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Stein um Stein, Teil 2 (German)

Römer 12:10-12 November 18, 1984 de45-94

Heute Abend wenden wir uns wieder Römer Kapitel 12 zu und werden die Verse 9 bis 21 betrachten. Wir sind dabei, diesen wunderbaren Abschnitt über die Pflichten praktisch gelebten Christentums durchzuarbeiten. Wir müssen das in kleinen Schritten tun, weil in diesen Dinge, die der Apostel Paulus zu sagen hat, so viel enthalten ist.

Gelegentlich lese ich gerne Biografien von Christen aus früheren Zeiten. Wie das Christentum in der Gegenwart ist, weiß ich recht gut, und wie es in der Zukunft sein wird, weiß ich nicht. Aber ich gehe gern in die Vergangenheit zurück, um zu sehen, welche Parallelen oder Vergleiche es gibt und was ich von Anderen lernen kann. Deshalb hole ich gelegentlich einige meiner älteren Bücher heraus, die entweder Skizzen oder biografische Betrachtungen von Menschen aus früheren Zeiten enthalten, um herauszufinden, was sie motivierte, wie sie mit dem Herrn gewandelt sind, was sie gelernt haben, wie sie gelebt haben und so weiter. Dabei habe ich über einen wunderbaren, sehr barmherzigen und geschätzten Heiligen Gottes names Robert C. Chapman gelesen, der vor langer Zeit in England lebte. Ich vermute, heutzutage ist er fast niemandem bekannt. Aber er war ein Freund eines Mannes namens J.N. Darby und dieser J.N. Darby war einer der frühen Anführer der Brüderbewegung in Plymouth. Viele von euch, die der Brüderbewegung entstammen, haben sogar zahlreiche Schriften von Darby gelesen. Er hatte großen Einfluss auf C.I. Scofield, der für die Scofield-Bibel und viele andere Dinge verantwortlich war. Die Central American Mission, das Dallas Seminary und viele andere Dinge sind auf diesen Mann zurückzuführen.

Aber Chapmann war ein interessanter Mann, ein Freund von Darby. Er schrieb bei einer Gelegenheit: „Es gibt viele, die Christus predigen, aber nicht sehr viele, die Christus leben. Mein großes Ziel wird sein, Christus zu leben.“[1] Und Darby sagte über ihn: „Er lebt das aus, was ich lehre.“ Was für eine Belobigung. Er lebt das aus, was ich lehre.

Ein weiterer Heiliger Gottes, über den ich gern lese und dessen Schriften ich gerne lese, insbesondere sein Werk über die Gleichnisse, ist ein Mann namens William Arnot. Man sagte von ihm: „Seine Lehre ist gut. Seine Schriften sind besser. Aber sein Leben ist am allerbesten.“ Und das sollte auf uns alle zutreffen, nicht wahr? Dass wir das ausleben, was wir lernen, und das das Beste an uns unsere Lebensweise sein sollte. Warum? Weil das Christentum vor allen anderen Dingen eine Lebensweise ist. Christentum ist eine Lebensweise. Es ist ein Lebensstil. Es ist ein Lebensmuster. Es ist ein Lebensprinzip. Unsere Beziehung zu Gott ist nicht im Reinen, wenn dieses Lebensprinzip fehlt. Sie kann es nicht sein.

Wir kommen also zu Römer Kapitel 12,9-21, in diesem überaus praktischen Abschnitt über die richtige Lebensweise, über die christliche Lebensweise. Es ist ein praktischer Abschnitt – praktischer als alle anderen Abschnitte im Römerbrief. Er ist sehr einfach. Er ist sehr einfach zu verstehen. Ich kann nur sehr wenig zu eurem Verständnis dieses Abschnittes beitragen, denn das, was Paulus sagt, ist wirklich offensichtlich. Ich kann lediglich versuchen, den Text zu bereichern, auszuschmücken und zu ermahnen. Aber die Lebensweise, zu der Paulus uns aufruft, ist nicht normal. Sie ist unnatürlich. In gewisser Weise ist sie nicht menschlich. Für die Nicht-Wiedergeborenen ist sie unnatürlich. Für die Nicht-Wiedergeborenen ist sie nicht normal. Es ist nicht etwas, wozu Menschen sich eigenständig entschließen können, diese Art von Leben. Es ist eine übernatürliche Lebensweise. Es ist eine Lebensweise, die nur dann auftritt, wenn sie vom Geist Gottes angetrieben wird. Nur diejenigen, die die ersten elf Kapitel des Römerbriefs durchlebt haben, können so leben, wie Kapitel 12 es verlangt, denn erst, wenn ihr gerechtfertigt wurdet, erst, wenn ihr Jesus Christus erkannt habt und sein Geist in euch wohnt, erst, wenn das Lebensprinzip Gottes in eurer Seele wohnt, könnt ihr auf diese Weise leben. Alles, was wir in den ersten elf Kapiteln und im ersten Teil von Kapitel 12 über Hingabe gelernt haben, soll uns also darauf vorbereiten, so zu leben. Wie ich schon im Laufe der Jahre hier in meinem Dienst bei Grace gesagt habe, das Ziel sämtlicher Theologie besteht letztendlich darin, dass wir zur Ehre Gottes leben; jegliche Lehre soll in der passenden Pflicht und im passenden Dienst resultieren. Hört euch einmal den Text in 2. Korinther 7,1 an. Vielleicht empfindet ihr die Wahrheit, die dort vermittelt wird, irgendwie als vertraut. „Weil wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so wollen wir uns reinigen von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes zur Vollendung der Heiligkeit in Gottesfurcht.“ Was er dort sagt, ist einfach das, was Paulus in Kurzform sagt: „Weil wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte.“ Mit anderen Worten, aufgrund all der Dinge, die Gott uns verheißen hat, sollen wir Folgendes tun: „So wollen wir uns reinigen von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes zur Vollendung der Heiligkeit in Gottesfurcht.“ Schlagt einmal kurz Epheser Kapitel 2 auf. Dort werdet ihr dasselbe finden. Das ist ein sehr vertrauter Abschnitt. In Vers 4 geht es darum, dass Gott reich ist an Erbarmen und uns mit seiner großen Liebe geliebt hat. In Vers 5 hat er uns aus Gnade mit Christus lebendig gemacht. Er hat uns errettet. In Vers 6 hat er uns mitauferweckt und mitversetzt in die himmlischen [Regionen] in Christus Jesus. Er hat sich in seiner souveränen Barmherzigkeit entschieden, den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade in Güte an uns in Christus Jesus zu erweisen. Denn aus Gnade sind wir errettet durch den Glauben, Gottes Gabe ist es usw. Gott hat all das getan und in Vers 10 heißt es: „Denn wir sind seine Schöpfung, erschaffen in Christus Jesus“, … jetzt kommt’s …, „zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.“ Mit anderen Worten soll unsere Errettung in unserem Leben zu einem gewissen Muster der Gerechtigkeit und einer gewissen Lebensweise führen.

Ein junger Mann aus der Marine hat heute früh unseren Gottesdienst besucht. Er hatte über Bandaufnahmen und einige Bücher und andere Dinge von unserem Dienst gehört. Er wollte uns sehr gerne besuchen und sagte zu mir: „Ich möchte dir eine sehr wichtige Frage stellen. Wie weiß man, ob man wirklich ein Christ ist und dass es sich nicht nur um etwas vorübergehendes Emotionales handelt, das irgendwann in der Vergangenheit geschehen ist? Wie weiß man das wirklich?“

Ich antwortete: „Das kannst du nur wirklich wissen, indem du dein Leben betrachtest und guckst, was du dort vorfindest.“ Das ist der einzige Weg. Wenn ihr bereits gerechtfertigt wurdet, das heißt vor Gott gerecht seid, dann wird sich dass durch Heiligung äußern, also durch ein lebendiges Muster der Gerechtigkeit und Heiligkeit. Und obwohl ihr nicht alles davon seht, was ihr gerne sehen würdet, seht ihr, dass es vorhanden ist, und es ist Ausdruck des tiefsten Verlangens eures Herzens.

Wir haben also Gottes Gnade empfangen, haben sie empfangen, damit wir ein gehorsames, gottesfürchtiges Leben führen, damit wir andere zu Gott führen und damit wir Gottes Lob darbringen, der uns von Kindern der Finsternis zu Kindern des Lichts machen kann, von denjenigen, die dem Teufel dienen, zu denjenigen, die Gott dienen. Seht ihr, wenn ihr ein gottesfürchtiges Leben führt, bringt ihr demjenigen Ehre, der euch verwandelt hat, und ihr macht demjenigen, der euch verwandelt hat, für andere attraktiv, und er bekommt die Ehre dafür und ihr werdet wegen eures Gehorsams gesegnet und dann verherrlicht ihr ihn für den Segen, den ihr empfangt. Der Herr hat uns also erlöst, damit wir unser Leben auf ganz bestimmte Weise führen, um das Christentum praktisch auszuleben.

Schlagt jetzt bitte einmal den Philipperbrief auf. Ich möchte diesen Text, der so oft missverstanden wird und einige von euch bei der Lektüre vielleicht verwirrt hat, mit euch durchgehen. In Philipper 2,12 lesen wir Folgendes: „Darum, meine Geliebten, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch vielmehr in meiner Abwesenheit, verwirklicht eure Rettung mit Furcht und Zittern.“

Manche von euch haben mir erzählt, dass das bedeutet, wir müssen für unsere Errettung arbeiten. Mit anderen Worten sind wir mit an unserer eigenen Errettung beteiligt. Und manche sind erschüttert durch das, was in diesem Vers steht, dass wir unsere Rettung verwirklichen sollen, nachdem wir doch gerade Epheser 2 gelesen haben, wo steht, dass wir nicht aufgrund unserer Werke errettet wurden. Ist das ein Widerspruch? Sagt er an einer Stelle, Errettung beruht nicht auf Werken, und an einer anderen Stelle, wir sollen sie verwirklichen? Was ist mit diesem schwierigen Vers wirklich gemeint?

Lasst uns dafür zum Philipperbrief zurückgehen, um uns einen guten Einstand zu verschaffen. Geht einmal zurück zu Kapitel 1,27. Dort sagt er Folgendes: „Nur“, und das ist die wichtigste Ermahnung, „führt euer Leben würdig des Evangeliums von Christus.“ Seht ihr, was er dort sagt? Wenn ihr behauptet, vom Evangelium erlöst worden zu sein, dann sollte euer Verhalten das auch reflektieren. Er sagt zu den Philippern: „Nur führt euer Leben würdig des Evangeliums von Christus, damit ich, ob ich komme und euch sehe oder abwesend bin, von euch höre, daß ihr fest steht in einem Geist und einmütig miteinander kämpft für den Glauben des Evangeliums“ und so weiter.

Anders ausgedrückt sagt er: „Schaut, wenn ihr wirklich errettet seid, dann sollte das in eurem Verhalten offensichtlich sein, ob ich nun da bin oder nicht. Euer Verhalten sollte so aufrichtig und wahr sein, dass es nicht durch meine Gegenwart überwacht werden muss. Egal, ob ich nun anwesend bin oder nicht, sollte euer Verhalten immer noch des Evangeliums würdig sein.“

Achtet einmal auf Kapitel 2,5. Dort sagt Paulus: „Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war.“ Seid wie Christus. Denkt wie Christus. Habt ein ebenso demütiges Herz wie Christus. Und dann beschreibt er das, nicht wahr, in Versen 6 bis 11. Es war eine Einstellung der Demut. Vers 6: „Der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen; und in seiner äußeren Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tod am Kreuz.“ Er erniedrigte sich selbst, er erniedrigte sich für uns. Und in Vers 9 heißt es: „Darum hat ihn Gott auch über alle Maßen erhöht und ihm einen Namen verliehen, der über allen Namen ist, damit in dem Namen Jesu sich alle Knie derer beugen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen, daß Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“

Paulus sagt also, eure Gesinnung sollte so sein wie die von Christus. Es war eine Gesinnung der Demut. Es war eine Gesinnung der Unterordnung. Solch eine Gesinnung solltet ihr haben.

In Philipper 2,12 lesen wir Folgendes: „Darum, meine Geliebten, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch vielmehr in meiner Abwesenheit, verwirklicht eure Rettung mit Furcht und Zittern.“ In diesem Kontext ist es sehr deutlich, was er damit meint. Hört mir jetzt gut zu, weil ihr durch das Evangelium zu Christus gehört, wie wir in Kapitel 1,27 erfahren haben, weil ihr durch das Evangelium zu Christus gehört ... Zweitens, weil Christus in seinem demütigen Gehorsam gegenüber Gott euch ein Vorbild war, wie ihr in demütigen Gehorsam gegenüber Gott leben sollt … Christus hat euch die Belohnung für diesen Gehorsam gezeigt in Versen 9 bis 11. In Versen 5 bis 8 ist er gehorsam und in Versen 9 bis 11 erhält er die Belohnung dafür, nicht wahr? Er erniedrigte sich und Gott tat was? Er erhöhte ihn. Da ihr zu Christus gehört, da er euer Vorbild ist, da ihr seht, was mit jemandem geschieht, der gehorsam ist, da ihr immer gehorsam wart, Geliebte, seid nun weiterhin gehorsam, das wird hier impliziert, ob ich nun anwesend bin oder nicht. Sie waren in Philippi gehorsam gewesen. Aber ihr Gehorsam war zweifelsohne ein Gehorsam, der stark auf Paulus gestützt war. Wenn er anwesend war, gab er das Tempo vor. Wenn er anwesend war, lehrte er, ermahnte er, forderte er heraus, half er, konfrontierte er, beantwortete er ihre Fragen, löste er ihre Probleme und entwirrte er ihre Dilemmas. Aber hier, und in Kapitel 1,27, sagt er Folgendes zu ihnen: „Jetzt, wo ich nicht bei euch bin, sollt ihr nicht weniger gehorsam sein. Ihr wart immer gehorsam in meiner Gegenwart, jetzt bleibt genauso gehorsam in meiner Abwesenheit, damit es nicht nur ein Frage der Überwachung durch mich ist. Lasst euren Gehorsam von innen kommen und lasst ihn“, und jetzt kommt eines der wichtigsten Dinge am Ende von Vers 12, „voller Furcht und Zittern sein.“

Mit anderen Worten, da Gehorsam so eine ernsthafte Angelegenheit ist, übt euren Gehorsam mit Furcht und Zittern aus, nicht Furcht vor mir, nicht Zittern vor mir, sondern vor Gott - ehrfürchtig, aus ganzem Herzen, demütig und sanftmütig sollt ihr gehorchen. Und er sagt: „Fahrt fort“, jetzt kommt’s, „eure Rettung zu verwirklichen.“ Was bedeutet das? Es bedeutet einfach, dass ihr mit großer Anstrengung, in dem ständigen Bestreben, Gott zu gefallen, in ständiger Hingabe an den Geist Gottes und Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes das verwirklicht, was bereits wo ist? In euch.

Mit anderen Worten sagt er hier lediglich, dass die Errettung, die in eurem Inneren ist, äußerlich sichtbar sein sollte. Das ist das Leben eines Christen, nach außen hin das zu leben, was im Inneren schon vorhanden ist. Und seine Aussage in Vers 13 ist eine große Ermutigung. Dort sagt er: „Denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt nach seinem Wohlgefallen.“ Gott wirkt im Inneren, um seinen Willen zu tun nach seinem Wohlgefallen; ihr müsst das nach außen hin geschehen lassen. Wir sollen also nach außen hin das leben, was wir im Inneren sind. Es ist nur eine andere Weise, das auszudrücken, was in 2, Korinther 7,1 und Epheser 2,4-10 steht. Da Gott all das getan hat, da ihr das Vorbild Jesu Christi gesehen habt, dass derjenige, der gehorsam ist, erhöht wird, da ihr in meiner Anwesenheit gehorsam wart, so bleibt weiterhin in meiner Abwesenheit gehorsam und tut das mit Furcht und Zittern, weil ihr die Heiligkeit Gottes wertschätzt, und setzt nach außen hin das um, was in eurem Inneren ist. Das muss der Maßstab für das Leben eines Christen sein. Wir sollen nach außen hin das ausleben, was in unserem Inneren steckt, damit die Menschen, die das nicht haben, das begehren, nicht wahr?

Und Gott wird verherrlicht.

Was bedeutet das? Ihr sagt jetzt: „Na gut, ich bin bereit, mich selbst zu reinigen und so zu leben, wie ich das soll. Ich will die Rettung, die in meinem Inneren steckt, nach außen hin ausleben. Was muss ich tun?“ Nun, das führt uns zurück zu Römer Kapitel 12 und dort finden wir die praktischen Pflichten, die zum Leben eines Christen gehören. Denkt daran, dass er uns bereits die Grundlage der biblischen Lehre gegeben hat, er hat uns bereits in Versen 1 und 2 zu völliger Hingabe aufgefordert, er hat uns bereits in Versen 3 bis 8 ermutigt, unsere Geistesgaben zu nutzen. Wir müssen also zuerst errettet werden, dann müssen wir uns vollkommen hingeben und dann müssen wir unter Nutzung unserer Geistesgaben dienen. Und im Verlauf dessen beginnen wir, das praktische Leben eines Christen zu führen, das Paulus hier in Kapitel 12 ab Vers 9 beschreibt und dessen Beschreibung sich bis zum ersten Teil von Kapitel 15 erstreckt. Er hat vieles zu sagen über praktisches Leben.

Er beginnt jetzt quasi mit einer Einkaufsliste von Dingen, die er schnell hintereinander ab Vers 9 aufführt. Wir haben letztes Mal gesagt, es ist, als zöge er Kreise, die sich immer weiter ausdehnen und jedes Mal eine weitere Kategorie oder eine andere Gruppe von Ideen miteinbeziehen.

Der erste Kreis beginnt bei uns; wir haben ihn letzte Woche betrachtet, in Vers 9, und ich werde das nur noch einmal kurz erwähnen. Die Frage der christlichen Lebensweise beginnt mit drei grundlegenden Einstellungen. Liebe soll ungeheuchelt sein … der vorherrschende Charakterzug eines Christen sollte was sein? Liebe. Welche Art der Liebe? Aufrichtige Liebe, das ist das Kennzeichen eines Gläubigen, wie wir in Johannes 13,34 lesen: „Daran wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ Es gibt Glaube, es gibt Hoffnung und es gibt Liebe und laut 1. Korinther 13 ist die Liebe die größte von diesen. Die Liebe ist also das primäre Kennzeichen, eine legitime, gottesfürchtige Liebe ohne Heuchelei oder Betrug. Zweitens, sagt Paulus, wir sollen das Böse hassen, einen starken Hass für die Sünde empfinden. Und drittens sollen wir am Guten festhalten.

Das ist der erste, innerste Kreis. Und der erstreckt sich quasi nur auf uns. Dies sind drei Dinge, die auf unser Leben zutreffen sollten. Wir lieben aufrichtig. Wir hassen Böses. Wir halten am Guten fest.

In Vers 10 dehnt der Kreis sich jetzt ein wenig aus und schließt andere Dimensionen mit ein – nicht nur mich persönlich, sondern die Familie Gottes. Und in diesem zweiten Abschnitt, Verse 10 bis 13, richtet sich ein Teil dessen, was er sagt, an die Familie und ein Teil bezieht sich zurück auf mich als Individuum. Wenn der Kreis sich also ausdehnt, schließt er die vorangegangene Thematik nicht aus, er schließt sie nur ein wenig umfassender ein. Wenn wir uns also mit der zweiten Kreisebene befassen, sehen wir, wie sie sich auf die Familie der Christen ausdehnt und gleichzeitig einige direkte Fragen in meinem eigenen Leben mit einschließt.

Achtet einmal auf Vers 10 und darauf, wo das beginnt. „In der Bruderliebe seid herzlich gegeneinander.“ Das ist die erste Aussage über den breiter gefassten Kreis, der sich auf die Familie der Christen ausdehnt. „Bruderliebe“, „liebt einander“ und „Herzlichkeit“ bezieht sich auf unsere Beziehung innerhalb des Leibes Christi. Das Wort „herzlich“ ist im Griechischen ein sehr interessantes Wort. Wenn wir das Wort verstehen, hilft uns das dabei, zu verstehen, was Paulus meinte. Es ist eine Kombination von zwei Worten, die beide „Liebe“ bedeuten. Man könnte es mit „indem ihr liebevoll liebt“ übersetzen. Aber um wirklich die genauen Facetten der Bedeutung zu verstehen, solltet ihr die beiden Worte kennen - philos oder phileo, was „warme, herzliche Liebe“ bedeutet. Und der zweite Teil ist storge; das Gesamtwort lautet philostorgos. Das zweite Wort, storge, bedeutet im Prinzip „natürliche Liebe innerhalb einer Familie“. Es ist das Wort, das zum Beispiel in 2. Timotheus verwendet wird, wo Paulus zu Timotheus sagt: „In den letzten Tagen werden die Menschen lieblos sein“, und das bedeutet, normale Beziehungen der Liebe innerhalb von Familien, normale natürliche Liebesbeziehungen, werden kaputtgehen.

Das Wort philostorgos kombiniert also zwei Wörter miteinander. Storge, was „natürliche Liebe“ bedeutet, nicht Liebe, die durch Begierde oder Schönheit oder eine attraktive Persönlichkeit hervorgebracht wird, sondern die natürliche Liebe innerhalb einer Familie, normale, natürliche Liebe unter Verwandten, im Gegensatz zu Liebe, die durch Anziehungskraft, Persönlichkeit, Lust, Begierde, Umstände oder irgendetwas derartiges hervorgebracht wird. Es ist einfach normale Liebe innerhalb einer Familie. Und es ist wunderbar, dass er das hier gebraucht, weil er sagt, dass wir in der christlichen Familie Liebe des phileo-Typs haben sollten, Familienliebe, und bei phileo geht es um warme, herzliche Liebe. Wir sollten uns also durch natürliche Liebe auszeichnen, die wir allen Gläubigen entgegenbringen, und ich denke, ihr habt das selber schon erlebt. Ich selbst habe das schon viele, viele Male erlebt. Ich kann in ein Umfeld gehen, in dem ich niemanden kenne, und wenn man dort den Herrn Jesus Christus liebt, braucht es nicht lange, bevor wir dort ein ganz einzigartiges Gefühl der Liebe verspüren. Es gibt ein gemeinsames Band, das über Kultur und Zeit und Ort und Ereignisse und Umstände hinausgeht, das obwohl wir keine gemeinsame Vergangenheit haben und nichts übereinander wissen im Hinblick auf Gemeinsamkeiten im Lebensstil, Vorlieben oder Abneigungen, gibt es ein unmittelbares Gefühl der Zuneigung von/zu demjenigen, der zur Familie Gottes gehört. Habt ihr das schon mal verspürt? Das habt ihr bestimmt. Und das soll eine herzliche, demonstrative Art der Liebe sein. Wir sollen diejenigen in der Familie Gottes lieben. Und ich sage es noch einmal, es ist keine Liebe, die auf Anziehungskraft begründet ist, es ist eine Liebe, die jedem zuteil wird, der demselben Heiland, demselben Herrn, demselben Vater angehört. Deshalb sagt unser Herr in Matthäus 18: „Unter keinen Umständen sollt ihr jemals auf jemanden herabsehen, kataphroneo, jemanden geringschätzen oder für weniger wert halten als euch selbst, wenn dieser der Familie Gottes angehört, denn wir alle gehören dieser Familie an.“ Es sollte eine natürliche Anziehungskraft geben, eine natürliche Affinität. Und obwohl wir vielleicht innerhalb der Familie ein wenig drängen, wenn es darum geht, einander zu beschützen und einander zu retten und einander abzusichern und einander zur Rettung zu kommen, ist es doch wunderbar, wie wir das tun, oder? Es ist wunderbar.

Ich benutze Illustrationen aus meinem Privatleben eigentlich nicht gerne, aber diesmal werde ich das tun, weil es hier so gut passt. Meine Kinder sagen „Papa, rede nicht über uns“, deshalb versuche ich, das nicht zu tun, aber dieses Kind ist heute nicht hier, sie ist dort drüben, deshalb ist es in Ordnung, sagt ihr einfach nichts davon. Vor einigen Abenden, nachdem Mark Football gespielt hatte, hatte er nachts Schmerzen, wie das so oft der Fall ist, wenn man an dem Tag Football gespielt hat. Mitten in der Nacht schoss er mit einem Krampf aus dem Bett und jaulte dabei laut. Das kann ich nachempfinden. Ich hatte in den vergangenen Jahren auch einige Muskelkrämpfe in der Nacht. Er hatte ziemliche Schmerzen. Und dann löste der Krampf sich. Am nächsten Tag ging ich in sein Zimmer, er war in die Schule gegangen, und ich fand eine kleine Karte auf seinem Schreibtisch. Die Karte war interessant. Ich öffnete sie und sie enthielt eine Rolle LifeSavers-Pfefferminz und ein paar Worte von seiner kleinen Schwester. Sie begannen ungefähr so: „Lieber Mark, ich weiß, dass ich manchmal ein verzogenes Balg und ein Ärgernis bin, aber wenn ich höre, wie du vor Schmerzen aufheulst, geht es mir schlecht und ich möchte, dass du mir für all das Unrecht vergibst, das ich getan habe, und du sollst wissen, das ich dich liebe und dass ich froh bin, dass du mein Bruder bist.“ Unterzeichnet „Melinda“.

Seht ihr, egal, was während langer Autofahrten auf der Rückbank vor sich geht … wenn es wirklich darum geht, diese Beziehung näher unter die Lupe zu nehmen und ihr wisst, jemand könnte leiden, dann wollt ihr dafür sorgen, dass es ihm besser geht, nicht? So sollte das innerhalb einer Familie sein. Und in Matthäus Kapitel 18 sagte Jesus auch: „Und wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf … mich.“ Wir haben eine wunderbare Familie, eine fantastische Familie, die wir herzlich lieben sollen. Deshalb fordert das Neue Testament, wie wir vor einigen Wochen gesehen haben, zu fünf verschiedenen Anlässen, dass wir einander mit einem heiligen Kuss oder einem Kuss der Liebe begrüßen, weil wir uns auf demonstrative Weise mit der Herzlichkeit identifizieren sollen, die typisch für diejenigen ist, die eine Familie haben, eine verwandte Affinität in der Gemeinschaft des Herrn. Ich habe mich heute früh so gefreut, als jemand, ich glaube Dennis McBride, mir erzählte, dass einige unserer behinderten Besucher zum Kurs über die Galiläer kamen; einige von euch waren da. Ein Blinder kam herein und erzählte, sie bräuchten einen Blindenschriftduplikator, das ist wie ein Kopiergerät, das in Blindenschrift kopiert, damit sie das Wort unter mehr Leuten verbreiten könnten. Er teilte den Leuten einfach mit, dass dieses Gerät benötigt werde. Sie sagten, wenn jemand nach der Sonntagsschulklasse ein wenig dafür spenden möchte, könne er einfach an der Tür halten; als man das eingesammelte Geld zählte, belief es sich auf 2,100$. Ich weiß nicht, ob irgendjemand in dem Kurs diesen blinden Mann, der erzählte, man bräuchte ein solches Gerät, persönlich kannte und vielleicht kannten sie auch die anderen Blinden nicht, aber sie verspürten ein erstaunliches Gefühl der Affinität und Fürsorge und es war ihnen ein Anliegen, die Bedürfnisse eines Anderen zu stillen. Und so sollte es sein. Das ist die Art von Liebe, zu der unser Herr uns aufruft. Achtet bitte auch darauf, dass hier nicht nur das Wort philostorgos verwendet wird, oder das Wort „herzlich“, sondern „In der Bruderliebe seid herzlich gegeneinander.“ Das ist erstaunlich, hier taucht das Wort philadelphia auf. Er sagt hier also: „Seid liebevoll liebend gegeneinander mit liebender Liebe.“ Das ist einfach doppelt gemoppelt. Es ist noch einmal phila, wieder die herzliche Zuneigung, und adelphos, Bruder – wieder derselbe Gedanke, liebt sie, als seien sie eng mit euch verbunden wie Verwandte. Er verwendet hier also zwei Wörter, die verwandte Liebe auf dieselbe Weise ausdrücken. Das macht das Ganze zu einer sehr starken Aussage. Liebt einander wie Verwandte und liebt einander wie Verwandte, zweimal hintereinander. Es ist nicht nur theologische Liebe, es ist Herzlichkeit, sanfte, gütige, fürsorgliche, besorgte Herzlichkeit und Zuneigung. Die reine Liebe derjenigen, die zu Jesus Christus gehören, ist das, wovon Johannes in 1. Johannes 5 redet, in dieser wunderbaren Aussage, die er macht: „Jeder, der glaubt, daß Jesus der Christus ist, der ist aus Gott geboren; und wer den liebt, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der aus Ihm geboren ist.“ Eine wunderbare Aussage. Wenn ihr Gott liebt, liebt ihr diejenigen, die zu ihm gehören. Und da gibt es auch warme Herzlichkeit und Zuneigung für Geschwister in Christus. Und deshalb sagt Paulus im Epheserbrief: „Seid aber gegeneinander freundlich und barmherzig und vergebt einander, gleichwie auch Gott euch vergeben hat in Christus.“ Wir sollen als Menschen identifiziert werden, die lieben. Der Apostel Paulus sagte zu den Korinthern in 2. Korinther 12,15: „… sollte ich auch, je mehr ich euch liebe, desto weniger geliebt werden.“ Das ist die Art von Liebe, die uns alle auszeichnen sollte. Als er 1. Korinther schrieb, sagte er im vierten Kapitel: „Schaut, ich liebe euch, ihr seid meine geliebten Kinder und als solche will ich für euch sorgen. Wenn ihr weiterhin ungehorsam seid, werde ich mit einer Rute kommen, aber wenn ihr euch zusammenreißt, werde ich gütig zu euch kommen. Die Wahl liegt bei euch, aber ich werde euch sowieso lieben, entweder mit herzlicher Zuneigung und Dankbarkeit für euren Gehorsam, oder indem ich euch züchtige, denn ich will, dass ihr all das seid, was Gott für euch vorgesehen hat.“

Das ist die Art von Liebe, von der wir reden. Es ist eine konfrontative Liebe. Es ist eine fürsorgliche Liebe, eine besorgte Liebe, eine leidenschaftliche Liebe. Ihr sagt jetzt: „Nun, können wir solche Liebe wirklich geben?“ Ja. Erinnert euch nur einmal an Römer 5: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen.“ Als Paulus an die Thessalonicher schreibt, sagt er in Kapitel 4, ich glaube, es war Vers 9: „Über die Bruderliebe aber braucht man euch nicht zu schreiben; denn ihr seid selbst von Gott gelehrt, einander zu lieben.“ Gott hat euch gelehrt, das zu tun. Und er betet natürlich, dass diese Liebe mehr und mehr zunehmen möge. Sie wissen, wie man liebt, und diese Liebe sollte mehr und mehr überströmen, das steht in Philipper 1,9. Wir sollen also mit sanfter, barmherziger Zuneigung lieben, die nur der Familie Gottes eigen ist.

Achtet dann bitte noch auf die zweite Sache in Vers 10: „In der Ehrerbietung komme einer dem anderen zuvor!“ Jetzt gehen wir sogar noch einen Schritt weiter. Liebe ist ein allgemeines Umfeld und spielt mit in diesen zweiten Gedanken hinein, nämlich, anderen den Vorzug vor uns selbst zu geben. Damit wird ein weiteres unverzichtbares Element für unser Familienleben in der Gemeinde eingeführt, nämlich Demut. Wenn wir jeden gleichermaßen lieben sollen, wenn wir das tun sollen, wenn wir die richtige Art von Mitgefühl haben sollen, so heißt es in Philipper 2,1-4, wenn wir Menschen Barmherzigkeit erweisen sollen, dann müssen wir auf die Dinge des anderen schauen, nicht auf unsere eigenen. Wir müssen andere vorziehen. Und dieser Gedanke, anderen den Vorzug zu geben, ist ein wunderschöner Gedanke. Er beinhaltet die Vorstellung, voranzugehen. Habt ihr das verstanden? Er beinhaltet die Vorstellung, voranzugehen. Das heißt, ein Vorbild zu sein. Mit anderen Worten, die Parade zu beginnen, im Auftrag anderer vorne zu stehen.

Anders ausgedrückt sollen wir uns nicht einfach zurücklehnen und warten, bis jemand anders den anderen ehrt, bis jemand anders dem anderen den Vorzug gibt, bis jemand anders die Bedürfnisse des anderen stillt, bis jemand anders einem anderen gibt, was dieser braucht. Wir sollen nicht warten, bis jemand anders demjenigen Ehre erweist, dem Ehre gebührt und Liebe, wem Liebe gebührt. Wir sollen nicht warten, bis jemand anderes sich um etwas kümmert, das getan werden muss, unter Aufopferung der eigenen Zeit, des eigenen Talents und der eigenen Ressourcen. Stattdessen sollen wir die Parade anführen. Mit anderen Worten sollen wir die Ersten sein, die das tun, die Vorreiter. Darum geht es bei diesem Begriff. Wir warten nicht, sondern gehen voran und ehren Andere. Und das ist es, was er damit meint, Anderen den Vorzug zu geben – ihnen die Ehre zu erweisen, die wir jemandem erweisen würden, den wir höher schätzen als uns selbst. Was für ein großartiger Gedanke.

Schnell darin, Ehre zu erweisen, schnell darin, zu belohnen, schnell darin, Respekt zu erweisen, schnell darin, Liebe zu erweisen, schnell darin, ein Bedürfnis zu stillen - das ist die wahrste Form der Demut, die ich kenne. Manche Leute hingegen werden sehr zornig und eifersüchtig und neidisch, wenn Andere geehrt werden, nicht wahr? Ein Gläubiger sollte sich genau durch das Gegenteil auszeichnen. Wir geben Anderen den Vorzug und führen die Parade an, indem wir Anderen dadurch Ehre erweisen, dass wir ihre Bedürfnisse stillen. Das erweitert unseren Kreis ein wenig, nicht wahr? Und umfasst auch die Einstellung zur Familie Gottes. Wir könnten noch ein wenig mehr darüber sagen, aber lasst uns weitermachen.

In diesem zweiten Kreis, der die Familie einschließt, ist auch die persönliche Identifikation enthalten. Wir sind also immer noch Bestandteil davon; er geht also zurück, um uns noch ein paar Mal zu treffen. Hier kommen drei grundlegende, sehr persönliche Sachen, die sich auf mich und euch beziehen; sie stehen in Vers 11 und sind überaus wichtig.

Das erste ist „Im Eifer laßt nicht nach“. Das griechische Wort für „Eifer“ ist spoude; es bedeutet buchstäblich „Eile … Eile … Hast.“ Ich kann mich noch erinnern, dass ich einmal eine klassische Predigt von einem schwarzen Prediger gehört habe zum Thema „Eile“. Das was seine gesamte Predigt. „Wir müssen uns beeilen“ und so ging es immer weiter, ungefähr 35 Minuten lang, und dann sagte er: „Jetzt, wo wir uns beeilen, wo eilen wir hin? Das ist mein zweiter Punkt.“ Als wir fertig waren, überrannten wir einander förmlich, um rauszukommen, so eilig hatten wir es. Ich bin mir nicht sicher, ob wir alle wussten, wohin wir eilten, aber wir hatten es definitiv eilig. Und darum geht es hier im Prinzip. Im Eifer lasst nicht nach. Ihr habt es eilig. Und er hat sein Argument in seiner Botschaft gut vermittelt. Im Allgemeinen sagte er, wir müssen die Arbeit des Königs tun und diese Arbeit muss getan werden, solange uns das möglich ist; wie Jesus sagte, müssen wir arbeiten, solange es Tag ist, denn es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Und was getan werden muss, muss getan werden, und es muss jetzt getan werden.

Er sagt hier also, lasst in eurem Eifern nicht nach, werdet nicht faul bei eurer Arbeit. Hier geht es um eine geistliche Sache. Was geistlichen Eifer angeht, seid nicht faul. Im Hinblick auf Eile und die Notwendigkeit einer schnellen und totalen Hingabe und des Dabeibleibens, macht keinen Rückzieher. Anders ausgedrückt heißt es zweimal im Neuen Testament in Galater 6,9 und 2. Thessalonicher 3, Vers 13: „Werdet nicht müde Gutes zu tun.“ Das Leben eines Christen erfordert Schnelligkeit und Intensität. Es bietet keinen Raum für Faulheit. Wir könnten viel Zeit damit verbringen, zum Buch der Sprüche zurückzugehen und eine komplette Studie über Faulheit zu betreiben und welch ein Gräuel Faulheit für Gott ist. An diesem Punkt reicht es wohl einfach, zu sagen, dass es im Werk des Herrn keinen Raum für Faulheit gibt. Es gibt keinen Raum für Trägheit. Das Werk Gottes verlangt Eile, einen Geist, der schnell voranschreitet. In Prediger 9,10 gab Salomo sehr weisen Rat. Er sagte: „Alles, was deine Hand zu tun vorfindet, das tue mit deiner ganzen Kraft; denn im Totenreich, in das du gehst, gibt es kein Wirken mehr.“ Was immer deine Hand zu tun vorfindet, das tue mit deiner ganzen Kraft. Und in Matthäus 25,26, das wir vor nicht allzu langer Zeit durchgearbeitet haben, trafen wir auf einen trägen Sklaven, der ein Talent erhalten hatte und zu faul war, irgendetwas daraus zu machen; er vergrub die Münze im Boden und das kostete ihn seine Ewigkeit. Ich habe diese Woche in Jesaja 56 gelesen, und in Vers 10 beschuldigte Jesaja die Führer Israels mit den Worten: „Seine Wächter sind blind; sie wissen alle nichts; stumme Hunde sind sie, die nicht bellen können; sie liegen träumend da, schlafen gern.“

Mit anderen Worten legten die Leute, die in Israel die geistlichen Wächter sein wollten, sich schlafen und wurden stumme Hunde, die nicht bellten, wenn sie das hätten tun sollen, nutzlos als Wachhunde, blind und unwissend, schlafend darniederliegend, gerne schlafend. Paulus sagt hier, dass diejenigen, die im Dienste Christi stehen, jederzeit geschäftig sein sollten, mit maximaler Leistung das Werk des Herrn zu vollbringen, solange das Werk verrichtet werden kann. In Sprüche 18,9 lesen wir: „Schon wer nachlässig ist in seiner Arbeit, der ist ein Bruder des Zerstörers.“ Der größte Zerstörer, oder Verschwender, den ich kenne, ist nicht derjenige, der Geld verschwendet, sondern was? Zeit, jemand, der Zeit verschwendet. Wir sollen keine Zeit verschwenden. In Epheser Kapitel 5 sagt Paulus: „Wir sollen die Zeit auslösen, sie auskaufen.“ In Hebräer 6,12 heißt es: „Werdet nicht träge … nicht träge.“ Auch hier steckt wieder der Gedanke der Faulheit.

Leider ist es häufig so, dass viele Christen einrosten, statt zu verschleißen. Ich habe bisher nur selten Christen getroffen, die verschleißen. Das ist der Gemütszustand unseres Zeitalters. Bei einer sehr interessanten Gelegenheit kam mir eine Umfrage unter, bei der es darum ging, zu beweisen, wie wenig Leute wirklich schwer arbeiten. Dafür wählten man Leute aus dem mittleren und oberen Management aus, die in großen Firmen arbeiten. In der Umfrage sollte ermittelt werden, wie viele Arbeitsstunden pro Tag wirklich produktiv sind, wie viele Stunden des durchschnittlichen Arbeitstages eines Menschen in der Geschäftswelt, der eine gewisse Führungsposition und Personalverantwortung hat, tatsächlich produktiv sind. Es ging also um Menschen, die ihre Zeit in gewissem Rahmen selbst einteilen können. Wenn ihr am Fließband arbeitet, ist es recht schwierig, zu diktieren, wie lange ihr arbeitet und wie viele Stunden von einem 8-Stunden-Tag ihr wirklich arbeitet. Aber wenn ihr im Management seid oder selbständig und eure Zeit selbst kontrolliert, ist das anders. Das sind die Leute, von denen man herausfinden wollte, wie viel sie wirklich arbeiten und wie viel Zeit wirklich produktiv verwendet wird. Das Durchschnittsergebnis für die Vereinigten Staaten lag bei einem 8-Stunden-Tag bei 2 Stunden produktiver Zeit. Zwei Stunden, die wirklich produktiv sind. Wenn ihr der Meinung seid, wir würden nicht in einer freizeitorientierten Welt leben, täuscht ihr euch.

Ihr sagt jetzt: „Ja, aber in diesen zwei Stunden bin ich wirklich produktiv.“ Nun gut, das mag ja vielleicht zutreffen und vielleicht reicht das, um eure restlichen Leute acht Stunden lang zu beschäftigen. Ich sage nicht unbedingt, dass das falsch ist, ich sage einfach, dass das Fakt ist. Manchmal denke ich, unsere Einstellung dazu überträgt sich auch auf das Christentum. Ich habe selbst bei jungen Männern an theologischen Hochschulen festgestellt, dass das, was heutzutage in diesen Hochschulen geschieht, eine Verlängerung des Bildungsprozesses ist. Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen und ich will nicht jeden kritisieren, der lange braucht, um die theologische Hochschule abzuschließen. Manchmal ist das darauf zurückzuführen, dass dieser Student eine Ehefrau und viele Kinder hat oder nebenbei arbeiten muss. Aber es gab einmal eine Zeit, als man sein Studium an einer theologischen Hochschule aufnahm und drei oder vier Jahre später war man damit fertig und verließ die Hochschule. Man absolvierte das ganze Studium in einem Durchgang. Der Vorteil dabei bestand im Training in Sorgfalt und Disziplin. Ich weiß, dass das für mich der Fall war. Ich schloss die Oberschule mit 17 ab, ging zum College, schloss das mit 21 ab, schloss die theologische Hochschule mit 24 ab – einfach alles hintereinander weg, brachte alles hinter mich. Ich glaube wirklich, das war eine der besten Lehren in Selbstdisziplin, es war DIE beste praktische Lehre in Selbstdisziplin, die ich je in meinem Leben hatte – zu lernen, wie man das macht, bei der Stange zu bleiben und ständig weiterzumachen. Heutzutage dehnt sich das immer weiter aus, sodass junge Männer, die in den Dienst gehen, ein wenig arbeiten, ein wenig zur Hochschule gehen, ein wenig Zeit mit ihrer Verlobten verbringen, ein wenig Sport treiben und ein wenig Freizeit haben. Und dann verlassen sie die theologische Hochschule und gehen zu einer Gemeinde und sie müssen eine einzige Sache ständig tun … und das können sie nicht. Es ist fast unmöglich.

Es ist deshalb nicht ungewöhnlich, zu erleben, dass sie den Sonntagabendgottesdienst absagen, weil sie sich nicht dazu überwinden können, diesen vorzubereiten. Wie ich bereits vor einiger Zeit erwähnte, gibt es Leute, die mich fragen, was der Schlüssel zum Dienst an Gott ist. Ich sage ihnen, er liegt darin, in eurem Stuhl zu sitzen, bis ihr eure Arbeit erledigt habt. Sie denken dann, das sei nicht geistlich. Aber das stimmt wirklich. Um das Werk des Herrn zu verrichten, braucht man echten, enthusiastischen Eifer.

Vor Kurzem hörte ich etwas über eine Frau in unserer Gemeinde, die seit 18 Jahren eine Sonntagsschulklasse kleiner Mädchen unterrichtet ….übrigens nicht immer dieselben kleinen Mädchen, die rücken immer weiter auf. Aber in derselben Gruppe. Ich weiß nicht, ob es 3.- oder 4.-Klässler waren, was auch immer, aber 18 Jahre lang. Das ist wunderbar, bei der Stange zu bleiben und nicht darin zu ermüden, Gutes zu tun.

Das also meint er, wenn er sagt: „Im Eifer lasst nicht nach.“ Macht immer weiter. Führt eure Arbeit weiter fort. Und eines der Geheimnisse besteht darin, Verantwortung zu übernehmen. Ich werde immer wieder gefragt: „Nun, wie zwingst du dich dazu, zu studieren?“ Ich antworte: „Ich zwinge mich nicht selbst dazu, zu studieren, dafür sorgen die Leute, die sonntags kommen.“ Ich meine, es wäre nicht besonders hilfreich, wenn ich hier hineinkäme und zu euch sagte: „Schaut Leute, ich bin noch nicht ganz fertig, aber ich denke, ich werde die Predigt am Dienstag für euch haben. Könntet ihr dann zurückkommen?“ Nein, nein, nein …als ich einmal einen Kurs an einer theologischen Hochschule unterrichtete, sagte ich den Studenten mehr oder weniger beiläufig: „Eure Arbeit ist am Freitag fällig.“ Ich gab ihnen ungefähr drei Wochen, um die Arbeit zu schreiben. Ich sagte: „Die Arbeit ist Freitag fällig, ich möchte sie gerne Freitag haben.“

Der Freitag kam also und ungefähr die Hälfte der Studenten gaben mir ihre Arbeit, während die andere Hälfte sagte: „Wir geben sie Ihnen am Montag.“

Ich sagte: „Nein, du bekommst eine 6.“

„Oh“, sagten sie, „wir dachten nicht, dass Sie so streng sein würden.“

Ich erwiderte: „Ich bin nicht streng. Es ist einfach so, dass ich euch gesagt habe, die Arbeit ist Freitag fällig, das ist alles.“

„Aber …aber, ich musste dieses und jenes tun … aber ….“

„Genau das habe ich gesagt, am Freitag.“

Sie sagten: „Aber warum?“

Ich antwortete: „Weil ihr nicht sonntags in der Gemeinde auftauchen und sagen könnt ‚Ich werde die Predigt für euch fertig haben, wenn ihr mir noch ein paar Tage gebt.‘ Ihr könnt das genauso gut jetzt schon lernen.“ Einer meiner Professoren sagte mir, er könne nie ein Pastor sein, weil er sich nicht bis zum Sonntag einer jeden Wochen schon entscheiden könne, was jede Textstelle bedeutet. Das birgt eine gewisse Tyrannei, die sehr hilfreich ist. Wenn ihr einen Kurs oder einen Dienst habt, für den ihr Verantwortung tragt, ist es gut, das zu haben. Es ist möglich, eine Art schwebenden Dienst zu haben, den man nach eigenem Gutdünken erledigen kann. Aber je mehr ihr euch für einen Dienst einsetzt, der ein gewisses Maß an eurer Zeit verlangt, je mehr seid ihr gezwungen, eifrig zu sein und diesen sorgfältig vorzubereiten. Das ist also ein sehr wichtiger Grundsatz.

Verknüpft damit in Vers 11 ist der Grundsatz, brennend im Geist zu sein. Das ist sehr gut, denn es ist möglich, zwar nicht faul zu sein, aber eine schlechte Einstellung zu haben. Ihr könnt sagen: „Nun, ich werde es tun, weil es getan werden muss, aber ich möchte das nicht wirklich. Am liebsten würde ich mich dieser ganzen Sache entziehen.“ Mir gefällt dieses Wort „brennend“, das quasi ein Glühen vor Hitze ausdrückt. Und der Geist ist hier der menschliche Geist, euer eigenes Inneres. Hier steht im Prinzip: „Seid ein Gläubiger auf dem Siedepunkt.“ Ihr sollt einfach ständig auf dem Siedepunkt sein, in den Startlöchern sitzen - keineswegs lauwarm oder kalt. Das Leben eines Christen sollte voller Enthusiasmus sein. Es sollte voller Eifer, Spannung, Freude und absoluter Anstrengung sein.

Ich erinnere mich noch an einen Artikel, den ich gelesen habe. Ich habe ihn sogar mitgebracht, um euch einige Auszüge daraus vorzulesen. Der Titel lautete „Werdet enthusiastisch“. Er beginnt folgendermaßen: „Ich habe gerade mit Lorraine gesprochen und jetzt fühle ich mich wie ein Vogelnest vom vergangenen Jahr … leer und verheddert.“ Man trifft solche Leute, nicht wahr? Es gibt Millionen davon. „Sie sind so weit verbreitet, dass sie sogar Gefahr laufen, zu einer landesweiten Epidemie zu werden. Was ist los mit ihnen? Stecken sie in großen Schwierigkeiten? Nicht mehr als der Otto Normalverbraucher. Krank? Nein. Niedergeschmettert durch Trauer, Reue oder Kummer? Fast nie. Was um alles in der Welt plagt sie also? Die älteste Plage der Welt – es mangelt ihnen an Enthusiasmus“, und so ging es weiter. Ich denke, das mag zutreffen. Wir können müde werden beim Gutestun, wir können unseren Eifer verlieren, unsere Faszination und unseren Enthusiasmus, und das ist sehr traurig. Das Leben eines Christen muss voll von dieser Energie sein, von dieser Faszination, dieser Begeisterung, dieser Dynamik, die nach außen agiert – die nicht nur die Aufgabe erledigt und nicht faul wird, sondern im Geist ständig auf dem Siedepunkt ist, es nicht erwarten kann, die Aufgabe zu vollbringen, voll freudiger Erregung.

Es gab einen solchen Mann, es gab viele davon in der Schrift, aber es gibt einen, der mir in den Sinn kommt und der auf dieselbe Weise beschrieben wird. Wir finden ihn in Kapitel 18 der Apostelgeschichte. Ihr braucht das nicht aufzuschlagen, ich lese es euch einfach vor. Es geht um Apollos, einen gewissen Juden, der ein beredter Mann war und mächtig in den Schriften, dem Alten Testament. Er war unterwiesen im Herrn und feurig im Geist ... dieselbe Sache. Er war feurig im Geist. Er war ein Mann, dessen Geist nie anhielt, nie langsamer wurde, aggressiv, enthusiastisch, und freudig erregt war … geistliches Feuer. Henry Martyn, der große Missionar, ging nach Indien und sagte: „Nun lass mich ausbrennen für Gott.“ Der Apostel Paulus hörte nie auf. Er sagte: „Ich laufe, um den Lauf zu gewinnen, ich kämpfe, um meinen Gegner zu schlagen.“ Er sagte in 1. Korinther 9: „Ich bezwinge meinen Leib und beherrsche ihn“, und in Kolosser Kapitel 1 sagte er: „Ihn verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen […], um jeden Menschen vollkommen in Christus Jesus darzustellen.“ Er war einfach ein unermüdlicher und eifriger Arbeiter, nicht nur äußerlich, wo er zu diesen Anstrengungen gezwungen wurde; er hatte auch einen eifrigen Geist. Das ist es, was ich so gerne sehe … enthusiastische, freudig erregte Christen.

Das führt uns zu einem dritten persönlichen Grundsatz hier in Vers 11. Wir sollen nicht nur nicht nachlassen in unserem Eifer und brennend im Geist sein, startbereit, freudig erregt, übersprudeln, sondern bei all dem „dient dem Herrn!“ Es ist fast so, als ob diese Teilsätze dazu dienen, den Dienst am Herrn näher zu erläutern. Wir sollen in unserem Eifer nicht faul sein, wir sollen brennend im Geist sein, wenn wir dem Herrn dienen. Ich sehe Leute, die voller freudiger Erregung über verschiedenste Dinge sind. Ich sehe Leute, die freudig erregt sind über die Dinge, die sie auf dem Markt verkaufen. Sich ereifern sich über neue Häuser, neue Autos, neue Garderobe. Ich sehe Leute, die absolut fasziniert sind von Footballspielen, Baseballspielen oder Basketballspielen und sich wie totale Idioten verhalten … Menschen, die sich über viele, viele Dinge ereifern. Ich sehe Menschen, die sich verlieben, wisst ihr, ihr seht, dass sie Schmetterlinge im Bauch haben … ihr beobachtet diese Menschen einfach, und sie haben einfach alle Anzeichen. Sie geben sich dem voll und ganz hin. Es kontrolliert ihr gesamtes Leben in jedem wachen Moment. Und wenn sie schlafen gehen, träumen sie von ihrem Liebsten und begeistern sich dafür.

Wir alle haben uns schon einmal verliebt und das erlebt, wir wissen, wie das ist. Ich weiß, wie das ist. Ich bin immer noch verliebt. Und ich verstehe das. Es hat sich ein bisschen gelegt, ich bin nicht mehr ganz so plemplem, wie ich es einst war, um das mal umgangssprachlich auszudrücken. Das liegt vermutlich daran, dass sich daraus eine tiefe, facettenreiche und wunderbare Liebe entwickelt hat. Aber wir alle wissen, wie das ist. Wisst ihr, wenn ihr wie elektrisiert seid und Schmetterlinge im Bauch habt und all diese Dinge geschehen. Wir sind so voller Begeisterung über solche Beziehungen, dass alles andere auf der Welt quasi verblasst.
Und ich frage mich, ob wir das jemals im Hinblick auf den Dienst am Herrn Jesus Christus erlebt haben. Was für eine Faszination! Was für eine aufregende Sache! Es ist schwer, untätig zu bleiben. Das sollte es, ihr solltet quasi am Überkochen sein. Schließlich sind wir dazu da, dem Herrn zu dienen. Als Paulus diese ganze Epistel begann, sagte er das schließlich, oder? In Kapitel 1,8: „Zuerst danke ich meinem Gott durch Jesus Christus um eurer aller willen, weil euer Glaube in der ganzen Welt verkündigt wird. Denn Gott, dem ich in meinem Geiste diene am Evangelium seines Sohnes, ist mein Zeuge …“. Er liebte den Gedanken, dem Herrn zu dienen. Ich liebe diesen Gedanken ebenfalls. Ich kann es nicht glauben, dass Gott mir das Privileg gegeben hat, das er mir gegeben hat. Ich muss mich gelegentlich kneifen, um sicher zu sein, dass das tatsächlich geschehen ist. Ich weiß nicht, warum Gott mir dieses wunderbare, faszinierende, herrliche Privileg gewährt hat. Das Gefühl der Zufriedenheit im Dienste Christi ist größer als jede andere Zufriedenheit, die die Welt zu bieten hat. Wir sind dazu berufen, dem Herrn zu dienen, und ihm mit Eile zu dienen, ihm mit Eifer zu dienen, ihm mit brennendem Geist zu dienen, enthusiastisch, voller Freude und Erregung. Und wenn ihr ihm nicht auf diese Weise dienen könnt, liegt das Problem nicht darin, wo ihr dient, sondern in eurem eigenen Herzen. Das Problem ist nicht, dass der Platz nicht stimmt, oder was auch immer … das Problem liegt bei euch. Dem Herrn zu dienen ist so wunderbar.

Ich möchte nur euer Verständnis dafür ein wenig vertiefen. In diesem Kapitel gibt es drei verschiedene Wörter, die für „Dienst“ benutzt werden. Das erste befindet sich in Vers 1, euer vernünftiger Gottesdienst, am Ende von Vers 1. Hier wird das Wort latreuo für „Dienst“ verwendet, das ist die Verbform davon, latreuo, es bedeutet „ehrfürchtiger Dienst der Anbetung“. Es ist ein Dienst der Anbetung, ein Dienst der Ehrfurcht, des Sich-Gott-Darbringens, wie ein Priester Gott ein Tier darbringt.

Dann seht ihr, wie es in Vers 7 um die Geistesgaben geht und dass wir diese zum Dienst nutzen sollen. Hier wird das Wort diakoneo verwendet, das bezieht sich auf praktischen Dienst, an Tischen bedienen. Wir dienen dem Herrn als Priester, die ihm eine Gabe darbringen, indem wir ihm ehrfürchtig dienen. Wir dienen dem Herrn als Diener, die niedrige Aufgaben ausführen wie das Bedienen an Tischen, einfache Aufgaben - was auch immer erforderlich ist.

Aber hier in Vers 11 ist es das Wort douleuo; das ist das dritte Wort in diesem Kapitel, das mit „Dienst“ übersetzt werden kann. Das ist der intensive Dienst der Sklaverei, der Dienst der Knechtschaft. Hier liegt die Betonung darauf, dass wir uns selbst als Sklaven Christi sehen, um ihm uneingeschränkt zu dienen, dass wir keinen anderen Herrn haben und diesen Dienst voller Begeisterung und freudiger Erregung und Eifer und Beflissenheit erbringen. Paulus weiß, dass ein Leben auf diesem Niveau nicht leicht sein wird. Es ist nicht leicht, weil wir Widersacher haben. Wenn ihr dem Herrn mit Enthusiasmus und Eifer und aus ganzem Herzen dient, ihm voll und ganz ergeben und wirklich alles geben wollt, was ihr habt, dann werdet ihr einige Probleme haben, nicht wahr? Denn ihr werdet auf direktem Konfrontationskurs mit einem gottlosen System sein und das wird schwierig sein.

Er fügt deshalb in Vers 12 drei weitere Ermahnungen hinzu, die wir noch betrachten werden, bevor wir für heute Schluss machen. Zuerst sagt er: „Seid fröhlich in der Hoffnung.“ Hört mir gut zu. Niemand hat dem Herrn je uneingeschränkt und aus ganzem Herzen gedient, der sich nicht ständig der Hoffnung für die Zukunft bewusst war, denn wenn ihr dem Herrn aus ganzem Herzen dient, beginnen Dinge zu geschehen, die euch veranlassen, auf die Zukunft zu hoffen, nicht wahr? Das gehört einfach dazu. Es hält uns bei der Stange. Wir geben alles, was wir in diesem Leben haben, und wir begegnen Widerstand, Gleichgültigkeit, Apathie und wir sehen unsere eigene Schwäche und unser eigenes Versagen. Manchmal machen wir es falsch und müssen die Scherben kitten. Während all unseres Dienstes am Herrn gibt es also immer Hoffnung in unserem Herzen, egal, wie enthusiastisch und engagiert wir sind, dass der Tag kommen wird, wenn unser Dienst beendet und alles so sein wird, wie es sein soll. Die Hoffnung auf bessere Dinge ist die Inspiration der Freude in dem Christen, der dient. Ich diene, weil ich einiges Tages vor den Herrn treten und hören will: „Recht so, du guter und treuer Sklave.“ Ich diene, weil der Tag kommen wird, wie wir in 1. Korinther 15 gelesen haben, von dem es heißt, die Posaune wird erschallen und wir werden innerhalb eines Augenblicks verwandelt und werden sagen: „Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg?“ Und da geht es um den Sieg und die Auferstehung. In Vers 58 heißt es, nach all den Sachen über die künftige Auferstehung: „Darum […] seid fest, unerschütterlich, nehmt immer zu in“, … was? …, „dem Werk des Herrn, weil ihr wißt, daß eure Arbeit nicht vergeblich ist im Herrn.“

Mit anderen Worten dienen wir so, wie wir es tun, weil wir wissen, was in der Zukunft geschehen wird. Wir dienen aus ganzem Herzen, weil wir wissen, dass es eine ewige Belohnung geben wird und eine ewige Dividende und wir uns danach sehnen. Wir hoffen darauf. Wir strecken die Hand danach aus. Wie in Römer 8 warten wir auf die Erlösung des Leibes, wir warten auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Egal, wie finster die Welt ist, egal, wie schwer die Aufgabe ist, und manchmal ist sie sehr schwer – wir warten auf die künftige Herrlichkeit. Wir warten auf die Zeit, wenn der König kommt, um die Seinen zu sich zu holen und sie zu belohnen und wenn all ihre Arbeit vollbracht ist und sie sich von ihren Mühen ausruhen. Das ist unser Anker, dass der Tag kommen wird, dass die Arbeit vollbracht sein wird.

Wisst ihr, wenn wir keine Hoffnung darauf hätten, wäre die Welt für uns definitiv sehr trostlos, immer nur zu dienen und immer das Gefühl zu haben, Niederlagen zu erleiden, nie in der Lage zu sein, alles zu tun, was ihr tun solltet, einfach aufgrund eurer eigenen Schwäche, nie die Ergebnisse zu sehen, die ihr sehen wollt, nie vorausschauen und sagen zu können: „Ah, aber eines Tages wird alles so sein, wie es sein sollte, eines Tages wird das Reich des Herrn Jesu Christi anbrechen, eines Tages wird die Mühe vorbei sein und wir werden uns davon ausruhen und ewige Ruhe in der Gegenwart Christi genießen.“ Hört mir zu, wir müssen den Blick darauf richten. Wir müssen wissen, dass dieser Tag kommen wird. Und weil wir das sehen, freuen wir uns angesichts dieser Hoffnung. Wir freuen uns angesichts dieser Hoffnung. Wir können uns nicht immer an unserem Dienst hier erfreuen, weil wir überwältigt sind von den Niederlagen, wisst ihr? Für alles Gute, was ich sehe, kann ich immer viele Dinge sehen, die nicht gut sind. Für alles Tolle, was geschieht und mich erfreut, gibt es Dinge, die noch nicht geschehen sind, die mich jedoch belasten. Aber ich freue mich angesichts der Hoffnung auf die Zukunft.

Und deshalb, so heißt es in Vers 12, können wir in unserer Bedrängnis standhalten. Das Wort „standhalten“ bedeutet „unter etwas bleiben“. Wir können unter Druck standhalten. Wir können der Prüfung standhalten, weil wir wissen, was kommt. Wir ertragen die Schwierigkeiten, thlipsis, den Druck, das ist das Wort „Druck“. Wir können dem Herrn unter Druck dienen und angesichts der Hoffnung die Hand ausstrecken, und weil wir sehen, was in der Zukunft kommt, freuen wir uns … wir freuen uns. Wir müssen Probleme durchstehen, wir müssen Schmerzen ertragen, wir müssen Ablehnung ertragen. Wir müssen Feindseligkeit ertragen. Wir müssen den Kampf mit Satan und seinen Dämonen ertragen und all jene Dinge, die den Dingen trotzen, die wir zur Ehre Gottes tun wollen. Aber das ist nicht das Ende. Eines Tages wird es einen ewigen Sieg geben, darauf hoffen wir, das gibt uns Freude und ermöglicht es uns, unter Druck standzuhalten … unter Druck standzuhalten.

Und währenddessen, so sagt Vers 12, sollen wir beharrlich … was tun? … beharrlich im Gebet sein, wir sollen beharrlich im Gebet sein. Ich glaube, einer der Gründe dafür, dass der Herr in seinem Druck nicht nachlässt, ist, damit wir weiterhin mit ihm kommunizieren. Glaubt ihr das? Wenn ihr nicht Zeit damit verbringt, mit dem Herrn zu kommunizieren, könnte das daran liegen, dass ihr nicht unter Druck steht und vielleicht steht ihr nicht unter Druck, weil ihr nicht dient. Und wenn ihr dient, tut ihr das vielleicht nicht mit großem Eifer und brennendem Geist. Ich verspreche euch Folgendes: Wenn ihr dem Herrn Jesus Christus wie ein Leibeigener dient und das aus ganzem Herzen tut und voll freudiger Erregung und Enthusiasmus, werdet ihr von Problemen umgeben sein und von Druck und inmitten dieser Dinge werdet ihr standhalten und euch angesichts der Hoffnung freuen können, weil ihr wisst, was kommt. Ich sage euch, inmitten all dieser Dinge werdet ihr Zeit damit verbringen, diese Dinge vor den Herrn zu bringen und er wird euch Kraft geben. Der Gedanke, der sich hinter „beharrlich im Gebet“ verbirgt, ist, beständig zu beten … beständig oder buchstäblich „unverzüglich/konstant im Gebet bleiben“. Das Leben wird zu einer Art offenem Dialog mit Gott. Es ist ein ständiger Dialog; jemand sagt etwas zu mir und sofort wird als Reaktion darauf ein Gebet vor Gott dargebracht. Für mich ist das einfach eine Lebensweise. Als ich hier saß, während wir gesungen haben, schossen mir Gedanken in den Kopf, Leute fielen mir ein, etliche Male musste ich an meine eigenen Kinder denken und infolge meiner Gedanken brachte ich Gott ein Gebet für sie dar. Der Dienst kommt mir in den Sinn. Der Gedanke, nach vorne zu treten, um euch zu lehren - ich bitte Gott, mir Kraft und Weisheit zu geben und die richtigen Worte. Das Leben wird zu einem offenen Dialog, bei dem ihr vollkommen abhängig seid von Gott – er ist euer geistlicher Atem. So ist das im Dienst des Herrn. Ein Christ, der also reine Liebe empfindet, Vers 9, der Böses hasst, der am Guten festhält, ist ein Christ, der sanft und herzlich gegenüber anderen Gläubigen sein wird, der demütig danach streben wird, andere zu ehren, statt selbst geehrt zu werden. Und er ist ein Christ, dessen Dienst an Jesus Christus vollkommen enthusiastisch sein wird, aus ganzem Herzen, eifriger, gehorsamer, beharrlicher Dienst. Infolgedessen werden Prüfungen und Versuchungen und Druck kommen, aber wir werden sie überwinden durch unsere starke Hoffnung auf künftige Herrlichkeit und Belohnung, die auf Gottes Verheißungen beruht, welche es einem solchen Christen ermöglichen, alles zu ertragen, das auf ihn zukommt, und sich selbst und alles, was er tut, ständig der Obhut des Herrn zu unterstellen. So soll ein Christ leben. Das alles wird hier in diesen ersten vier Versen auf den Punkt gebracht. Aber es gibt noch mehr und damit werden wir uns nächstes Mal beschäftigen. Lasst uns unsere Köpfe zum Gebet neigen.

Statt mir zuzuhören, wie ich für euch bete, würdet ihr bitte selber einen Moment im Gebet verbringen? Ich will nicht, dass diese Dinge einfach nur ertönen, auf eure Ohren treffen und damit erledigt sind. Ich will, dass sie in das Herz eine jeden Einzelnen hier eindringen. Würdet ihr also in eurem Herz den Geist Gottes bitten, diese Dinge in eurem Herz zu versiegeln? Sie euch in steter Erinnerung zu bewahren? Euch zu helfen, diese Dinge auszuleben und die Art von Christ zu sein, die ihr nach Gottes Wille sein sollt? Verbringt einfach einen Moment im Gebet.



[1] Robert Cleaver Chapman, zitiert nach Robert L. Peterson in: “Robert Cleaver Chapman. Der Mann, der Christus lebte”, CLV 2000, S. 32


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