sie und nimmt an, dass sie einer anderen Kategorie angehören oder in einer anderen Sphäre schweben. Während der wahre Unterschied darin besteht, dass sie die Bedeutung und den Wert von Römer 12,1-2 begriffen haben. Sie haben gelernt, so zu leben.

Ich meine, nehmt zum Beispiel einen Mann wie Jonathan Edwards. Ich weiß nicht, ob ihr mit allen Fakten aus dem Leben von Jonathan Edwards vertraut seid. Er war ein großer Mann Gottes und wurde in seinem Land buchstäblich dazu benutzt, die Nation zu verändern. Er war ein tiefgründiger Prediger, dessen Predigten so schlagkräftig waren, dass er sie ohne jeglichen Tonfall las, weil er befürchtete, er könnte jemanden dazu bewegen, aus emotionalen Gründen zu Christus zu kommen und nicht, weil er wirklich über die Botschaft nachgedacht hatte. Und deshalb las er die ganze Predigt einfach mechanisch vor. Es wird behauptet, dass die Leute manchmal nach der Hälfte der Predigt um Gnade bettelten, weil die Predigt solche Überzeugungskraft hatte.

Was macht den Unterschied bei einem Menschen aus? Nun, vielleicht wisst ihr es nicht, aber Jonathan Edwards hatte einige Entschlüsse gefasst. Er schrieb diese Resolutionen auf. Einige davon lauteten: „Ich bin entschlossen, mein ganzes Leben mit all meiner Kraft zu leben. Ich bin entschlossen, keine Zeit zu verlieren, sondern sie auf die bestmögliche Art und Weise zu nutzen. Ich bin entschlossen, nichts zu tun, was ich bei anderen […] verabscheuen würde oder was mich dazu bringen würde, von ihnen schlechter zu denken. Ich bin entschlossen, niemals etwas aus Rache zu tun. Ich bin entschlossen, nichts zu tun, von dem ich es bereuen würde, wenn es die letzte Stunde meines Lebens wäre. [1]“

Das waren nur einige Dinge, die er beschlossen hatte. Und sie machten den Unterschied.

Wenn ihr in der anglikanischen Kirche einen Gottesdienst mit Abendmahl besuchen würdet, wäre es recht üblich, diese Worte zum Abschluss des Abendmahls gemeinsam mit den Gemeindemitgliedern zu rezitieren. Sie sagen Folgendes: „Und hier bringen und präsentieren wir dir, oh Herr, uns selbst, unsere Seelen und Leiber, als vernünftiges, heiliges und lebendiges Opfer dar.“ Das ist der Unterschied. Das macht den Unterschied aus.

Nachdem wir dort begonnen haben, möchte ich jetzt zu Vers 3 übergehen. Wir haben gesagt, wir wollen uns Gott hingeben und das ist der Schlüssel dazu, effektiv in unserem Dienst zu sein. Unsere Nützlichkeit hängt von drei Dingen ab. Und das ist es, worüber wir heute Abend und nächste Woche reden wollen. Unsere Nützlichkeit hängt von drei Dingen ab: der richtigen Einstellung, der richtigen Beziehung und dem richtigen Dienst. Wir müssen die richtige Einstellung haben, die richtige Interaktion oder Beziehung, und den richtigen Dienst, um von maximalem Nutzen für Gott zu sein.

Was genau ist die richtige Einstellung? Was ist die innere Einstellung eines Menschen, der sich Gott total ergeben hat? Es ist eine Einstellung der Demut. Das ist die richtige Einstellung - Demut. Das wird in Vers 3 zur Sprache gebracht. Lasst uns das gemeinsam verfolgen. „Denn ich sage kraft der Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, daß er nicht höher von sich denke, als sich zu denken gebührt, sondern daß er auf Bescheidenheit bedacht sei, wie Gott jedem einzelnen das Maß des Glaubens zugeteilt hat.“

Da steckt so viel drin, Leute. Ich weiß nicht, ob ich es schaffen werde, alles rauszuholen, was hier drinsteckt, aber ich möchte, dass ihr diese gewaltige Aussage wirklich versteht. Paulus beginnt mit „Denn“ und dieses „denn“ ist eine Überleitung; nur die Hingabe, die in Versen 1 und 2 erwähnt wird, kann zu dieser richtigen Einstellung führen. Mit anderen Worten geht Paulus hier wirklich zum Dienst über. Letztendlich geht es darum, wie wir in Vers 6 lesen, unsere Gabe zu nutzen; wenn wir die Gabe der Weissagung haben, sollen wir weissagen. Wenn wir die Gabe des Dienens haben, sollen wir dienen; wenn wir die Gabe der Lehre haben, sollen wir lehren; wenn wir die Gabe der Ermahnung haben, sollen wir ermahnen; wenn wir die Gabe des Gebens haben, sollen wir das großzügig tun. Was immer es auch ist; wenn ihr die Gabe habt, übt sie aus. Paulus versucht hier lediglich, zum Dienst überzuleiten. Der Dienst beginnt mit unserer Hingabe, denn Hingabe steckt hinter Demut. Die richtige Einstellung ist das Ergebnis der Selbstaufgabe. Wenn ich alles, was ich bin, Gott übergeben habe, dann ist nichts mehr von mir übrig. Das ist die Einstellung der Demut. Sie ist die logische Folge der selbstlosen Unterordnung unter den Willen Gottes.

Um seinen Punkt zu verdeutlichen, warnt Paulus uns vor der falschen Einstellung. „Denn ich sage kraft der Gnade, die mir gegeben ist“ – ich liebe diese Aussage, die Gnade, die ihm gegeben wurde. Über welche Art der Gnade reden wir hier? Nun, er redet hier nicht von errettender Gnade, obwohl er die empfangen hat. Die haben alle Gläubigen erfahren. Alle von uns haben Christi errettende Gnade empfangen, daran besteht kein Zweifel. Das ist es nicht, was Paulus hier im Sinn hatte. Es ist die spezifische Gnade, durch die er zum Apostel berufen wurde. Es ist die Gnade Gottes, die ihn zu einer Position der Autorität bestimmte, der Position eines Apostels. Er hatte von Gott den Ruf zu predigen erhalten. Er hatte von Gott sein Apostelamt erhalten, indem Christus selbst zu ihm gekommen und ihn konfrontiert und in den Dienst berufen hatte. Er wiederholte das immer wieder. Er war also ein Apostel aus Gnade. Und das ist es, was er hier sagt. „Ich sage euch das kraft der Gnade, die mir gegeben ist.“

Warum sagte er nicht: „Ich sage euch das als ein Apostel Jesu Christi?“ Die Antwort lautet, dass man in einem Vers über Demut nicht seine Autorität spielen lässt. Darum geht es. Er sagt also: „Schaut, ich würde gerne meine Autorität spielen lassen, aber ihr sollt wissen, dass meine Autorität nichts mit mir zu tun hat, sondern mit Gottes“, … was? …, „Gottes Gnade“. Selbst die Art, wie er sich auf sein Apostelamt bezieht, ist also von Demut geprägt. Sehr konsequent. Das besagt: „Ich sage jetzt zu euch, ich spreche jetzt zu euch als jemand, der Autorität hat und diese Autorität wurde mir von Christus nicht deshalb verliehen, weil ich würdig war ... ganz und gar nicht.“ Zu Timotheus sagt er sogar: „Ich war ein Lästerer und Verfolger und Frevler. Aber mir ist Erbarmung widerfahren […] Und die Gnade unseres Herrn wurde über alle Maßen groß samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist. Glaubwürdig ist das Wort und aller Annahme wert, daß Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder zu retten, von denen ich“, …was?..., „der größte bin.“ Er sagt also, er wurde durch Gnade zum Apostel gemacht. Ich wurde aus Liebe zum Apostel gemacht. Ich wurde aus Gnade zum Apostel gemacht. Aber ich bin nichtsdestotrotz ein Apostel und spreche als Apostel zu euch.

Was soll das bedeuten? Das soll bedeuten, dass er Respekt einflößend ist. Ich sage zu euch – ich sage es als Apostel aus Gnade, aber auch als Apostel mit Autorität, und jetzt kommt's -, nicht zu jedem, wir müssen uns vielmehr den Ausdruck „jedem unter euch“ ansehen, niemand ist davon ausgenommen, alle bekennenden Christen in der Gemeinde in Rom und alle bekennenden Christen an anderen Orten, ich sage euch allen, ihr sollt nicht höher von euch denken als es sich zu denken gebührt, sondern auf Bescheidenheit bedacht sein. Das ist eine wirklich wunderbare Aussage … eine wunderbare Aussage. Es ist eine unvergessliche Aussage.

Es gibt ein griechisches Verb für „denken“, das Wort phroneo. Er verwendet eine Form davon viermal in dieser Aussage … viermal. Der Stamm des von ihm verwendeten Verbs ist phroneo. Man könnte es auch folgendermaßen übersetzen: „Ich sage euch durch die Gnade, die mir gegeben wurde“, und das wird die vier Verwendungen des Wortes verdeutlichen, „jedem Einzelnen unter euch, er soll nicht höher von sich denken, als es sich zu denken geziemt, sondern es soll mit bescheidenen Gedanken denken.“ Viermal. Oder er soll nicht hochgesinnt sein, über das hinaus, wofür wir uns halten sollten, sondern so gesinnt, dass wir nüchtern oder bescheiden sind. Oder, um es noch anders auszudrücken, sich selbst nicht überschätzen, über die wahre Einschätzung hinaus, sondern uns selbst angemessen einschätzen.

Ich hoffe, das ist ziemlich klar. Aber was bedeutet es, auf Bescheidenheit bedacht zu sein oder besonnen zu sein? Das ist ein wunderbares Wort. Es bedeutet, bei Verstand zu sein. Es bedeutet, bei Verstand zu sein. Seht ihr, Einbildung wird als Form von Wahnsinn eingestuft. Wenn ihr nicht so über euch selbst denkt, wie ihr das tun solltet, seid ihr wahnsinnig, dann seid ihr nicht bei Verstand. Ich meine, wenn ihr einer Illusion darüber anhängt, wer ihr wirklich seid und wozu ihr wirklich fähig seid und wo eure Gaben liegen, wenn ihr eine Illusion lebt, dann seid ihr wahnsinnig. Ihr müsst besonnen oder auf Bescheidenheit bedacht sein. Ihr müsst bei Verstand sein.

Wir werden also davor gewarnt, uns nicht zu überschätzen, huperphronein, hochmütig zu denken. Und das ist die Sünde der Übertreibung. Er sagt: „Ich sage euch, denkt nicht höher [von euch selbst], als ihr es tun solltet. Überschätzt euren Wert nicht. Überschätzt eure Gaben nicht.“ Denkt nicht, ihr seid der nächste führende Evangelist der Welt, wenn ihr es nicht seid. Überschätzt euch nicht. Das ist eine sehr hässliche Sünde, die in überzogener Selbstachtung enthalten ist. Und die Bibel sagt, der Herr hasst ein hochmütiges Herz. Und Petrus schreibt in 1. Petrus, wo er eigentlich geistliche Führer anspricht: „Umkleidet euch mit Demut [...]! Denn Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade. Demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zur rechten Zeit.“

Es ist also grundlegend für den Text, dass er sagt, habt keine überzogene Meinung von euren Fähigkeiten. Habt keine überzogene Meinung von euren Gaben; statt zu hoch von euch zu denken, solltet ihr vielmehr bescheiden von euch denken, sophronein, soph - das Wort für weise; denkt weise, denkt vernünftig, denkt richtig, seid bei Verstand, denkt nicht zu hoch von euch ... jetzt passt auf ..., aber denkt auch nicht zu niedrig von euch, denkt richtig von euch. Geht nicht umher und sagt: „Oh, ich bin ein Wurm.“ Und wenn jemand sagt „Mensch, du bist wirklich gut in deinem Dienst“, sagt nicht „Ach, das war nichts, es ist wirklich nichts, ich bin nichts, ich bin nur ein Wurm.“ Das ist eine milde Form des Prahlens. Ihr wollt, dass jemand sagt „Ach, du bist wunderbar … du bist wunderbar“ und innerlich sagt ihr euch „Mach weiter so, ich liebe es, ich liebe es.“ Seht ihr das? Denkt nicht zu hoch von euch, hoch ja, aber nicht zu hoch - seid klar bei Verstand. Erkennt eure Grenzen an. Schätzt eure Gaben richtig ein.

Wir versuchen nicht, irgendeine Art von alberner, falscher Demut zu befürworten. Aber es ist ziemlich albern, zu denken, wir seien etwas, wenn wir es nicht sind. In Galater 6,3 heißt es: „Denn wenn jemand meint, etwas zu sein, während er doch nichts ist, so betrügt er sich selbst.“

Ihr wisst also, eines der Dinge, die ihr in eurem Bereich der Gnadengaben lernen wollt, ist, keine überzogene Meinung von euch selbst zu haben oder von euren Gaben. Denkt realistisch, denkt weise. Es gibt keinen Raum für überzogene Selbstachtung, sei es in der Form von Prahlerei … ich bin einer der Größten … wisst ihr, und ihr könntet eure eigene Bibelschule in eurem eigenen Namen gründen und all das. Habt keine überzogene Meinung von euch selbst. Andererseits solltet ihr auch keine falsche Bescheidenheit an den Tag legen, die besagt: „Ich bin nichts, ich bin ein Wurm.“ Und in Wirklichkeit wollt ihr, dass die Leute euch aufbauen. Beides ist nicht akzeptabel.

Ein wenig Hintergrund könnte hier hilfreich sein. In der frühen Gemeinde, und das sehen wir am deutlichsten in 1. Korinther 12 bis 14, gab es einige Probleme mit Menschen, die Gaben haben wollten, die nach außen hin sichtbar waren, spektakulär waren, nicht wahr? Ich meine, wir waren uns dessen sehr bewusst, als wir 1. Korinther gelesen haben. Und ihr solltet bereit sein, zwischen unserem Text und 1. Korinther hin- und herzuspringen. Ihr könnt Kapitel 12 aufschlagen und euren Finger oder ein Stück Papier dort lassen, damit wir ein wenig hin- und herspringen können, bevor wir fertig sind. Am Ende des Kapitels, in 1. Korinther 12,31, sagt der Apostel zu den Korinthern: „Ihr aber strebt eifrig nach den größeren/auffälligen Gnadengaben, und ich will euch einen noch weit vortrefflicheren Weg zeigen“, nämlich, in Liebe zu leben usw.

Ihr begehrt die auffälligen Gaben, das halte ich für eine sehr gute Übersetzung. Ihr habt eine überzogene Meinung von der Gabe, die ihr eurer Meinung nach haben solltet. Und ihr versucht, euch über das zu erheben, wozu Gott euch eigentlich berufen hat. Vielleicht wie Diotrephes, der der Erste sein möchte. Das war nicht nur in der Gemeinde in Korinth ein weitverbreitetes Problem; wie wir bei Diotrephes sehen, war es dort auch verbreitet, dass Leute die Ersten sein wollten. Und wir können davon ausgehen, dass es in Rom notwendig war, dieselben Probleme anzugehen; dass es nicht Leute geben sollte, die ständig umhergehen und versuchen, Lehrer zu sein.

Jakobus befasst sich mit demselben Thema. Er sagt in Jakobus 3: „Werdet nicht in großer Zahl Lehrer […], da […] wir ein strengeres Urteil empfangen werden!“ Mit anderen Worten, seid gewarnt, dass ihr euch mit den Gaben zufriedengeben müsst, die Gott euch gegeben hat. Unterschätzt sie nicht, aber überschätzt sie auch nicht.

Lasst uns unsere Gedanken jetzt irgendwie zusammenzufassen – ich habe versucht, das zu durchdenken und hoffe, es funktioniert. Die falschen Einstellungen zu den Gnadengaben könnten in fünf Kategorien zusammengefasst werden. Erstens wäre es falsch, eine prominente Gabe prahlerisch einzusetzen. Das würde bedeuten, ihr denkt höher von euch selbst, als ihr es tun solltet. Das ist die pompöse Ausübung einer wahren Gabe. Gott hat euch eine bestimmte Gabe verliehen und ihr habt sie auf arrogante Weise verwendet. Ihr wollt, dass die ganze Welt weiß, dass ihr gut bei dem seid, was ihr tut und dass Gott euch segnet und ihr rühmt euch ständig selbst, redet über euch selbst, setzt euch für eure eigene Sache ein und so weiter. Ihr habt sogar das Gefühl, dass ihr jedem anderen Menschen überlegen seid und ihr seid wie in 1. Korinther 12. „Das Auge kann nicht zur Hand sagen: ‚Ich brauche dich nicht!‘ oder das Haupt zu den Füßen: ‚Ich brauche euch nicht!‘“ Mit anderen Worten verbirgt sich dahinter der Gedanke, dass nur ihr alleine wichtig seid, dass ihr eure auffällige Gabe prahlerisch einsetzt.

Eine weitere sündhafte Einstellung besteht darin, den Wert der Gabe in falscher Demut abzuwerten. Wenn ihr wisst, dass ihr eine prominente Gabe habt, dass es eine sehr einzigartige Gabe ist, eine von Gott gesegnete Gabe, dass es eine effektive Gabe ist, ihr aber falsche Demut vortäuscht und wollt, dass Leute euch auf den Rücken klopfen und euch aufbauen und euer Ego ein wenig streicheln - das ist ebenfalls eine inakzeptable Einstellung. Ich glaube, das ist etwas, was uns häufig unterkommt.

Ich musste mich bereits früh in meinem Dienst damit auseinandersetzen, wenn Leute zu mir an die Tür kamen und sagten: „Was für eine wunderbare Predigt … das hat mir wirklich gut gefallen … ich wurde errettet.“ Und dann sagte ich zu mir: „Nun, wie reagiere ich darauf? Soll ich sagen ‚Ach, das war nichts, es war rein gar nichts, es war nicht so, wie es sein sollte, ich schäme mich dafür, bitte bete für mich, liebe Schwester?‘“ Also lernte ich einfach, mich zu bedanken, das ist alles, und mich alleine mit dem Hochmut in meinem Herzen auseinanderzusetzen, statt mein Problem zu dem Problem eines Anderen zu machen. Wenn ich damit nicht umgehen kann, ist das mein Problem, nicht das Problem eines Anderen.

Ich brauch also nur „Danke“ zu sagen. Das ist alles. Vielen Dank. „Ich schätze deine Liebenswürdigkeit mir gegenüber. Ich weiß es zu schätzen, dass Gott mich benutzt hat.“ Das reicht … das reicht. Und wenn ihr gar nichts sagt, ist das auch in Ordnung. Es ist nicht so, als ob ich das von euch hören müsste; ich schätze es, wenn ihr es sagt. Und dann muss ich mich mit den Konsequenzen auseinandersetzen. Und ich muss mich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass ich vielleicht in meinem Kopf höre: „Weißt du, sie hat recht, das war wirklich großartig.“ Das ist mein Problem, nicht euers. Tut euch keinen Zwang an. Ich würde mich lieber mit diesem Problem auseinandersetzen, als das nie tun zu müssen, verstanden?

Es gibt eine dritte falsche Einstellung zu einer Gabe - nicht die prahlerische Ausübung der Gabe oder falsche Demut, die den Wert einer prominenten Gabe herabsetzt, sondern eine prominente Gabe vorzutäuschen. Mit anderen Worten habt ihr keine prominente Gabe, aber ihr tut so, als hättet ihr eine und versucht, etwas zu sein, was ihr nicht seid. Wie in 1. Korinther 12, wo der Fuß das Auge sein will, nicht wahr? Mit anderen Worten seid ihr unzufrieden mit dem, was ihr seid, und wenn ihr etwas ganz Bestimmtes nicht tun könnt oder auf eine ganz bestimmte Weise von Gott benutzt werden könnt, brecht ihr einfach eure Zelte ab und macht euch heimlich in der Nacht davon, wie ein Araber. Das ist inakzeptabel.

„Sind etwa alle Apostel?“, 1. Korinther 12,29, „Sind etwa alle Propheten? Sind etwa alle Lehrer? Haben etwas alle Wunderkräfte? Haben alle Gnadengaben der Heilungen? Reden alle in Sprachen? Können alle auslegen?“ Ihr aber strebt nach den auffälligeren Gaben.

Seht ihr, in der frühen Gemeinde gab es eine Tendenz, diese Dinge zu wollen. Selbst heutzutage ist es ebenso schwer, einfach zu sagen: „Nun, ich habe eine Gabe, die nicht so auffällig ist, ich habe eine Gabe, die nicht so öffentlich sichtbar ist, ich habe eine Gabe, die im stillen Dienst, in Hilfestellung, im Erweisen von Barmherzigkeit, im Stillen von Bedürfnissen besteht, und niemand weiß davon und ich wünschte, ich könnte ein bisschen mehr im Rampenlicht stehen.“ Das ist falsch. Es gibt heutzutage viele Menschen, die nach Gaben streben, die sie nicht haben, und angebliche Gaben zur Schau stellen, die nur vorgetäuscht sind, das ist alles. Das ist eine falsche Einstellung.

Eine weitere falsche Einstellung, die sehr gut zu der anderen passt, besteht darin, eine unauffällige Gabe aus Neid nicht zu nutzen, und das steht in direktem Zusammenhang damit. Es gibt Leute, die eine prominente Gabe haben wollen und sie vortäuschen und sie tun das in der Regel, weil sie unzufrieden sind mit der Gabe, die sie haben, und neidisch auf die Gabe eines Anderen. Das ist falsch. Wenn es nicht diese Gabe sein kann, werde ich keine Funktion ausüben. Wenn der Fuß sagt, ich bin nicht das Auge, werde ich nichts tun - Nein, nein - das ist inakzeptabel.

Was sind also die falschen Einstellungen? Eine wäre, eine prominente Gabe prahlerisch auszuüben. Die zweite wäre, sich selbst in falscher Demut herabzusetzen, wenn ihr eure Gabe einsetzt. Die dritte wäre, eine prominente Gabe vorzutäuschen, als hättet ihr sie, wenn ihr sie in Wirklichkeit nicht habt. Eine weitere wäre, eine unauffällige Gabe nicht einzusetzen, weil ihr neidisch auf andere Leute seid und eure Gabe deshalb einfach abgelegt habt und sie als unbedeutend empfindet. Ihr seht hier also die Sünden der Überschätzung und der Unterschätzung, nicht wahr?

Aber es gibt noch eine fünfte falsche Einstellung und die besteht darin, eure Gabe überhaupt nicht einzusetzen ... sie einfach abzuschalten. Und das ist es, worum es hier wirklich geht. Deshalb sagt Paulus ab der Mitte von Vers 6: „Wenn wir Weissagung haben, [so sei sie] in Übereinstimmung mit dem Glauben; wenn wir einen Dienst haben, [so geschehe er] im Dienen; wer lehrt, [diene] in der Lehre; wer ermahnt, [diene] in der Ermahnung; wer gibt, gebe in Einfalt; wer vorsteht, tue es mit Eifer; wer Barmherzigkeit übt, mit Freudigkeit.“

Mit anderen Worten, egal, welche Gabe ihr habt …was?... nutzt sie, nutzt sie. Spielt keine Spiele mit eurem Ego. Überschätzt euch nicht und prahlt. Unterschätzt euch nicht und sagt: „Nun, ich brauche nichts zu tun, wer bin ich denn schon? Ich bin nichts, meine Gabe ist minimal.“ Derartige Einstellungen sind verheerend für den Leib Christi, sie richten Schaden an. Denkt nicht höher von euch, als ihr es tun solltet, sondern denkt weise – nicht mehr und nicht weniger. Eine ausgewogene Einschätzung eurer Gaben.

Ich vermute, die Menschen haben „Demut“ auf viele unterschiedliche Weisen definiert, aber die meisten Leute denken, demütige Menschen seien irgendwie sanftmütig, ruhig, stehen am Rande, unsichtbar … man weiß nichts über sie und nimmt deshalb das Beste an. Wisst ihr, was ich meine? Ach, er ist so ein demütiger Mensch, er sagt nie ein Wort. Vielleicht ist das keine Demut, sondern einfach nur Dummheit. Vielleicht weiß dieser Mensch einfach nur nichts und hat nichts beizutragen. Ihr versteht das, oder? Demut ist offensichtlich keine Überschätzung, aber auch keine Unterschätzung, sondern die richtige Einschätzung. Demut bedeutet, sagen zu können: „Ja, Gott hat mir Gaben gegeben. Gott sei gesegnet, er hat mir eine Möglichkeit gegeben, ihm für seine Ehre zu dienen. Ich danke ihm, dass du das erkennst. Ich preise seinen Namen.“ Paulus scheut sich nicht davor, zu sagen: „Ich bin ein Apostel Jesu Christi durch Gnade. Und ich scheue mich nicht, zu sagen, dass Gott mir Gaben gegeben hat, das Wort Gottes durch seine Gnade zu vermitteln … nicht, weil ich diese Gabe verdiene oder sie mir erarbeitet habe, sondern nur aufgrund seiner Gnade.“ Ich erkenne das, ihr erkennt das, wir müssen uns ehrlich und ohne Stolz damit auseinandersetzen … aber auch ohne falsche Demut.

Einige von euch haben vielleicht eine Gabe, die euch so geringfügig erscheint und dennoch von so entscheidender Bedeutung ist, wie es in 1. Korinther 12 heißt; manche der weniger attraktiven Organe sind wichtiger. Ihr könntet vielleicht eine schöne Nase habe, aber auf die könntet ihr auch verzichten, oder ihr habt ein hässliches Herz, aber auf das könnt ihr nicht verzichten. Unsere Einschätzung sollte also im Einklang damit sein, wie Gott die Sache sieht, nicht, was wir als wichtig betrachten.

Wie könnt ihr eure Gabe aber richtig erkennen? Geht einmal zurück zu Vers 3. Wie erkennt ihr sie richtig? Ihr betrachtet und messt eure Gabe gemäß dem Maß des Glaubens, das Gott jedem Einzelnen zugeteilt hat. Das ist eine sehr wichtige Aussage. Egal, welche Gabe ihr habt, wer hat sie euch gegeben? Wer hat sie euch gegeben? Gott hat sie euch zugeteilt. Das Wort hier ist buchstäblich „dem Gott das Maß des Glaubens zugemessen hat.“ Welche Gabe auch immer wir haben, Gott hat sie uns zugemessen. Ich sage euch, das ist ein überwältigender Gedanke. Ich übe die Funktion, die ich im Werk des Herrn habe, nicht so aus, wie ich es tue, weil ich eine theologische Hochschule besucht habe. Ich kann meine Aufgabe besser verrichten, weil ich eine theologische Hochschule besucht habe, aber wenn ich das nicht getan hätte, hätte ich die Gabe, die Gott mir gegeben hat, nicht wahr? Diese Gabe wurde souverän von Gott durch seinen Geist verliehen. Was auch immer ich habe, habe ich also bekommen, weil es ein Geschenk Gottes ist. Ich möchte alles tun, was ich kann, um diese Werkzeuge zu veredeln und zu schärfen, aber diese Gaben sind Gottes Gaben für mich.

Dadurch wird mein Leben zu einer Verwalterschaft, nicht wahr? Das sagt mir, wie wichtig es ist, mich Gott vollkommen zu ergeben. Er hat mir eine Gabe gegeben, die ich zu seiner Ehre einsetzen soll, um sein Reich voranzubringen. Er hat euch eine Gabe gegeben, die ihr zu seiner Ehre einsetzen sollt, um sein Reich voranzubringen. Wenn ihr das maximale Potenzial jener Gabe jemals entdecken wollt, wenn ihr alles sehen wollt, was Gott mit dieser Gabe machen kann, müsst ihr damit beginnen, ihm euer ganzes Ich zu geben. Und dann werdet ihr sehen, was mit dieser Gabe geschehen wird. Sie gehört Gott. Er hat sie euch gegeben. Er wird sie durch sein eigenes, souveränes Design maximieren.

Wenn ich die Aussage „wie Gott jedem einzelnen [...] zugeteilt hat“ lese, sagt mir das ein paar sehr wichtige Dinge, die ich nicht vergessen darf. Erstens sollte man nie nach einer Gabe … was? … streben. Wir sollten nie nach einer Gabe streben. Gaben werden souverän von Gott gegeben. Gaben werden souverän von Gott gegeben.

In 1. Korinther 12, diesem sehr vertrauten und hilfreichen Vers, Vers 11, mit dem ihr sicherlich vertraut seid, lesen wir: „Dies alles“, er redet hier von all den verschiedenen Gaben, „wirkt ein und derselbe Geist“, hier kommt die Aussage, „der jedem persönlich zuteilt, wie er will.“ Der Heilige Geist teilt die Gaben zu, wie er will … wie er will. Vers 7: „Jedem aber wird das offensichtliche Wirken des Geistes“, das ist die Gabe, „[…] verliehen.“ Es gibt eine göttliche Quelle für alle Gaben.

Übrigens ist das Wort, das in 1. Korinther 12,11 mit „persönlich“ übersetzt wird, das Wort idios, von dem wir „Idiot“ ableiten. Ein Idiot … das bedeutet im Prinzip „einzigartig“. Es bedeutet, dass es niemanden wie ihn gibt, der Einzige, das bedeutet es eigentlich, der Einzige seiner Art. Und so wurden uns unsere Gaben zugeteilt. Der Heilige Geist hat jedem Menschen etwas Einzigartiges zugeteilt, ganz nach seinem [des Geistes] Willen.

Die erste Sache, die ich aus Vers 3 also gelernt habe, die Implikation, die mich so sehr beeindruckt hat, ist, dass ich nicht von mir aus nach einer Gabe streben soll, wenn doch Gott derjenige ist, der die Gaben gemäß seinem eigenen souveränen Willen austeilt und zumisst. Das ist der Schrift vollkommen fremd. Das wird nirgendwo gelehrt.

Zweitens, wenn der Herr jedem von uns diese Gaben gegeben und zugeteilt hat, dann sollte keine Gabe ungenutzt bleiben, nicht wahr? Keine Gabe sollte ungenutzt bleiben. Warum? Sie wird uns von Gott zu seiner Ehre gegeben, um sein Reich voranzubringen, seine Gemeinde, um seinen Namen zu lobpreisen. Und das steht in 1. Korinther 12, Vers 18: „Nun aber hat Gott die Glieder […] eingefügt …“ Gott hat jedes einzelne Glied so im Leib eingefügt, wie er es gewollt hat. Und jedes Glied ist da, weil es Gott gefällt. Was immer eure Gabe ist, es gefällt Gott, dass er euch diese Gabe gegeben hat. Und er will diese Gabe nutzen, was für ein wunderbarer Gedanke. Schmälert den Wert dieser Gabe also nicht. Hinterfragt nicht, warum Gott euch diese Gabe gegeben hat und lasst diese Gabe, zu Gottes Ehre, nicht brachliegen. Das ist so wichtig. Keine Gabe sollte ungenutzt bleiben und niemand sollte nach einer Gabe streben. Warum? Weil Gott sie als Gaben seiner Gnade zu seiner Ehre in seinem Reich zugeteilt hat.

Wie hat er sie zugeteilt? Schaut noch einmal auf Vers 3: „[Er hat] jedem einzelnen das Maß des Glaubens zugeteilt.“ Er hat das Maß des Glaubens zugeteilt. Ihr könnt das sehr einfach betrachten. Ihr habt einen Messbecher und eine Tasse, die eine bestimmte Menge enthält. Alle Tassen sind gleich groß. Eine Person bekommt diese Menge in seine Tasse; eine weitere Person bekommt eine andere Menge und eine dritte Person noch eine andere Menge. Mit anderen Worten, das Maß ist für jeden Menschen anders. Er teilt es jedem von uns individuell zu, für jeden einzigartig, ein überwältigender Gedanke. Wir sind geistliche Schneeflocken, wie ich schon so oft gesagt habe. Keine zwei Menschen sind identisch. Und wir sagen: „Ach, weißt du, ich kenne viele Leute, die die Gabe der Lehre haben, oder viele Leute, die die Gabe der Hilfeleistung haben, und dennoch ist jeder von ihnen vollkommen einzigartig … vollkommen einzigartig.“ Das liegt daran, dass jedem von uns ein Maß des Glaubens zugeteilt wurde.

Von welchem Glauben redet er hier? Es ist nicht rettender Glaube, denn rettender Glaube wird nicht jedem in unterschiedlichem Maße zugeteilt, nicht wahr? Rettender Glaube ist immer gleich – ich setze mein ganzes Vertrauen in Jesus Christus. Das ist hier auch nicht der Kontext. Nun, was ist es? Es ist im Prinzip die Art und Menge des Glaubens, die erforderlich ist, um unsere Gabe auszuüben. Wenn ich zum Beispiel die Gabe des Lehrens und Predigens habe, gibt Gott mir den Glauben, den ich brauche, um diese Gabe zu nutzen. Um das Wort „Glauben“ etwas zu erweitern, gibt er mir die geistlichen Erkenntnisse, Empfindsamkeiten, Fähigkeiten und das geistliche Verständnis, um diese Gabe zu nutzen.

Wenn ich zum Beispiel jemanden sehe, der die Gabe der Barmherzigkeit hat und sehr empfindsam ist und jemandem unermüdlich zuhören kann, spürt man dort diese wunderbare Wärme des Geistes. Und dann üben sie die Gabe der Barmherzigkeit aus, die sich im Wesentlichen auf Menschen in großer Not erstreckt, wie wir nächste Woche sehen werden. Und ich beobachte das und sage: „Ach, was für ein Segen ist das, was ich da sehe.“

Ich schaue mir Leute an, die Gott uns hier in der Grace Church gegeben hat, die ein weiches Herz haben für Leute, denen es schlecht geht, und deren gesamter Dienst darauf ausgerichtet ist, jene Leute zu erreichen. Und dann sehe ich zum Beispiel Leute, die eine Leidenschaft dafür haben, verlorene Seelen zu Christus zu bringen, und die immer nur ausziehen und evangelisieren wollen, und ich betrachte diese Leute und sage: „Gott sei gesegnet, dass diese Leute diese Fähigkeit haben.“ Und ich betrachte mich selbst und sage: „Aber meine Passion ist eine andere. Meine Passion liegt darin, das Wort Gottes zu verstehen.“ Und das ist der Bereich, in dem Gott mir die Fähigkeiten und Erkenntnisse und das Verständnis gegeben hat. Mit anderen Worten ist das Maß des Glaubens, das er mir zugeteilt hat, genau das Maß des Glaubens, das ich benötige, um die Gabe, die Gott mir zugeteilt hat, auszuüben. Er hat mir nicht eine bestimmte Gabe gegeben ohne die Fähigkeit, sie auszuüben.

Versteht ihr das? Er hat uns nicht eine Gabe gegeben und sie dann souverän eingeschränkt und uns in eine Position ständiger Frustration versetzt. Jemand mit der Gabe des Predigens oder Lehrens braucht die geistliche Fähigkeit, diese Gabe zu maximieren, die Fähigkeit, die Schrift zu verstehen, die Fähigkeit, die Schrift so auszudrücken, dass andere Leute sie verstehen können, sich in das Wort zu vertiefen und die darin enthaltene Bedeutung herauszufinden. Jemand, der die Gabe der Barmherzigkeit hat, braucht die geistliche Erkenntnis, die Worte eines verletzten Menschen zu verstehen und über die Worte hinaus die Schmerzen in dessen Innersten zu erkennen. Und das ist der Glaube, der die Gabe begleitet. Wenn ihr also eine Gabe erhaltet, erhaltet ihr außerdem die notwendige geistliche Fähigkeit, damit ihr diese Gabe ausüben könnt. Ist es nicht fantastisch, das zu wissen?

Er sagt also: „Schätzt eure Gabe richtig ein und schätzt eure geistliche Fähigkeit, die damit einhergeht, richtig ein. Und wenn ihr das richtig eingeschätzt habt und wisst, welche Gabe Gott euch gegeben hat und wenn ihr wisst, dass er euch den dazu erforderlichen Glauben gegeben hat, dann könnt ihr demütig sein, weil ihr wisst, dass es nicht von euch kommt, sondern von ihm, nicht wahr?“ Wir haben das, was wir haben, weil es uns von Gott gegeben wurde. Wir gewinnen ganz gewiss nichts dadurch, dass wir mit unserer Gabe prahlen; dadurch würden wir nutzlos werden. Wir gewinnen nichts durch falsche Demut und wir gewinnen nichts, wenn wir unsere Gabe in ihrer Bedeutung schmälern. Wir werden ganz gewiss nichts gewinnen, wenn wir unsere Gabe nicht nutzen. Manche Leute bringen alle möglichen Ausreden vor, um sie nicht zu nutzen. Wir müssen unsere Gabe ausüben.

Ihr sagt jetzt: „Nun, John, woher weiß ich, welche Gabe ich habe? Ich würde sie ja gerne ausüben. Ich bin voller Eifer, ich bin wie der Typ, der auf sein Pferd sprang und wie verrückt in alle Richtungen davonstob. Woher weiß ich, welche Gabe ich habe?“ Einen Moment noch; ich werde euch schnell neun Dinge nennen. Seid ihr bereit dafür?

Erstens, bringt euch selbst als lebendiges Opfer dar. Okay? Zweitens sollt ihr wissen, dass ihr eine Gabe habt. Drittens, betet um Weisheit – Jakobus 4. Viertens, strebt nach nichts. Fünftens, erforscht eure innersten Wünsche. Was wollt ihr gerne tun? Sechstens, habe ich einen ausgelassen? Bringt euch als lebendiges Opfer dar, wisst, dass ihr eine Gabe habt, betet um Weisheit, strebt nach nichts, erforscht eure innersten Wünsche und sechstens, sucht Bestätigung. Erzwingt die Angelegenheit nicht. Wenn jemand euch immer wieder sagt, dass etwas nicht eure Gabe ist, dann glaubt ihm … glaubt ihm. Siebtens, haltet Ausschau nach Gottes Segen. Haltet Ausschau nach Gottes Segen. Achtens, dient aus ganzem Herzen … dient aus ganzem Herzen, weil ihr die ganze Fülle eurer Gabe nie kennen werdet, wenn ihr euch der Ausübung dieser Gabe nicht völlig hingebt. Und neuntens, wenn ihr der Meinung seid, ihr erkennt allmählich, welche Gabe ihr habt, übt sie aus. Mit anderen Worten, fördert und pflegt diese Gabe, wenn sie allmählich offensichtlich für euch wird.

Ich werde diese Dinge noch kurz durchgehen und dann etwas sagen, das euch hoffentlich dabei helfen wird, die Fäden zusammenzuführen. Bringt euch selbst als lebendiges Opfer dar, wisst, dass ihr eine Gabe habt, also, dass sie da ist und dass Gott euch eine Gabe gegeben hat. Drittens, betet um Weisheit, strebt nach nichts, erforscht eure innersten Wünsche, sucht nach Bestätigung, erkennt den Segen Gottes, dient aus ganzem Herzen und hegt und pflegt die Gabe, wenn ihr sie allmählich erkennt.

Hört mir gut zu. Wenn ihr all das getan habt, werdet ihr es wahrscheinlich unmöglich finden, eure Gabe klar zu benennen. Habt ihr das verstanden? Das ist richtig. Ich mach das schon sehr lange. Wenn ihr mich fragt, welche Gabe ich habe, könnte ich euch das nicht sagen. Ich weiß lediglich, was ich tue. Manchmal predige ich, manchmal lehre ich, manchmal ermahne ich und manchmal versuche ich, die Weisheit der Bibel zu offenbaren. Und ihr könnt all das zusammennehmen und meine Gabe „John MacArthur“ nennen. Das ist alles, was ich weiß.

Ich kenne andere Menschen, die predigen und lehren und ermahnen, aber ihr Dienst unterscheidet sich von meinem. Versteht ihr, was ich sage? Wenn ihr all das getan habt, wenn ihr all diese neun Dinge durchlaufen habt, zählt einzig und allein, dass ihr es tut und dass ihr eine allgemeine Vorstellung davon habt, was ihr tut. Ich kenne zwar die allgemeinen Bereiche der Gaben, die Gott miteinander vermischt hat, um mich zu dem zu machen, was ich bin, aber ich glaube nicht, dass wir die Sache allzu sehr vereinfachen und sagen können: „Ja, all diese 48 Leute haben die Gabe der Lehre ... all diese 63 Leute haben die Gabe der Barmherzigkeit“, und damit ist alles erledigt. So sehe ich das ganz und gar nicht. Ihr habt eine Gabe und sie ist eine Mischung aus allen Kategorien von Gaben zu einer einzigartigen Gabe, die euch unverwechselbar macht, wie Farbe auf einer Palette.

Ihr habt den Künstler gesehen. Er hat alle seine Farben dort, alle Farben, und er beginnt, diese zu vermischen, und genau das tat Gott im Hinblick auf euren geistlichen Dienst, als er euch machte. Er nahm ein wenig hiervon, ein wenig davon, und malte euch und ihr habt einige dominante Bereiche, die mit anderen Bereichen vermischt sind, um euch zu dem zu machen, was ihr seid. Deshalb möchte ich, dass ihr versteht, dass es euch vielleicht schwerfallen wird, eine klare Definition eurer Gabe festzulegen, wenn ihr die ganze Checkliste durchgearbeitet habt und am Ende angekommen seid, weil alles so wunderbar miteinander vermischt ist, dass es schwierig sein wird, das von eurer eigenen Identität zu trennen. Ihr müsst also die richtige Einstellung haben, eine Einstellung der Demut.

Und dann möchte ich mit euch kurz über die richtige Beziehung reden, denn das kennen wir so gut. Verse 4 und 5: „Denn gleichwie wir an einem Leib viele Glieder besitzen“, … er redet hier vom physischen Leib, schaut auf euren Körper, der hat viele Glieder, einen Kopf, Augen, Nase, Mund, Ohren, Zähne, Arme, Beine, Finger, Zehen, alle internen Organe, das sagt er hier. Ihr habt viele Glieder in einem Leib und nicht alle Glieder haben dieselbe Funktion. Hier bedient er sich seiner geliebten Analogie des Leibes, nicht wahr? Er liebt diese Analogie, um die Beziehung von Gläubigen untereinander zu illustrieren. Wir sind ein Leib und dennoch viele Glieder und alle Glieder arbeiten zusammen. Ist das nicht wunderbar? Ich denke nicht einmal darüber nach, aber meine Hände tun impulsiv, instinktiv und sofort genau das, was mein Verstand beiläufig denkt, dass sie tun sollten. Ist das nicht erstaunlich? Ich meine, eure Hände tun dasselbe. Ich sage nicht, dass ich anders bin. Es ist nur erstaunlich, wie alle Glieder des Leibes zusammen funktionieren.

Und in Vers 5 sagt Paulus: „So sind auch wir, die vielen, ein Leib in Christus, und als einzelne untereinander Glieder.“ Wir alle sind Teil eines geistlichen Leibes, ebenso wie die Glieder eines physischen Leibes zusammen agieren. Wir haben ein gemeinsames Leben, gemeinsame Gaben, einen gemeinsamen Dienst, gemeinsame Ressourcen, gemeinsame Freude, gemeinsamen Kummer, alles gemeinsam.

Das betont unsere Einigkeit. Wir sind alle eins. Wir sind alle eins. Wir sind alle eins. Und dennoch sind wir alle anders. Wir sind alle anders. Wir sind alle anders. Ist das nicht wunderbar? Wenn ihr einen Leib habt, der ein Glied hat, das sagt, ich will meine Aufgabe nicht ausführen, habt ihr ein Problem. Und das sagt er hier; alles im Leib muss an einem Strang ziehen. Alles in der Gemeinde muss an einem Strang ziehen. Wenn es Teile der Gemeinde gibt, die ihre Aufgabe nicht erfüllen, leidet der ganze Leib … dann leidet der ganze Leib. Der Schlüssel hier ist Vielseitigkeit.

Ihr seid so vielseitig und ich bin so vielseitig, dass es, wenn wir unsere Gaben nicht ausüben, den Leib lahmlegt. Versteht ihr? Es legt den Leib lahm, weil es jeden von uns immer nur einmal gibt. Ich habe auch nur eins von allem … ich habe ein rechtes Ohr und ein linkes Ohr, ein rechtes Auge und ein linkes Auge, und auch bei den Gliedmaßen, von denen wir zwei haben, gibt es immer nur ein rechtes und ein linkes Glied. Und wenn das eine nicht funktioniert, gibt es nichts, das seinen Platz einnehmen kann. Ich habe nichts, was dessen Aufgabe übernehmen kann. Diese Funktion ist verloren. Vereinte Vielseitigkeit ist also das Kennzeichen der Gemeinde, ebenso wie das Kennzeichen des Leibes.

Zum Abschluss möchte ich euch noch einige Dinge vorlesen, mit denen ich mich diese Woche näher beschäftigt habe, als ich zum dritten oder vierten Mal das Buch Fearfully and Wonderfully Made von Paul Brand gelesen habe, einem herausragenden Chirurgen, der in eine Leprosarium im Süden arbeitet, ein herausragender Arzt, der in unserem Land hohes Ansehen genießt. Er hat ein paar wunderbare Dinge über die Analogie des menschlichen Körpers zum Leib Christi geschrieben. Hört mir nur einmal zu. Ich lese normalerweise keine Sachen vor, aber das hier war so beeindruckend, dass ich dem nicht widerstehen kann.

Doktor Brand beschreibt die Vielseitigkeit der Körperzellen folgendermaßen:

„Als erstes beeindruckt mich ihre Mannigfaltigkeit. Chemisch sind meine Zellen fast alle gleich. Aber im Aussehen und in ihrer Funktion sind sie völlig verschieden. Das sind die roten Blutplättchen, mit Sauerstoff beladen durchwandern sie mein Blut. Die Muskelzellen brauchen diesen Brennstoff, sie sind energiegeladen, glatt und elastisch. Die Knorpelzellen haben einen glänzendschwarzen Kern und halten sich wie ein Bündel zusammen. Die Fettzellen schauen aus wie prallgefüllte Müllsäcke, die sich dicht zueinander halten. Knochenzellen leben in starren Strukturen, die Kraft ausstrahlen. Im Querschnitt ähnelt Knochen Baumringen, bei denen Kraft um Kraft sich überschneidet und Unbiegsamkeit und Robustheit bietet. Ganz anders sind die Hautzellen, sie sind gemustert mit Wellen, voller Zartheit und verleihen unserem Körper Form und Schönheit. Sie wölben sich und ragen in unerwarteten Winkeln heraus, sodass der Fingerabdruck eines jeden Menschen, ganz zu schweigen von seinem Gesicht, einzigartig ist.

Die Aristokraten der Zellwelt sind die Geschlechtszellen und die Nervenzellen. Die Gigantischte ist die Eizelle der Frau, von der sich alle anderen ableiten. Ihre eiförmige Gestalt ist ohne Hilfsmittel gerade für das Auge sichtbar. Es scheint passend, dass alle anderen Zellen im Körper sich von dieser eleganten und ursprünglichen Struktur ableiten sollten. In starkem Kontrast zu der Ruhe des Eis sind die winzigen Samenzellen des Mannes wie eine Kaulquappe, die wie ein Spitzenläufer zum Ei sprintet. Sie kämpfen um ihre Position, als würden sie gegeneinander konkurrieren in dem Bewusstsein, dass nur einer von Milliarden die Ehre zuteilwerden wird, eine Eizelle zu befruchten. Die Königin der Zellen, deren Erforschung ich große Teile meines Lebens gewidmet habe, ist die Nervenzelle. Sie strahlt eine Aura von Weisheit und Komplexität aus. Dünn bildet sie ein riesiges Netzwerk im Körper und verbindet jede einzelne Zelle mit der Zentrale. Ihre Axone übermitteln entfernte Botschaften vom und zum menschlichen Gehirn und können fast einen Meter lang werden. Ich werde nie müde, diese vielfältigen Exemplare anzusehen oder Bücher über Zellen durchzublättern.

Für sich genommen scheinen sie mickrig und komisch konzipiert zu sein, aber ich weiß, dass diese unsichtbaren Teile zusammenarbeiten, um mir das Phänomen des Lebens zu schenken. Jede Sekunde modulieren meine glatten Muskelzellen die Breite meiner Blutgefäße, transportieren sanft Sachen durch meine Eingeweide und öffnen und schließen die ‚Wasserleitungen‘ in meinen Nieren. Wenn die Dinge gut laufen, mein Herz sich rhythmisch zusammenzieht, mein Hirn vor Wissen summt, meine Lymph waschenden müden Zellen, dann verschwende ich kaum einen Gedanken an diese Zellen.

Aber ich glaube, diese Zellen in meinem Körper können mich auch etwas über größere Organismen lehren, über Familien, Gruppen, Gemeinschaften, Dörfer und Nationen. Und besonders über eine spezifische Gemeinschaft von Menschen, die im Neuen Testament mehr als 30 Mal mit einem Leib verglichen wird. Ich spreche hier vom Leib Christi, jenem Netzwerk von Menschen, die über den Planeten verstreut sind und wenig gemeinsam haben, außer ihrer Mitgliedschaft in der Gruppe, die Jesus Christus folgt. Mein Körper bedient sich eines verblüffenden Zoos von Zellen, von denen keine Einzige individuell dem größeren Leib ähnelt. Ebenso enthält der Leib Christi eine ungleichartige Mischung von Menschen – ungleich ist genau das richtige Wort, denn wir sind definitiv nicht wie einander oder derjenige, dem wir folgen, auf dessen Design diese komische menschliche Gestalt beruht, die ganz schwach Gottes Ideale des Leibes als Ganzes reflektiert.

Der Leib Christi, ebenso wie unsere eigenen Leiber, besteht aus individuellen, ungleichen Zellen, die vernetzt sind, um einen Leib zu formen. Er ist das Ganze und die Freude des Leibes steigt, wenn individuelle Zellen erkennen, dass sie anders sein können, ohne isolierte Außenseiter zu werden.“

Und er demonstriert einfach anhand des Körpers auf wunderbare Weise all diese Vielfalt. Dann fährt er fort, über Einheit zu sprechen und bedient sich dazu sehr anschaulicher Sprache. Hört nur einmal auf Folgendes:

„Wodurch arbeiten all diese Zellen zusammen? Was bringt diese hoch spezialisierten Funktionen der Bewegung, des Sehens und des Bewusstseins in Gang durch die Koordination von hundert Billionen Zellen? Das Geheimnis der Zugehörigkeit steckt tief im Innersten jedes Zellkerns, chemisch aufgewickelt in einem Strang der DNS. Sobald eine Eizelle und eine Samenzelle ihre Erbanlagen teilen, teilt sich die chemische Leiter der DNS in der Mitte eines jeden Gens, sowie die Zähne eines Reißverschlusses sich auseinanderziehen lassen. Die DNS reformiert sich jedes Mal, wenn eine Zelle sich teilt - zwei, vier, acht, sechzehn, zweiunddreißig, vierundsechzig, hundertachtundzwanzig - in jeder Zelle steckt die identische DNS, wenn sie sich teilt.

„In diesem Verlauf spezialisieren die Zellen sich, aber jede einzelne enthält die Bedienungsanleitung für hunderttausend Gene. Es wird geschätzt, dass die DNS Anweisungen im ausgeschriebenen Format, 1000 Bücher mit 600 Seiten füllen würde. Eine Nervenzelle funktioniert vielleicht nach den Anweisungen aus Band 4 und eine Niere nach denen aus Band 25, aber beide Zellen tragen alle Bände in sich.“

Und dann schreibt er: „Die DNS ist so schmal und kompakt, dass sämtliche Gene meines Körpers in allen Zellen meines Körpers zusammen in einen Eiswürfel passen würden. Doch wenn die DNS ausgerollt und aneinandergereiht würde, könnte der Strang sich über 400 Mal von der Erde zur Sonne und zurück erstrecken. Die DNS liefert für jede Zelle den akkreditierten Berechtigungsnachweis zur Mitgliedschaft im Leib. Jede Zelle besitzt einen genetischen Code, der so vollständig ist, dass der gesamte Leib von den Informationen, die in jeder beliebigen Zelle des Körpers enthalten sind, wieder zusammengesetzt werden könnte. Ebenso wie der komplette Identitätscode meines Körpers, meiner Haare und jeder einzelnen Zelle alles durchdringt, so durchdringt auch die Realität Gottes jede Zelle in seinem Leib und verbindet uns, die Glieder seines Leibes, mit einem wahren organischen Band. Ich teile die Begeisterung der Gemeinschaft in einem universellen Leib, der jeden Mann und jede Frau einschließt, in denen Gott wohnt.“

Ist das nicht wunderbar? Ebenso wie die DNS in jeder Zelle unseres Leibes wohnt, so wohnt der lebendige Gott, der das Handbuch aller Wahrheit ist, in jeder Zelle innerhalb seiner Gemeinde. In Vers 6 heißt es, wir sind unterschiedlich, wir haben unterschiedliche Gaben, aber wir haben eine gemeinsame geistliche DNS in der Gegenwart des lebendigen Gottes.

Ich möchte mit folgenden Worten von Dr. Brand abschließen:

„Am Hauptbahnhof in Madras, Indien, lag eine Bettlerin, die bedauernswerter war als die anderen, die ich dort sah. Sie hatte sich entlang des Stroms von Passagieren positioniert, die zu ihren Zügen eilten. Geschäftsmänner mit Aktentaschen gingen an ihr vorbei, ebenso wie wohlhabende Touristen und Regierungsbeamte. Wie viele indische Bettler war die Frau ausgemergelt, mit eingefallenen Wangen und Augen und knochendürren Gliedmaßen, aber paradoxerweise wuchs eine große Masse praller Haut, die rund und glatt wie eine Wurst war, aus ihrer Seite. Sie lag neben ihr wie ein formloses Baby und war durch einen breiten Hautlappen mit ihr verbunden. Die Frau hatte ihre Seite mit dieser grotesken Missbildung zur Schau gestellt, um sich in dem Wettstreit um Erbarmen einen Vorteil zu verschaffen.

Obwohl ich sie nur kurz sah, war ich sicher, dass dieser Auswuchs ein Lipom war, ein aus Fettzellen bestehender Tumor. Er war ein Teil von ihr und gleichzeitig auch nicht, als ob ein Chirurg ein Stück Fett aus einem 150kg schweren Menschen herausgeschnitten, in lebendige Haut eingewickelt und geschickt an diese Frau genäht hatte. Sie war am Verhungern. Sie hielt kraftlos eine spinnenhafte Hand für Almosen aus, aber ihr Tumor wuchs und gedieh, er war fast so schwer wie der Rest ihres Körpers und glänzte im Sonnenlicht und strömte den Eindruck von Gesundheit aus, während er ihr das Leben entzog. Fettzellen – der Tumor der Bettlerin in Madras bestand fast ausschließlich aus einer orgiastischen Gemeinschaft von Fettzellen. In unserer figurbewussten westlichen Welt assoziieren wir das Wort ‚Fett‘ mit mangelnder Disziplin und einer unnötigen Anhäufung von Zellen, die reduziert werden sollten.

Aus Sicht des Chirurgen jedoch, der das Skalpell über die Haut zieht und ölige Schichten von Fettzellen freilegt, wird die schlechte Konnotation durch ein Gefühl für den Wert von Fett ausgeglichen.“

Er beschreibt dann, welchen Wert Fett hat. Wir haben Fettzellen, in deren Mitte sich ein kleines Molekül Nahrung befindet. Und wenn der Körper das braucht, setzt er es frei. Er sagt: „Jede Fettzelle ist ein Lager, das ein gelbes Ölkügelchen enthält, welches den Zellkern verdrängt. Meistens schlummert die Zelle, wenn der Körper genügend Nahrung zu sich nimmt, um seine Bedürfnisse zu stillen. In Zeiten der Hungersnot werden Leute mit reichlich Fettzellen in der Lage sein, Ruhe zu bewahren, während andere verhungern. Das ist die strategischste Funktion von Fett.“

Aber: „Manchmal geschieht etwas Gefürchtetes im Körper. Eine Meuterei führt zu einem Fettzellentumor, einem Lipom, wie das, was an der Seite der Bettlerin in Madras hängt. Ein Lipom ist ein geringgradiger, gutartiger Tumor. Er entsteht aus einer einzigen Fettzelle, die in ihrer faulen Rolle der Fettlagerung bewandert ist und gegen die Führung des Körpers rebelliert und sich weigert, ihre Reserven aufzugeben. Sie akzeptiert Einlagen, ignoriert aber Auszahlungsanforderungen. Wenn die Zellen sich vermehren, folgen Tochterzellen der Führung und der Tumor wächst wie ein Pilz, füllt Spalten, drückt gegen Muskeln und Organe, gelegentlich drückt ein Lipom gegen ein lebenswichtiges Organ wie das Auge und verschiebt es oder klemmt einen empfindlichen Nerv ein, sodass eine Operation erforderlich ist.

Ich habe solche Lipomtumore entfernt. Unter einem Mikroskop scheinen sie aus gesunden Fettzellen zu bestehen, zum Bersten voll mit glänzenden Ölen. Die Zellen funktionieren wunderbar, mit einem Fehler – sie sind nicht mehr loyal. Sie lassen bei ihren Aktivitäten die Bedürfnisse des Körpers außer Acht. Und deshalb war die Bettlerin in Madras dabei, allmählich zu verhungern, während ein Lipom, das Teil von ihr war, immer weiter anschwoll.

Ein Tumor wird gutartig genannt, wenn sein Effekt relativ lokal beschränkt ist und er innerhalb der Membrangrenzen bleibt. Aber der traumatischste Zustand im Körper entsteht, wenn unloyale Zellen sich nicht mehr hemmen lassen, sich uneingeschränkt vermehren und wachsen, sich schnell im ganzen Körper verbreiten, normale Zellen ersticken und weiße Zellen, die gerüstet sind, um Eindringlinge von außen abzuwehren, die körpereigenen aufständischen Zellen nicht angreifen. Ärzte fürchte keine andere Fehlfunktion mehr; man nennt sie ‚Krebs‘“.[2]

Diese Illustration ist sehr anschaulich. Auch im Leib Christi gibt es rebellische Zellen. Einige von ihnen sind gutartig in dem Sinne, dass sie die Gemeinde letztendlich nicht zu töten scheinen, sie übersättigen sich einfach, nehmen und nehmen, ohne jemals etwas zu geben, sodass die Gemeinde ausgemergelt wird und nicht funktionieren kann, während diese Leute einfach nur immer fetter werden wollen. Sie gehen mit folgender Einstellung an die Sache ran: Was kannst du für mich tun? Was kannst du mir geben? Was kann ich bekommen? Und sie nehmen und nehmen und nehmen und geben nie etwas zurück und die Gemeinde wird geschwächt und geschwächt und geschwächt, immer weiter.

Und dann gibt es jene, deren Zellen rebellisch sind, bis zu dem Punkt, wo sie die Gemeinde buchstäblich töten, weil sie offen dagegen rebelliert haben. Die Gemeinde ist immer beiden Gefahren ausgesetzt; den faulen Fettzellen, die die Gemeinde im Prinzip ihrer Nützlichkeit, ihrer Kraft und ihrer Ressourcen berauben, und den bösartigen Krebszellen, die ihr Leben zerstören.

Wir wollen weder das Eine noch das Andere sein, nicht wahr? Wir wollen lebendige, gesunde Zellen sein, die zur Ehre Gottes funktionieren und für einen gesunden Leib Christi. Lasst uns unsere Köpfe zum Gebet neigen.




[1] Auf: http://puritanum.wordpress.com [Entschlossen – Die „Resolutions“ von Jonathan Edwards auf deutsch – aus: Jonathan Edwards‘ Resolutions, R&R Publishing, S. 17-26]

[2] Ein kleiner Teil der Übersetzung dieses Textes stammt von: www.vandenbos.at/fcgwien/070310.pdf (Andacht von Pastor Walter Bösch).